Spargel vs. Genuss

Das Schönste an der Spargelzeit ist, dass es dann bald Erdbeeren gibt. Denn mal ehrlich, was ist schon ein blasser, dünnbeiniger Spargel, der bis zur Halskrause im Moder steckt, gegen eine vom Regen gepeelte, vom Wind gewusselte und von der Sonne gesüßte Senga Sengana?! Und hat von Ihnen schon mal einer versucht, aus einem Kilo polnischen, von deutschen Erntehelfern gestochenem Spargel, eine halbwegs anmutige Erdbeertorte zu zaubern? Und Sauce Hollandaise sieht für mich genauso aus (und da kann sich die Beatrix von mir aus vor Wut die Perlen aus der Krone beißen) wie das, was ich mir denke, was Sie sich denken, was ich mir denke. Wahrscheinlich ist deshalb meine Frau so scharf auf das Zeug.

5 Antworten zu “Spargel vs. Genuss”

  1. HinRichter sagt:

    Mir passiert es zu dieser Jahreszeit regelmäßig, daß man so als nichtsahnender Spargelhasser zum Essen eingeladen wird, um dann von einem freudestrahlenden Gastgeber mit den Worten “Du, unser Bauer hat zum Glück wieder Spargel, dieses Jahr.” empfangen zu werden.
    Jedes Jahr das gleiche Spiel. Immer wieder. Die Leute kennen einen in manchen Fällen genauso lang, wie man sich auf Planet Erde befindet und trotzdem findet es keinen Eingang in die Hirne der Spargelfanatiker, daß es Manchen eben NICHT so unheimlich toll schmeckt.
    Dann kommt, wenn man sich mit Kartoffeln, Quark und totem Tier auf dem Teller dazugesetzt hat, das unvermeidliche “Ooooch, jetzt probier doch wenigstens mal…”
    Alles Wiederstreben, alles Sträuben, Zappeln, Bellen und Kämpfen hat keinen Sinn: Irgendwann hat man so ein verdammtes Gemüse aus der Hölle im Mund.
    Dann kommt es. Das ultimative Spargelerlebnis.
    Die weiche, leicht schleimige Masse breitet sich im Mund aus. So muss es sich anfühlen, wenn man auf den fingern einer aufgewärmten Wasserleiche kaut. Im verzweifelten Bemühen, das Ding nicht auf den Tisch zu spucken (schlechte Manieren), fängt man an zu kauen und es wird sogar noch schlimmer. Die Mischung machts. Das Konglomerat aus holzigen Strähnen und glibberig- wiederstandsfähigem Matsch bildert einen Klumpen im Mund und man weiss genau: Diese Pampe muss man gleich runterschlucken. Kurz davor, sich das gute Weißbier von vorher wieder durch den Kopf gehen zu lassen, stellt man sich mannhaft der Folter und schluckt.
    Nachdem man das Gefühl überwunden hat, ein teilweise lebendiger Oktopus würde einem die Kehle herunterrutschen, ist es glücklicherweise vorbei und man kann die Umsitzenden mit diesem vorwurfsvollen “Wegen-euch-hätte-ich-fast-gekotzt”- Blick strafen.

    So, jetzt habe ich mich dermaßen reingesteigert, daß ich jetzt in meine Büropflanze reihern werde und dann heim gehe.

  2. Kolumnistenschwein sagt:

    Man sollte halt keinen Spargel stechen. Höchstens spargelige Gastgeber damit erstechen.

  3. bastiH sagt:

    was für erdbeeren habe ich eigentlich in den letzten zwei monaten gegessen, wenn jetzt erst die ernte ansteht? o_O

    notiz an mich selbst: bilde dich in agrakultur….

  4. Kolumnistenschwein sagt:

    Spanische. Wahrscheinlich. Senga pestizida. Auch wahrscheinlich.

  5. bastih sagt:

    werde das nachprüfen. vielen dank für den wink mit dem ganzen zaun.