Gedankenspiele
Mutter Natur ist eine Possenreißerin.
Sie schuf nämlich in uns Menschen nicht nur die wahrscheinlich debilsten Deppen innerhalb und außerhalb dieses Universums, nein, sie gab uns obendrein noch ein Bewusstsein, damit wir uns in den wenigen hellen Stunden unseres Geistes winden und die Lippen anfeuchten, um mit tränenerstickter Stimme in den Chor der “Vereinigten Zyniker diese Erde” einzufallen, der zu einer von Beethovens ballaststoffreichsten Kompositionen äußerst pointiert textdichtete: “Menschheit, blöder Götterdünnschiss!”.
Den Einwand, so blöd kann der Mensch ja nun eigentlich nicht sein, schließlich, es gab ja Beethoven, den Einstein und es gibt den Schulze aus der Parkallee, der doch erst vorgestern Abend die haarlose Perücke erfand, schmettere ich leichten Fußes gedanklich mit folgenden Plattitüden ab. Denn erstens bestätigen die Ausnahmen die Regel. Und zweitens ist die haarlose Perücke nicht auf dem Mist von Herrn Müller aus der Parkallee gewachsen, sondern eine weitere haarsträubende, sowie haarlose Erfindung von Mutter Natur, die diese auch außerhalb von Friseursalons als Glatze patentieren ließ.
Im Angesicht solcher menschlicher Dämlichkeiten wie den Hexenverbrennungen, zweier Weltkriege und den in letzter Zeit gehäuften “Benedetto”-Rufen, ist es müßig, weitere Fallbeispiele in die Tastatur zu hämmern. Und doch, ich tue es. Doch ich möchte nicht auf die wirklich großen, überdimensionierten Dummheiten der Menschheit hinweisen. Wie Hiroshima. Oder Bush. Oder alkoholfreies Bier. Nein, ich möchte zwei Begebenheiten aus meinem persönlichem Leben preisgeben, die den Menschen sicherlich nicht in jenes Licht stellen, in dem er sich doch ach so gerne sonnt!
Beispiel A.
Ein Wohnblock. Ein 12-Geschosser. Ich gehe auf dem Gehsteig parallel zum Beton. Ein junges Mädchen, dass ich dem Gesicht nach auf 17, den Brüsten nach auf 42 schätzte, klingelte an der Haustür und auf die Frage, wer es denn bitteschön sei, der da Einlass begehre, antwortet sie: “Ich bin’s!”
GOTT IM HIMMEL!!! WER SOLL ES DENN SONST SEIN?! Wenn ich irgendwo klingele, dann bin ich es doch auch immer selbst! Noch nie, noch in keinem einzigen Fall, war es, wenn ich irgendwo klingelte, ein Anderer! Ich war’s! Ich bin’s! Ich werde es sein!
Beispiel B.
Morgens. Verdammt früh. Man bindet die Stiefel. Der Schnürsenkel reißt. O-Kommentar: “Verdammt! Immer wenn man fort will, reißt der beschissene Senkel!”. Wann bitte schön, so möchte ich dann immer fragen, sollte er denn sonst reißen? Er wird sich ja wohl nicht mitten in der Nacht vor Wut selbst zerrupfen, nur weil er festgestellt hat, sein Knöterich hat einen derben Fußpilz.
Ich lasse beide Beispiele unkommentiert. Mir macht nur etwas Angst, dass der Mensch angeblich nicht einmal die Hälfte seines Hirnes nutzt. Ich meine, wenn man bedenkt, was er mit der einen Hälfte schon alles angestellt hat, zu was ist er dann wohl allen Ernstes fähig, oder weit besser gesagt, unfähig, wenn er erst die ganze Rübe zum Grübeln einsetzt! Vielleicht sollten sich unsere Wissenschaftler einfach mal darauf beschränken, statt in der Unendlichkeit, erst mal auf der Erde nach intelligentem Leben zu suchen.
Und so beende ich diesen Artikel mit einem meiner Aphorismen, welchen ich in alkoholgeschwängerter Stunde meinem in Teilzeit arbeitenden Hirn entlockte:
Wie sollte wohl je die Vernunft triumphieren, wenn wir es doch schon mit unserer Unvernunft so weit geschafft haben!
Na dann: Prost Mahlzeit!
26. März 2007 um 8:58
Kann ich den vorletzten Satz in die Zitat- Roll bei Neoanarchie.net übernehmen? Das wäre sehr cool…
26. März 2007 um 14:43
Klar. Machst halt ‘nen Link dazu…
26. März 2007 um 15:22
*gg* merci beaucoup, monsieur.
ob das mit dem link geht, muss ich mal schauen, weil die sprüche immer in so einer random roll ablaufen. aber auf jeden fall werde ich es mit einer quelle und dem dazugehörigen jahr versehen.
26. März 2007 um 21:57
beispiel c:
“mahlzeit” sagen…
lass ich auch mal unkommentiert…
27. März 2007 um 9:37
Wer nun? Müller oder Schulze oder Müller-Schulze? Oder sagt der auch nur immer: “Ich war’s!” Und mit welchem Zeichen schliesst man einen Fragesatz, der mit einem Ausruf endet?
27. März 2007 um 13:50
So:?!
27. März 2007 um 14:55
Traurig aber wahr! Und man weiß nie worauf das noch hinauslaufen wird. Haben wie eine größere Wahl als Abwarten?
28. März 2007 um 12:27
Genieße es ganz besonders, wenn jemand auf mich zu kommt und frägt: “Kann ich dir eine Frage stellen?” – Ja, hast du grad gemacht, sollte also kein Hindernis darstellen, es erneut und vielleicht mit einem sinnvollerem Hintergrund zu tun.
28. März 2007 um 15:43
Oder die Formulierung “Ich hätte gerne mal ne Frage…”, habe ich tagtäglich mehrmals am Telefon. Welche Frage hätten Sie den gern?
28. März 2007 um 17:49
“Noch nie, noch in keinem einzigen Fall, war es, wenn ich irgendwo klingelte, ein Anderer!”
Och, da muss ich Dich enntäuschen, ich habe schon in Geisteszuständen an Türen geklingelt in denen der Satz “Ich bins!” die tatsächliche Situation nicht treffend dargestellt hätte.
28. März 2007 um 18:25
Eindeutig schizophren. Wenn Du willst, geb ich Dir mal die Telefonnummer meiner Psychoanalytikerin.
28. März 2007 um 21:26
Lass mal, ich kenne Benedikt. Alle drei. Von denen geht keiner zur Püschoanalytikerin. Obwohl, vielleicht sollte ich mal wieder eine solche aufsuchen. Ich auch…
29. März 2007 um 10:45
Schizophrenie bedeutet immer jemanden bei sich zu haben, dem man misstrauen kann.