Unter der Knute des Knut

Knut hier! Knut da! Knut dort! Ich möchte ja dieser fast schon an Sodomie grenzenden Tierliebe der Berliner Bevölkerung keinesfalls in die Libido fahren, doch sei es mir vergönnt am Rande dieser scheinbar alle Rekorde brechenden Knuddelmanie zu bemerken, dass Eisbären laut ihrer Bestimmung Raubtiere sind, welche sich vorzugsweise von Robben und russischen Polarforschern ernähren. Und sollte jemals ein ausgewachsenes Exemplar von knapp 3 Meter Höhe und circa 600 Kilo Lebendgewicht ausgehungert wie eine Trümmerfrau anno 1946 übern Ku‘damm flanieren, so glaube ich doch behaupten zu können, dass sich die Begeisterung der Berliner nun definitiv in sehr engen Grenzen bewegen würde, besonders wenn dem niedlichen Bären statt Robbe ein kleiner Berliner zwischen den blutigen Lefzen zappelt, selbst wenn der Ursus maritimus tatsächlich den Vornamen Knut in seinem Personalausweis stehen hat.

Andererseits bitte ich die unzähligen Knut-Pilger sich doch einmal vorzustellen, wie es wohl im umgekehrten Falle wäre, wenn also sie selbst sich im Käfig befinden würden, und 25.000 Gaffer ziehen fotografierend, Heringe werfend und „Ah!“ und „Oh!“ rufend Tag für Tag an ihnen vorbei. Mag das Foto von Knut mit Klobürste im Maule ja vom gemeinen Volke für niedlich befunden werden. Ein Foto von ihrer Person mit Klobürste im Mund, und sie wären so gut wie geschieden.

Und wie zu erwarten rollt auch schon die Merchandising-Welle heran: ein Tsunami aus Bettwäsche, Handyklingeltönen, Geschirr, Klopapier und Plüschtieren, in dem selbst die Knut-Renitenten hilflos ersaufen. Liebe Merchandising-Trendsetter, wenn ihr mir wirklich einen Gefallen tun wollt, so macht mir doch bitte einen schön wuscheligen Knut-Bettvorleger. Kann auch ruhig wie frisch abgezogen aussehen. Ich bin nämlich seit der KNUTscherei nicht mehr Mitglied bei PETA.

 

9 Antworten zu “Unter der Knute des Knut”

  1. Der kleine Muck sagt:

    Auch wenn ich Knut nach wie vor mag, dieser Text sorgte bei mir trotzdem für großes Amüsemeng! :D

  2. Carsti sagt:

    Und für den polyhonen Klingelton “Knut furzt…” sende ICHBINDOOF an 0900-555-JAMBAKANNSTDUDIRSPARENABO

  3. HinRichter sagt:

    Es dauertnicht mehr lange, bis seltsam gewandete Jünger mit einem rohen Fisch im Mund zum berliner Zoo pilgern um ihrem Idol und Gott Knut zu huldigen.
    “Ich schwöre, bei Knut dem Herrn und Erlöser, mich nur noch von kulleräugigen Robbenbabys zu ernähren und der Qual ein Mensch zu sein auf immer zu entsagen! Möge ihre Knutigkeit uns ewiges Glück und Schwärme von Fischen bescheren!”

  4. tyndra sagt:

    der kleine knut kann ja nix dafür. dafür könnte man an anderer stelle was sinnvolles tun: das futter der eisbären zum beispiel ein wenig abwechslungsreicher gestalten – immer nur russische forscher fällt unter einseitige ernährung.

  5. bullymuk sagt:

    der bär hat ja besondere Talente, sogar seinen eigenen blog. Ich glaube, ich gebe meinen auf, wenn es schon soweit ist, dass ein “Viech” einen hat, das grade mal trotz der 4 Pfoten nicht umfällt.

  6. hilfspirat sagt:

    also wenn ich knut höre, denke ich zu erst einmal an fliegende tannenbäume…dank einem gewissen möbelhaus. bin ja mal gespannt wann der erste besucher unter fröhlichen “knut!”-rufen nen baum im zoo ausbuddelt und den auf die anlage wirft anstatt immer nur fisch.

    oder aus dem baum was sinnvolles machen…laminat mit (k)nut und feder!

  7. Kolumnistenschwein sagt:

    Fliegende Tannenbbäume? Machen die auch im Herbst Richtung Süden?

  8. hilfspirat sagt:

    nein nach weihnachten! so hat jeder seine gewohnheiten!

  9. Der Nöler sagt:

    (IKEA ist unschuldig!)

    Es ist gut, Knut! Meinetwegen können ja diverse Sachen vermördschendeisd werden, gerne! Und wenn das von Gummibären bis zu Darth Vader geht. In Ordnung. Ist halt so, wenn irgendwelche Leute damit Geld verdienen wollten und es auch heute noch tun. Bringt Kohle ohne Ende. Aber die ganze “Knuterei” sollte mal ein Ende finden. Wenn jetzt schon “knut” markenrechtlich geschützt ist, darf ich bestimmt auch die Zahl 7 für mich schützen lassen!? Also zählen wir ab sofort 1,2,3,4,5,6,8,9,10. Mein Vorschlag: Statt der Sieben die Elf zu nehmen. Oder, wie mein Kollege immer sagt: Ölf. Damit wären alle Unstimmigkeiten aus der Welt geschafft.
    Da stellt sich mir noch die Frage, muß ich Lizenzgebühren bezahlen, wenn ich meinen Sohn Knut nennen will? Guten Morgen, Deutschland!

    In diesem Sinne an der Ampel wartend,

    GDN