Archiv für April 2007

Der Tag, an dem ich mit Angela Merkel schlief

Samstag, 28. April 2007

Es muss ein Donnerstagmorgen gewesen sein. Oder ein Freitagmorgen. Mein Wecker schrie schrill und unbarmherzig und das Hirn schaltete sich ein, um meine Beine aus dem Bett zu werfen, worauf die daran hängenden Füße in einem noch halb gefüllten Topf Chili con Carne landeten. Und ich spürte instinktiv: Lothar, dies wird nicht dein Tag. Was ja für mich nicht unbedingt eine mir unbekannte Erkenntnis darstellte. Schließlich, ich hatte in meinem bisherigen Leben schon unzählige blaue Augen, gebrochene Herzen und offene Magengeschwüre, aber eben ganz, ganz selten meine Tage. Doch an jenem Donnerstag-, oder auch Freitagmorgen, da hatte ich so eine Ahnung zwischen den Geschwüren, während ich die Biere vom Vorabend per Penis ins Klosett kippte:  dieser Tag wird garantiert blutig. Und das lag sicher nicht an den rotgeäderten Augen, welche mir schläfrig aus dem Spiegel in die rotgeäderten Augen schauten.

Und so schaufelte ich ziemlich beunruhigt mein Müsli in den Rachen, kaute lustlos am Kaffee herum und war sowieso ziemlich durcheinander, da ich in der beim Nachbarn geklauten Zeitung las, die Wahlen würden vorgezogen. Und Wahlen machten mich immer so was von fertig. Denn ich wusste, nach jeder Wahl, da wurde mein Leben immer einen großen Haufen scheisser.

Um meine Stimmung aufzuhellen ersetzte ich den Kaffee durch eine Flasche Weißwein. Da dieser sehr trocken war, und um den stimmungsstimulierenden Weißmacher noch zu potenzieren, spülte ich mit Weißbier nach. Was dazu führte, dass ich statt meiner Zähne, die den Augen gleichsam rotgeäderte Nase mit Blendamed putzte. So präpariert und trotz aller Bedenken begab ich mich ins Büro. Wo für mich ein klitzekleiner Lichtblick das Licht der Welt erblickte, denn ein Kollege glaubte, er hätte wohl Geburtstag. Und der Whisky, den Kollege Runkewald zum Besten gab, war schließlich alt genug, um zu wissen was er tat, mit mir. An jenem Donnerstag-, oder auch Freitagmorgen. Und nach sechs, sieben Kaffeepötten voller Malzigem waren alle angestammten Antisympathien vergessen. Jedenfalls fast. Wir einigten uns darauf, nur der Chef sei ein Arsch.

Die Mittagspause verbrachten wir im Pub an der Ecke. Es gab, so wähne ich mich zu erinnern, irisches Bier und Hammelhoden. Nicht schlecht. Wenn man irisches Bier mag. Wieder im Büro angeschwankt, ließ man den Schreibkram einen guten Mann sein, denn irgendwer hatte in seiner Schublade eine Buddel Rum gefunden. Und so wurde der Arbeitstag gegen alle anfänglichen Bedenken doch noch so normal wie nur möglich. Irgendwann schrie Irgendwer irgendwas von Feierabend. Und irgendwie landete ich wieder im Pub. Und nun kommt der hypothetische Teil der Geschichte. Hypothetisch deshalb, weil er nur auf Zeugenaussagen beruht. Und auf polizeilichen Protokollen. In der Zeit von “ich weiß nicht mehr” bis “keine Ahnung” muss ich wohl an jene Mauer gelangt sein, die wegen der verdammten Wahl mit Wahlplakaten plakativ zuplakatiert war. Vielleicht wollte ich mich nur erleichtern, vielleicht war ich einfach auch nur blau. Man fand mich jedenfalls mit heruntergelassener Hose und blutig gestoßenem Penis vor einem Plakat der CDU liegend. Das Plakat zeigte Angela Merkel. Und an der Stelle, an der man den Beweis vermutete, sie wäre eine Frau, klaffte ein riesiges Loch in der Wand. Doch was die Beamten am meisten verwunderte, waren die noch warmen Hammelhoden in meinen Hosentaschen. Und das Chili con Carne in meinen Socken. Und der Chefarzt, ein Kerl mit einem Gemüt wie ein Bernhardiner des Lawinenschutzes, klopfte mir auf den bandagierten Unterleib und sagte freundlich: „Junge, dat musste aufschreiben!“

Halbgötter in Schwarz

Donnerstag, 26. April 2007

Glaubensfreiheit ist eine grandiose staatliche Einrichtung, denn ganz gleich wie undurchsichtig und fragwürdig die Rolle des einzelnen Subjektes auf der Bühne des Lebens auch sein mag: Es darf sich nach Belieben im Kopfe dazu ein äußerst feudales Bühnenbild zimmern, selbst wenn es zur eigenen Statistenrolle passen sollte, wie Speiseeis nach Pückler Art zu Sardellen.

