Archiv für April 2007

Wenn die Arschkarte Trumpf ist

Sonntag, 22. April 2007

Wenn ich schwul wäre, dann würde ich gern bei den Mainzelmännchen wohnen wollen.

Welch Labsal für meinen geschundenen Körper, wenn ich zerschlagen und blutend von meinem 1-Euro-Job als S-Bahn-Security nach Hause komme, und mich begrüßen schon an der Türe sechs prall gefüllte Latzhöschen mit einem dahin gehauchtem “Guudn Amd!”, um mich darauf hin im Sessellift in den ersten Stock zu fahren, mittels Zuhilfenahme eines Wannenliftes baden, und mich danach in Rheumadecken zu hüllen und Ted, der Gute, serviert mir ein großes, großes Glas ANGEWÄRMTES “Vita Buerlecithin”.

Da würde ich, bis zur Schädeldecke mit Wohlgefühl angefüllt, alle 5 Glieder weit von mir strecken. Und es wäre mir auch scheißegal, ob die Demokratiefaschisten in Big Berlin nun das AlgII auf Hungerleiderniveau zusammen streichen, einstreichen, denn die Mainzelmännchen arbeiten beim Öffentlich-Rechtlichen und schwimmen in Gebührengeld.

Doch ich bin ja nicht schwul. Und das finde ich gut. Denn sonst müsste ich ja an jedem Christopher-Street-Day meine Hoden in einen engen, schwarzen, nietenbesetzten Kunstlederslip zwängen, mich in rosa Plüschstiefel und giftgrüne Boa kleiden und sonst nix, zu Village People durch Hauptstraßen tänzeln, und müsste Hunderte von wildfremden Polizisten abschlecken. Das würde mir nicht gefallen. Das mit der grünen Boa.

Überhaupt finde ich es sehr übertrieben, nur wegen seiner sexuellen Vorlieben eine Parade abzuhalten. Ich ficke mit meiner Frau, bin aber noch nie auf den Gedanken gekommen, deswegen gleich einen Umzug zu machen. Schon gar nicht in Unterhose.

Und die Begründung, man wolle nur auf seine Benachteiligung aufmerksam machen, finde ich auch an den grell eingefärbten Haaren herbei gezogen. Schließlich leben wir in Deutschland. Und da ist die Benachteiligung von Minderheiten Tradition. Steuerzahler, SPD-Wähler, Camilla-Verehrer, Nobelpreisträger, Berufstätige, Leute ohne Schuhmacher-Poster im Schlafzimmer, alles Minderheiten, auf deren Kosten Deutschlands auflagenstärkstes Blatt sich die Druckmaschinen vergolden lässt.

So gesehen lässt sich sagen, wirklich Randgruppe wären Schwule und Lesben doch erst, wenn diese NICHT mehr diskriminiert würden. Welch grausiges Bild: die gemeinsamen Kinder von Cornelia Scheel und Hella von Sinnen einsam und verstoßen in der Ecke des Kinderhortes, weil niemand auf sie zeigen will! Da würde ich mir als Spross gleichgeschlechtlicher Liebe aber ganz, ganz schnell einen rosa Winkel auf die Schulsträflingsuniform nähen! Oder mindestens einen “Ich bin stolz ein Minderheit zu sein!”-Aufnäher.

Selbst die Katholische Kirche ist auf der Höhe der Zeit. Bis zu 40 Prozent ihrer Priester sollen homosexuell sein. Da werden die Glocken nicht nur Sonntags, sondern auch gegenseitig geläutet. Und die machen auch keine Parade und schreien herum: “Hallelujah! Ich liebe meinen Nächsten!”.

Wenn ich schwul wäre, dann würde ich gern bei den Mainzelmännchen wohnen wollen. Doch statt Parade würden wir nur immer furchtbar enge Polonaise machen. Und Ted, der Gute, würde immer vor Vergnügen quietschen:

“Los Jungs! Wir machen einen Kreis!”.

