Der Zahn der Zeit ist die Zeit am Zahn
Nicht immer ist es ratsam, mit dem Bulldozer der Realität durch das Dreamland unkritischer Bürger zu brettern. Und die Materie Zahnpflege ist ja auch nicht gerade der ideale Nährboden, um darauf Späßchen und Witzchen auszubringen. Und doch lasse ich es mir nicht nehmen, dieser Thematik auf den Zahn zu fühlen. Zähne, insbesondere die Zweiten, sind zwar ein überaus wichtiges Utensil, welches, sofern es normgerecht eingesetzt wird, dem Leben, insbesondere dem kulinarischem, von großem Nutzen sein kann. Soll heißen: Steak und Kartoffeln damit zerkleinern – ja, Bierflaschen und Konservendosen mit Pfirsichhälften damit öffnen – nein! Natürlich sind auch die ersten Zähne nicht ohne Wert, aber da sie beizeiten unterm Kopfkissen landen, um durch diesen schäbigen Trick Oma Zahnfee ums Bare zu erleichtern, sind sie doch von Mutter Natur wahrscheinlich wohl eher als Tauschmittel konzipiert worden, und zweitens gilt Kindernahrung für allgemein hin als sowieso nicht besonders bekauenswert, da Milchschnitten und Ü-Eier nicht unbedingt nach kräftigem Bisse verlangen. Dritte Zähne, auch alsbald nicht mehr diskussionswürdig, da der Rentner in spe sicherlich mehr damit beschäftigt sein dürfte, Kleingeld fürs Essbares aufzutreiben, und wo nicht viel zu beißen, da kann die Kauleiste ruhig bis auf die Felgen abgefahren sein, denn Hungertücher lassen sich notfalls auftrödeln und wie Spaghetti durch die gespitzten Seniorenlippen suckeln.
Doch, so gilt es pingelig zu fragen, warum die Zweiten denn überhaupt pflegen, wo sie doch in wenigen Jahren allemal über den Jordan gehen, besser gesagt, lange bevor man himself über diesen wandelt, ausfallen. Denn egal wie gründlich und penetrant man seine Hauer auch pflegt, putzt und spült: das Adè lauert samt Bakterien und Frucht- sowie Hackepeterfasern längst zwischen allen Zahnzwischenräumen. Nein, das Überkronen der Zähne lohnt nur dem zwielichtigem Zahnarzt, der sich von den überhöhten Behandlungskosten das Konto überkronen lässt. Und darf man Dr. Best auch nicht unabgemahnt einen Quacksalber nennen, so betitele ich ihn dennoch als Märchenerzähler, einen Erzfabulanten, denn nimmer wird es eine Zahnbürste geben, die den Weg jedes Zahnes in Richtung ewiger Existenz biegen könnte, weil das Alter eben eine Macht ist, der noch nie ein Zahn gewachsen war. Da nützen weder schräg angewinkelte X-Aktiv-Borsten und Wellenprofil des Borstenfeldes, auch wenn dieses dazu noch ein Hoch-Tief-Profil aufweist. Ebenso versagen flexible Bürstenkopfspitzen und sanft wischende Soft-Lamellen. Und auch der Werbespruch „Die klügere Zahnbürste passt sich an“, scheint mir doch mehr aus dem Spruchfundus eines auf Systemanbiederung erpichten Konservativem zu stammen. Und alles was irgendwie Rechts ist, kommt mir eh‘ nicht in den Kopf. Nicht mal in den Rachenraum.
Auch die Tatsache, dass man Aronal nur am Morgen und Elmex am Abend zur Zahnpflege nutzen soll, kann ich nicht unkommentiert stehen lassen, denn ich halte dieses für Panikmache und für eine unzulässige Gängelung des Verbrauchers durch die Firma GABA. Denn ich habe in einem Selbstversuch herausgefunden, dass, wenn man Elmex todesmutig am Morgen nutzt und Aronal couragiert am Abend, einem dann weder lange Gegenstände aus dem Kopf wachsen, noch bekommt man einen juckenden, furchtbar nässenden Hautausschlag auf Gesäß und Antlitz, kurz und gut: es passiert rein gar nichts.
Doch ich will nicht mit dem Bulldozer der Realität durch das Dreamland unkritischer Bürger brettern, sollen sie doch weiterhin Aronal nur morgens und Elmex nur abends auf ihre Zahnbürsten würsteln, denn auch ich bin, was Riten und Traditionen betrifft, hartnäckig wie Zahnstein. So konnte ich es mir bis zum heutigen Tage nicht abgewöhnen, am Morgen zu Frühstücken und am Abend zu Abendbroten.
Schlimm.
26. März 2007 um 21:54
Mutternatur ist an allem schuld, da sie nicht mit der Zeit gegangen ist und den Mensch nicht mit natürlichen Dritten ausgestatten hat. Denn das Sterbealter von uns ist ja die letzten Jahrhunderte um einiges gestiegen. Wo man früher noch mit guten Zähnen im Grab lag, so liegt man eben Heute mit den Dritten breitlächelnt im Sarg.
Naja mir kanns egal sein, denn ich will eh nur bis zu Rente leben… ohne Arbeit, wo ist da noch der Sinn.
27. März 2007 um 13:51
Zum Troste: Mit Arbeit macht es leider auch keinen Sinn.