Warum mein nächster Brief nach Berlin geht
Das Beisammensein des Menschen ist ein üppig vermintes Gelände. Und besonders arg wird das sowieso schon weit über Gebühr strapazierte Zwischenmenschliche gefordert, wenn der Fahrer des voranfahrende PKW sich spontan dazu entschließt, sobald sein Fahrzeug die Kreuzungsmitte bereits schon mehr als nur hinter sich gelassen hat, mit allen zur Verfügung stehenden Füßen voll in die Eisen zu steigen, um mit quietschenden Bremsen, quietschenden Reifen und quietschender Beifahrerin links abzubiegen, um, sobald er in der Seitenstrasse eingebogen ist, endlich auch den dazu passenden Blinker zu setzen. Und furchtbar gerne würde man dem Verkehrsrowdy gehörig lästerliche Flüche und großbuchstabige Worte hinterdrein werfen, doch man ist ja mindestens 30 Minuten der darauffolgenden halben Stunde vollauf damit beschäftigt, die Folgen der eigenen Vollbremsung auszulegen, was im Detail immer bedeutet, dass man nun sämtliche seiner Vorderzähne aus dem Lenkrad ziehen darf. Denn Vorderzähne im Lenkrad mögen zwar dessen Griffigkeit in brenzligen Fahrsituationen verbessern helfen, lassen einen aber in Bezug auf knackige Äpfel und Krokantgebäck genießen ziemlich alt aussehen. Den Aufkleber “Ich bremse auch für Tiere” kann man an so gut wie jedem dritten Fahrzeug sichten. “Ich bremse auch für Zähne”-Aufkleber haben sich dagegen aus oben benannten Grunde leider niemals durchgesetzt.
Doch gerade eben aus oben erwähnten Grunde habe ich immer ein kleines Gefäß für den Fall der Fälle ausgefallener Zähne parat, gefüllt mit einer Nährlösung, um die nun heimatlosen Zähne bei bester Laune zu halten. Diese sogenannten Zahn-Rettungsboxen sind für lausige 20 Euro in allen Apotheken zum Handel freigegeben worden, mit dem Versprechen, dass der ausgefallene Zahn sich darin für die nächsten 48 Stunden pudelwohl fühlen würde, auf dass der Dentist diesen Zahn wieder einlöten kann. Und mit pudelwohl fühlen, da meine ich nicht etwa, dass in dieser Box außer Nährlösung dem Zahne vielleicht auch noch Kultur und Matineen samt Brunch geboten werden, was ja auch Perlen vor die Säue wären, denn allein das Nichtvorhandensein von Bohrern und Zangen, und nicht das Vorhandensein von Geigen und Tenören und gekochten Eierhälften mit Kaviarhäufchen drauf, lassen die meinigen Kauleisten äußerst zufrieden schnurren. Doch der einzig wahre und größte Feind aller Zähne ist nicht etwa der unbedacht abbiegende Unmensch mit Saalfelder Kennzeichen, sondern die Süße des Lebens in Form von zuckerhaltigen Nascherein. Karies ist aber nicht nur von löchriger Beschaffenheit, sondern macht auch den Atem des von Zahnfäule befallenen Menschen für andere Mitbürger so schwer verdaubar, dass selbst die blöde machende Liebe nur für wenige Tage den Mantel der Barmherzigkeit darüber zu decken vermag. Und darum gehe ich Süßigkeiten stets aus dem klebrigen Wege. Doch da Ausnahmen ja auch immer die Regel bestätigen, habe auch ich natürlich in Sachen leere Kalorien einen gehörigen Schwachpunkt, welcher auf den kurzen und daher sehr eingängigen Namen Eis hört. Ja, für Eis würde ich töten. Wenn nicht sogar stehlen.
Auch wenn es wenig Sinn zu machen scheint, so muss ich nun dennoch darauf hinweisen, dass ich das Tragen langer Haare zum Hobby habe. Selbst wenn die Zeiten, in denen man sich für circa 50 Zentimeter langes Haupthaar als Mann entschuldigen musste, scheinbar vor Längerem schon verrottet sind, so möchte ich trotzdem darauf hinweisen, dass Jesus angeblich lange Haare hatte und Mittelscheitel trug, genau wie auch Albrecht Dürer. Adolf Hitler und Günther Oettinger waren und sind dagegen Seitenscheitelträger und hatten und haben so eine Art Fassonschnitt, was ich hiermit als ausreichende Begründung für meine Frisur gelten lassen möchte. Worauf ich aber hinaus will ist, dass, wenn man sich beim Italiener eine Eistüte haushoch füllen ließ, und sich diese nun erwartungsvoll Richtung sabbernden Mund schiebt, und gerade just in diesem Moment ein Windhauch der stärkeren Sorte einem die Frisur zwischen Eis und Mund schupst, worauf man lang und fettig behaartes Schokoladeneis genießen darf, so ist dieses, wenn auch nur sporadisch auftretend, ein dem Spätlinksabbiegern gleichwertiges Stück Daseinsgrütze. Und deshalb werde ich in den nächsten Tagen beim Petitionsausschuss des Bundestages beantragen, dass Linksabbiegen und Windböen in Deutschland verboten werden. Unterstützerunterschriften bitte unten einfügen. Danke!
15. April 2007 um 22:31
Herr Kolumnist, jetzt tunse mal nicht so wichtig autonom, nur weil ihnen ihre 50cm lange Perücke vom letzten Jethro Tull-Konzert noch nicht von ihren jungen Nachbarn ohne Haarwuchs angezündet wurde, ihnen ein oder zwei lange Gemälde (junge Bürger nennen es wohl auch Longsleeve) auf den Arm gemalt wurden und sie keinen Seitenscheitel tragen.
Das Gebiss könnense nach der Bremsung schließlich bei jeder Gelegenheit noch einmal benutzen und wenn sie schlau sind, stecken sie es vor Gefahrensituationen gleich in die Brotbüchse, die bei jedem aufrechten Thüringer üblicherweise vorne rechts im Handschuhfach liegt. (bei Unklarheiten bitte beim zuständigen Ordnugsamt nachfragen!)
Das nennt sich auch vorausschauendes Fahren und gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr.
Plötzliches und unerwartetes Linksabbigen ist immer noch besser, als sich sich ständig auf der rechten Fahrbahn ohne Perücke zu tummeln.
Diese, für meinen IQ sehr weisen Worte, wollte ich nur kurz und knapp angemerkt haben, sehr geehrter Herr Kolumnist.
Außerdem hoffe ich, daß wir uns am 1.5. auf dem Leipziger Platz in Erfurt sehen.
Wir können uns dort ganz nebenbei auch heimlich unsere Tätowierungen zeigen und uns gegenseitig mit selbigen in Verzückung und Ekstase versetzen.
Ich freu mich drauf…und verbleibe mit gräulichen Füßen…
16. April 2007 um 14:49
1. Mai? Demo? ICH WILL DOCH NUR FEIERN!!!
16. April 2007 um 15:38
[...] Ihr Kolumnistenschweine! [...]
17. April 2007 um 10:35
Zum Thema fettig-schwarz perükte Eistüte mag ich mich nicht äussern weil mich dieses Thema nicht berührt. Allerdings schliesse ich mich einer Gegenbewegung zum Geschmeiss der, in Unkenntniss des entsprechenden Blinkers befindlichen, Links-Spät-Abbieger an. Diese Unsitte sollte sofort mit Führerscheinentzug und MPU geahndet werden.
Meine Stimme hast du.
mfg ico
17. April 2007 um 16:43
Abbiegen ist immer Mist. Spieß voran, drauf und dran!