Unter der Knute des Knut
Dienstag, 27. März 2007Knut hier! Knut da! Knut dort! Ich möchte ja dieser fast schon an Sodomie grenzenden Tierliebe der Berliner Bevölkerung keinesfalls in die Libido fahren, doch sei es mir vergönnt am Rande dieser scheinbar alle Rekorde brechenden Knuddelmanie zu bemerken, dass Eisbären laut ihrer Bestimmung Raubtiere sind, welche sich vorzugsweise von Robben und russischen Polarforschern ernähren. Und sollte jemals ein ausgewachsenes Exemplar von knapp 3 Meter Höhe und circa 600 Kilo Lebendgewicht ausgehungert wie eine Trümmerfrau anno 1946 übern Ku‘damm flanieren, so glaube ich doch behaupten zu können, dass sich die Begeisterung der Berliner nun definitiv in sehr engen Grenzen bewegen würde, besonders wenn dem niedlichen Bären statt Robbe ein kleiner Berliner zwischen den blutigen Lefzen zappelt, selbst wenn der Ursus maritimus tatsächlich den Vornamen Knut in seinem Personalausweis stehen hat.
Andererseits bitte ich die unzähligen Knut-Pilger sich doch einmal vorzustellen, wie es wohl im umgekehrten Falle wäre, wenn also sie selbst sich im Käfig befinden würden, und 25.000 Gaffer ziehen fotografierend, Heringe werfend und „Ah!“ und „Oh!“ rufend Tag für Tag an ihnen vorbei. Mag das Foto von Knut mit Klobürste im Maule ja vom gemeinen Volke für niedlich befunden werden. Ein Foto von ihrer Person mit Klobürste im Mund, und sie wären so gut wie geschieden.
Und wie zu erwarten rollt auch schon die Merchandising-Welle heran: ein Tsunami aus Bettwäsche, Handyklingeltönen, Geschirr, Klopapier und Plüschtieren, in dem selbst die Knut-Renitenten hilflos ersaufen. Liebe Merchandising-Trendsetter, wenn ihr mir wirklich einen Gefallen tun wollt, so macht mir doch bitte einen schön wuscheligen Knut-Bettvorleger. Kann auch ruhig wie frisch abgezogen aussehen. Ich bin nämlich seit der KNUTscherei nicht mehr Mitglied bei PETA.
