Im Würgegriff der Blauen Bänder
Früher, da glaubten die Menschen ja einfach alles. Unter anderem, dass intensives Radfahren den Mann impotent machen würde. Heute aber, nach unzähligen Sendungen Galileo und Wissen mach Ah!, haben wir erkannt, dass intensive Impotenz Radfahren macht. Denn der unbändige Drang nach Bewegung, welcher dem Manne nun einmal innewohnt, wie dem köstlichem Apfel der weit weniger köstliche Wurm, und das Bedürfnis, den eigenen Körpers durch Hektoliterweises Vergießen von Schweiß zu kasteien, wird vom Erektionslosen einfach von Bett und vollgekrümeltem Küchentisch auf Bitumen und krakeligen Waldweg verlagert. Statt auf die Lebensabschnittspartnerin zu steigen, wird halt aufs Rennrad oder Montainbike gestiegen. Was aber nicht minder angenehm sein muss. Denn auf dem Rad wird Sportlichkeit, insbesondere Geschwindigkeit, wenigstens noch gelohnt. Im ehelichen Bett dagegen, da habe ich von meiner Frau noch nie, noch nicht ein einziges mal, ein Gelbes Trikot übergestreift bekommen, wenn ich mal wieder Erster war!
Und vom Gelb ist es doch nur ein kleiner Sprung bis zum Grün. Und Grün, grün ist nicht nur die Hoffnung, welche in Gentleman Henry Maske Wurzeln geschlagen zu haben scheint, sondern vor allem der Frühling, welcher nun im Kalender steht, wie der Vorwerkvertreter allzu oft vor meinem Haus. Doch nicht nur im Kalender hat er sich breit gemacht, sondern auch in Gassen und Alleen, in Parks und auf den Feldern, und natürlich auch in mir. Und da mir mit Frühling drin so komisch wurde, so warm ums Herz und auch viel tiefer, ich aber weder Gattin noch Rad zur Verfügung hatte, beschloss ich, meine Gefühle, die Rilkes Blaue Bänder mir so großzügig spendiert hatten, in blumige Verse zu gießen.
Frühling ist,
und das schon seit Dezember.
Heiligabend haben wir gegrillt.
Was kulinarisch ziemlich trist,
denn Gegrilltes gab‘s erst im November,
weil: Der war ein Sommerbücherbild.
Apropos Frühlingsgefühle: Laut einer neuen Statistik des Statistischen Bundesamtes ist Angina pectoris die häufigste Ursache für stationären Krankenhausaufenthalte. Weit abgeschlagen: Verhaltungsstörungen durch Alkohol. Was uns durch die Blume sagen will: Saufen geht immer. Durch den Lenz flanieren: mehr oder weniger tödlich! Denn der Frühling weitet uns das Herz. Und das sorgt für ein Gefühl der Enge in der Brust. Und wenn’s eng wird in der Brust, diagnostiziert der Halbgott in Weiß immer Angina pectoris. Und wem ein passender Titel für mein Frühlingsgedicht einfällt, den nenne ich Meister. Aber nur einen Tag lang.
30. März 2007 um 5:16
Saufen geht immer? Wenn ich da an den Gymnasiasten denke, der nach 52 Tequila elendig ersoffen ist, zitiere ich Ihre nächste Headline auf der Seite: Gar nicht lustig!
30. März 2007 um 8:33
Wie wäre es mit “Fleisches Frühling” als Titel? *g*
30. März 2007 um 9:17
Wie wäre es denn mit “Wettewirrniss”?
30. März 2007 um 9:40
Die Vier Jahresgrillen?
30. März 2007 um 15:00
@ H.C.Weisser
Der Typ ist aber nicht an Angina pectoris gestorben!
30. März 2007 um 17:24
@Carsti
Du hast gewonnen, Meister!
31. März 2007 um 2:37
Ich fänd den Titel “Alles wird Knut!” recht gut.
Knut, Knut Räuber saufen mit Knut…
24. Februar 2008 um 20:54
[...] Pro für frühlingshaft bedingte Sportlichkeit mit dem natürlich unsinnigen Hinweis meiner Gattin, dass Rad fahren impotent mache, beiseite gefegt. Denn schlussendlich, ein zeitiges Ableben meiner Selbst vorrausgesetzt: was gehen [...]
20. April 2008 um 9:10
[...] Um das Warten auf den Frühling zu verkürzen, empfehle ich meine Texte “Im Würgegriff der Blaue Bänder” und “Im Würgegriff der Blauen Bänder (2)” welche ich damaligst unter intensivster [...]