Wenn die Arschkarte Trumpf ist

Wenn ich schwul wäre, dann würde ich gern bei den Mainzelmännchen wohnen wollen.

Welch Labsal für meinen geschundenen Körper, wenn ich zerschlagen und blutend von meinem 1-Euro-Job als S-Bahn-Security nach Hause komme, und mich begrüßen schon an der Türe sechs prall gefüllte Latzhöschen mit einem dahin gehauchtem “Guudn Amd!”, um mich darauf hin im Sessellift in den ersten Stock zu fahren, mittels Zuhilfenahme eines Wannenliftes baden, und mich danach in Rheumadecken zu hüllen und Ted, der Gute, serviert mir ein großes, großes Glas ANGEWÄRMTES “Vita Buerlecithin”.

Da würde ich, bis zur Schädeldecke mit Wohlgefühl angefüllt, alle 5 Glieder weit von mir strecken. Und es wäre mir auch scheißegal, ob die Demokratiefaschisten in Big Berlin nun das AlgII auf Hungerleiderniveau zusammen streichen, einstreichen, denn die Mainzelmännchen arbeiten beim Öffentlich-Rechtlichen und schwimmen in Gebührengeld.

Doch ich bin ja nicht schwul. Und das finde ich gut. Denn sonst müsste ich ja an jedem Christopher-Street-Day meine Hoden in einen engen, schwarzen, nietenbesetzten Kunstlederslip zwängen, mich in rosa Plüschstiefel und giftgrüne Boa kleiden und sonst nix, zu Village People durch Hauptstraßen tänzeln, und müsste Hunderte von wildfremden Polizisten abschlecken. Das würde mir nicht gefallen. Das mit der grünen Boa.

Überhaupt finde ich es sehr übertrieben, nur wegen seiner sexuellen Vorlieben eine Parade abzuhalten. Ich ficke mit meiner Frau, bin aber noch nie auf den Gedanken gekommen, deswegen gleich einen Umzug zu machen. Schon gar nicht in Unterhose.

Und die Begründung, man wolle nur auf seine Benachteiligung aufmerksam machen, finde ich auch an den grell eingefärbten Haaren herbei gezogen. Schließlich leben wir in Deutschland. Und da ist die Benachteiligung von Minderheiten Tradition. Steuerzahler, SPD-Wähler, Camilla-Verehrer, Nobelpreisträger, Berufstätige, Leute ohne Schuhmacher-Poster im Schlafzimmer, alles Minderheiten, auf deren Kosten Deutschlands auflagenstärkstes Blatt sich die Druckmaschinen vergolden lässt.

So gesehen lässt sich sagen, wirklich Randgruppe wären Schwule und Lesben doch erst, wenn diese NICHT mehr diskriminiert würden. Welch grausiges Bild: die gemeinsamen Kinder von Cornelia Scheel und Hella von Sinnen einsam und verstoßen in der Ecke des Kinderhortes, weil niemand auf sie zeigen will! Da würde ich mir als Spross gleichgeschlechtlicher Liebe aber ganz, ganz schnell einen rosa Winkel auf die Schulsträflingsuniform nähen! Oder mindestens einen “Ich bin stolz ein Minderheit zu sein!”-Aufnäher.

Selbst die Katholische Kirche ist auf der Höhe der Zeit. Bis zu 40 Prozent ihrer Priester sollen homosexuell sein. Da werden die Glocken nicht nur Sonntags, sondern auch gegenseitig geläutet. Und die machen auch keine Parade und schreien herum: “Hallelujah! Ich liebe meinen Nächsten!”.

Wenn ich schwul wäre, dann würde ich gern bei den Mainzelmännchen wohnen wollen. Doch statt Parade würden wir nur immer furchtbar enge Polonaise machen. Und Ted, der Gute, würde immer vor Vergnügen quietschen:

“Los Jungs! Wir machen einen Kreis!”.

 

10 Antworten zu “Wenn die Arschkarte Trumpf ist”

  1. Frankie sagt:

    Hervorragend gelungen! Allein der erste Satz machte Neugier auf mehr. Aber, lieber Textspeier, wir teilen das gleiche Schicksal, auch ich bin nur dem weiblichen Geschelcht ergeben. Allein der Gedanke an Schließmuskelkater lässt mich würgen. Den Hals des Nougatstechers.

  2. Frankie sagt:

    Geschelcht. Na klasse. Und das ohne Alkohol. Wird sich sofort ändern.

  3. Kolumnistenschwein sagt:

    Aber bitte nicht mißverstehen: Die sexuelle Ausrichtung des Einzelnen interessiert mich einen feuchten Kericht. Auch mein Bekanntenkreis hat Freunde der gleichgeschlechtlichen Liebe im inneren Zirkel. Nur der Rummel, der um diese Laune der Natur gemacht wird: Pfui!
    Ansonsten schließe ich mich an: Prost!

  4. Dieter Petereit sagt:

    Was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füg auch keinem andern zu.

  5. Bodo Wünsch sagt:

    > Nur der Rummel, der um diese Laune der Natur gemacht wird: Pfui!

    Wieso? Las’se doch, musst ja nicht mitraummeln.

    Pfui sind die, die meinen, Homos gehören in’n Ofen. Und davon gibt’s mehr als Homos.

    Ansonsten: Dufte Schreibe! :-)

  6. Frank R. sagt:

    Wenn wir solche Paraden nicht gemacht hätten, würden engstirnige Heten uns noch heute in den Knast sperren.

  7. admin sagt:

    Engstirnige finden immer jemanden, den sie unbedingt einsperren wollen. Ob nun mit oder ohne Parade.

  8. Blogs, Blogger und das echte Leben · Happy Arts Blog sagt:

    [...] ablenken, dass es um all die schönen, traurigen und lustigen Dinge des Lebens ging. Mit dem Kolumnistenschwein startete die Lesung. Er sieht aus, wie man sich einen Blogger vorstellt, schreibt jedoch, wie man [...]

  9. Einfach nur grandios « Lifeless happiness. sagt:

    [...] Überhaupt finde ich es sehr übertrieben, nur wegen seiner sexuellen Vorlieben eine Parade abzuhalten. Ich ficke mit meiner Frau, bin aber noch nie auf den Gedanken gekommen, deswegen gleich einen Umzug zu machen. Schon gar nicht in Unterhose. [...]

  10. kolumnistenschwein.de » Blog Archiv » R.I.P! sagt:

    [...] einem Friedhof in Copenhagen bekommen Homosexuelle einen eigenen Bereich. Wäre ich schwul, so würde ich wahrscheinlich gern im am Arsch der Welt begraben werden wollen. Rust in Popo, [...]