Archiv für März 2007

Unter der Knute des Knut

Dienstag, 27. März 2007

Knut hier! Knut da! Knut dort! Ich möchte ja dieser fast schon an Sodomie grenzenden Tierliebe der Berliner Bevölkerung keinesfalls in die Libido fahren, doch sei es mir vergönnt am Rande dieser scheinbar alle Rekorde brechenden Knuddelmanie zu bemerken, dass Eisbären laut ihrer Bestimmung Raubtiere sind, welche sich vorzugsweise von Robben und russischen Polarforschern ernähren. Und sollte jemals ein ausgewachsenes Exemplar von knapp 3 Meter Höhe und circa 600 Kilo Lebendgewicht ausgehungert wie eine Trümmerfrau anno 1946 übern Ku‘damm flanieren, so glaube ich doch behaupten zu können, dass sich die Begeisterung der Berliner nun definitiv in sehr engen Grenzen bewegen würde, besonders wenn dem niedlichen Bären statt Robbe ein kleiner Berliner zwischen den blutigen Lefzen zappelt, selbst wenn der Ursus maritimus tatsächlich den Vornamen Knut in seinem Personalausweis stehen hat.

Andererseits bitte ich die unzähligen Knut-Pilger sich doch einmal vorzustellen, wie es wohl im umgekehrten Falle wäre, wenn also sie selbst sich im Käfig befinden würden, und 25.000 Gaffer ziehen fotografierend, Heringe werfend und „Ah!“ und „Oh!“ rufend Tag für Tag an ihnen vorbei. Mag das Foto von Knut mit Klobürste im Maule ja vom gemeinen Volke für niedlich befunden werden. Ein Foto von ihrer Person mit Klobürste im Mund, und sie wären so gut wie geschieden.

Und wie zu erwarten rollt auch schon die Merchandising-Welle heran: ein Tsunami aus Bettwäsche, Handyklingeltönen, Geschirr, Klopapier und Plüschtieren, in dem selbst die Knut-Renitenten hilflos ersaufen. Liebe Merchandising-Trendsetter, wenn ihr mir wirklich einen Gefallen tun wollt, so macht mir doch bitte einen schön wuscheligen Knut-Bettvorleger. Kann auch ruhig wie frisch abgezogen aussehen. Ich bin nämlich seit der KNUTscherei nicht mehr Mitglied bei PETA.

 

Gedankenspiele

Sonntag, 25. März 2007

Mutter Natur ist eine Possenreißerin.

Sie schuf nämlich in uns Menschen nicht nur die wahrscheinlich debilsten Deppen innerhalb und außerhalb dieses Universums, nein, sie gab uns obendrein noch ein Bewusstsein, damit wir uns in den wenigen hellen Stunden unseres Geistes winden und die Lippen anfeuchten, um mit tränenerstickter Stimme in den Chor der “Vereinigten Zyniker diese Erde” einzufallen, der zu einer von Beethovens ballaststoffreichsten Kompositionen äußerst pointiert textdichtete: “Menschheit, blöder Götterdünnschiss!”.

Den Einwand, so blöd kann der Mensch ja nun eigentlich nicht sein, schließlich, es gab ja Beethoven, den Einstein und es gibt den Schulze aus der Parkallee, der doch erst vorgestern Abend die haarlose Perücke erfand, schmettere ich leichten Fußes gedanklich mit folgenden Plattitüden ab. Denn erstens bestätigen die Ausnahmen die Regel. Und zweitens ist die haarlose Perücke nicht auf dem Mist von Herrn Müller aus der Parkallee gewachsen, sondern eine weitere haarsträubende, sowie haarlose Erfindung von Mutter Natur, die diese auch außerhalb von Friseursalons als Glatze patentieren ließ.

Im Angesicht solcher menschlicher Dämlichkeiten wie den Hexenverbrennungen, zweier Weltkriege und den in letzter Zeit gehäuften “Benedetto”-Rufen, ist es müßig, weitere Fallbeispiele in die Tastatur zu hämmern. Und doch, ich tue es. Doch ich möchte nicht auf die wirklich großen, überdimensionierten Dummheiten der Menschheit hinweisen. Wie Hiroshima. Oder Bush. Oder alkoholfreies Bier. Nein, ich möchte zwei Begebenheiten aus meinem persönlichem Leben preisgeben, die den Menschen sicherlich nicht in jenes Licht stellen, in dem er sich doch ach so gerne sonnt!

Beispiel A.

Ein Wohnblock. Ein 12-Geschosser. Ich gehe auf dem Gehsteig parallel zum Beton. Ein junges Mädchen, dass ich dem Gesicht nach auf 17, den Brüsten nach auf 42 schätzte, klingelte an der Haustür und auf die Frage, wer es denn bitteschön sei, der da Einlass begehre, antwortet sie: “Ich bin’s!”

GOTT IM HIMMEL!!! WER SOLL ES DENN SONST SEIN?! Wenn ich irgendwo klingele, dann bin ich es doch auch immer selbst! Noch nie, noch in keinem einzigen Fall, war es, wenn ich irgendwo klingelte, ein Anderer! Ich war’s! Ich bin’s! Ich werde es sein!

Beispiel B.

Morgens. Verdammt früh. Man bindet die Stiefel. Der Schnürsenkel reißt. O-Kommentar: “Verdammt! Immer wenn man fort will, reißt der beschissene Senkel!”. Wann bitte schön, so möchte ich dann immer fragen, sollte er denn sonst reißen? Er wird sich ja wohl nicht mitten in der Nacht vor Wut selbst zerrupfen, nur weil er festgestellt hat, sein Knöterich hat einen derben Fußpilz.

Ich lasse beide Beispiele unkommentiert. Mir macht nur etwas Angst, dass der Mensch angeblich nicht einmal die Hälfte seines Hirnes nutzt. Ich meine, wenn man bedenkt, was er mit der einen Hälfte schon alles angestellt hat, zu was ist er dann wohl allen Ernstes fähig, oder weit besser gesagt, unfähig, wenn er erst die ganze Rübe zum Grübeln einsetzt! Vielleicht sollten sich unsere Wissenschaftler einfach mal darauf beschränken, statt in der Unendlichkeit, erst mal auf der Erde nach intelligentem Leben zu suchen.

Und so beende ich diesen Artikel mit einem meiner Aphorismen, welchen ich in alkoholgeschwängerter Stunde meinem in Teilzeit arbeitenden Hirn entlockte:

Wie sollte wohl je die Vernunft triumphieren, wenn wir es doch schon mit unserer Unvernunft so weit geschafft haben!

Na dann: Prost Mahlzeit!

Fünfzeiler (stark gekürzt)

Sonntag, 25. März 2007

Sonntag ist,

ich grins in den Kaffee.

Nur die Gattin mosert: Mist.

Denn diese trinkt nur Tee.