Cho Seung Hui (wir erinnern uns: der Studienabbrecher von der Virginia-Tech in Blacksburg) glaubte beispielsweise, er wäre wohl so etwas wie ein zweiter Jesus. Dr. Helmut Kohl dagegen glaubt, er wäre prädestiniert für den Friedensnobelpreis. Doch bekäme er diesen wirklich um den feisten Stiernacken gehangen, dann wäre dieses ungefähr so, als würde die UNESCO beschließen, die Sendung „Vera am Mittag“ zum Weltkulturerbe zu erklären. Womit aus meiner subjektiven Sicht gesagt sein soll, dass beide Entscheidungen garantiert ein ziemlich tiefer Griff in die weiche Masse wären. Denn schließlich hat sich doch Big Helmut nur die Kastanien ans Revers geheftet, die die Stoffbeutel- und Anorakträger im damaligen grauen Leipzig aus dem Stasifeuer holten. Doch die gingen nicht für Friedensnobelpreise oder bleikristallene Kelche auf die maroden Strassen – die wollten einfach nur Bananen und grießfreies Westfernsehen. Die einzige Großtat Dr. Helmut Kohls, an die ich mich nebelhaft erinnere, war, dass er den Eierwerfer von Halle persönlich am Juso-Schlafittchen packte, was mir zu jener Zeit auch sehr lobenswert erschien, denn selten bedenken unbedachte Eierwerfer, wie sehr sich doch so ein kleines Huhn den Arsch und angrenzende Körperöffnungen für nur ein einziges Ei aufreißen muss.

Doch wer von uns sich jemals die geistige Blöße gab, einer Sendung von „Vera am Mittag“, die leider erst nach der letzten statt vor ihrer ersten Ausstrahlung abgesetzt wurde, als Zuschauer beizuwohnen, der weiß natürlich auch, dass dieses Sendeformat niemals von der UNESCO ausgezeichnet wurde, nicht einmal mit dem Unter-aller-Sau-Pokal, selbst wenn es so einen wirklich irgendwann einmal gegeben haben sollte. Denn „Vera am Mittag“ war stets nur eine Zurschaustellung von einfachen Charakteren, die zusammen ungefähr einen IQ von 36 auf die intellektuelle Waage brachten, und sich während der ganzen Sendung gegenseitig giftspuckend und wutschnaubend vorwarfen, wer mit wem wann und wie oft kopulierte, auch wenn dem kritischen Zuschauer beim Anblick dieser menschlichen B-Ware längst unheilvoll schwante: wer mit denen das Bett teilt, der legt sich auch zu Tieren.

Und da auch bei Sat1 Glaubensfreiheit durch die Studios wehte, glaubte vielleicht Vera Int-Veen, sie würde moderieren, dabei bestand ihr Aufgabe nur darin, sobald sich die Wogen im Studio zu glätten drohten, neues Öl ins Feuer der Zwistigkeit zu gießen, auf das die Studiogäste einander ans Gekröse gingen. Doch um solch mediale Aufwiegler und Unterste-Schublade-Demagogen, da macht die Friedenstaube stetig große weite Bögen, was für Vera in Betreff auf Nobelpreise in Sachen Frieden auf Essig deutet.

Doch auch ich bin eifriger Nutznießer der Glaubensfreiheit, da ich mir die Freiheit erlaube zu glauben, dass man im staubigen Irak weitaus sicherer lebt als im teilsanierten Deutschland, da im Irak 2006 durchschnittlich nur 120 Menschen pro Monat gewaltsam umkamen, während in Deutschland laut Expertenmeinung des Aktionsbündnis Patientensicherheit pro Jahr 17.000, also monatlich über 1400 Patienten wegen vermeidbarer Behandlungsfehler über den Jordan gehen, womit, wer möchte, schlussfolgern kann: Die Ärztekammer ist die Al Kaida des Deutschen Gesundheitswesen.

Und seitdem ich dieses Wissen dingfest machte, sind in meinem Hause Doktorspiele ein für und allemal passé.

Spargel vs. Genuss

Dienstag, 24. April 2007

Das Schönste an der Spargelzeit ist, dass es dann bald Erdbeeren gibt. Denn mal ehrlich, was ist schon ein blasser, dünnbeiniger Spargel, der bis zur Halskrause im Moder steckt, gegen eine vom Regen gepeelte, vom Wind gewusselte und von der Sonne gesüßte Senga Sengana?! Und hat von Ihnen schon mal einer versucht, aus einem Kilo polnischen, von deutschen Erntehelfern gestochenem Spargel, eine halbwegs anmutige Erdbeertorte zu zaubern? Und Sauce Hollandaise sieht für mich genauso aus (und da kann sich die Beatrix von mir aus vor Wut die Perlen aus der Krone beißen) wie das, was ich mir denke, was Sie sich denken, was ich mir denke. Wahrscheinlich ist deshalb meine Frau so scharf auf das Zeug.