 

Der Text, den Margot Honecker gern geschrieben hätte

Donnerstag, 19. April 2007

Wenn Autos mit Wasser betankt werden könnten, dann wären alle Springbrunnen in den Händen von Esso und Aral. Und die Füße in den Bach hinterm Haus hängen: Von wegen für lau! Das, liebe Freunde, das ist der Kapitalismus. Natürlich gibt es sicherlich zahlreiche Ausführungen, Beschreibungen und Abrisse dieses Gesellschaftssystems, die um Längen länger, um Bilder bildhafter, und um Grautöne gräulicher wären, doch für den sozialpolitischen Einsteiger, also den Wissensdurstigen von der Stange, sollte mit dieser spärlichen Darstellung der Genüge getan sein. Anders gesagt: Das Maß der Erkenntnis ist, was voll üble Gesellschaftssysteme betrifft, hier für Lernwillige allemal randvoll.

Denn ich will um Himmels Willen nicht zu Hinz und Kunz dazugehören, die allesamt an der uns in den gesellschaftlichen Schoß gefallenen Marktwirtschaft herummäkeln. Dabei, so schlecht kann sie doch gar nicht sein, denn allein in God bless America, wo ja der Kapitalismus in Reinkultur gepflegt wird und die Armut wächst und gedeiht wie in Frührentner Willi Schabutzkes Gewächshaus alljährlich die Gurken, da gibt es dennoch so viele Überübergewichtige, dass, wenn alle Dicken dort gleichzeitig in der Nase bohren täten, nach meinen Brechnungen ein Popel so groß wie der Mond entstehen würde. Dies ist natürlich nur hypothetisch, da kein Mensch so große Finger hat, um so eine Wahnsinnskugel rollen zu können! Nicht einmal Vater Staat, und der hat ja bekanntermaßen verdammt lange Finger! Und außerdem ist es, jedenfalls was den hygienischen Aspekt betrifft, in den meisten Kulturen ziemlich übel beleumdet. Und das wohl auch zurecht, denn wenn wir alle ständig mit den Fingern in der Nase wühlen würden, da kämen all die anderen interessanten Körperöffnungen doch garantiert viel zu kurz.

Doch nicht nur Stars and Stripes, sondern auch Hartz4 scheint einen spachteln lassen zu können, dass einem der Hosenlatz wegfliegt. Was aber nicht ganz korrekt ist, da es ja eigentlich mehr so ist, dass, wo der Schmalhans Küchenmeister ist, eigentlich viel weniger auf den Teller kommt, dieses dafür aber so kalorienreich wie mit Sarottivollmilchschokolade gespickter Walfischspeck. Ich zum Beispiel habe einen Bekannten, den Klaus, der fährt ernährungstechnisch betrachtet seit seinem Hartz4-Antrag nur noch auf den sehr schmalen Reifen der Monokultur: Der ernährt sich nur noch von Erdnüssen. Und zwar jeden Tag für 5 Euro. Montag Erdnüsse. Dienstag Erdnüsse. Mittwoch auch. Donnerstag ebenso. Auch Samstag Erdnüsse. Nur Sonntags, da gibt’s Erdnüsse. Und für 5 Euro bekommt man grob über den übergewichtigen Daumen geschätzt 1 Kilogramm gesalzene Erdnüsse. Denn, nur weil die Erdnüsse gesalzen sind, müssen es ja deren Preise zwangsläufig nicht ebenso sein. Aber ein Kilo Erdnüsse haben nun mal Kalorien, aber Holla die Fee!, nämlich so um die 6300.

Nun nehmen Sie mal täglich 6300 Kalorien zu sich, was sich ja mit Erdnüssen noch relativ leicht realisieren lässt, aber probieren Sie das mal mit Tomaten! Diese haben in kurzen Worten bloß lausige 170 Kalorien pro Kilogramm haben. Da müssten Sie täglich 37 Kilo von essen, um den Erdnüssen in Bezug auf ihren Brennwert das Wasser reichen zu können! Aber Tomaten kosten nun einmal im Jahresdurchschnitt um die 2 Euro das Kilogramm, was für Klaus bedeuten würde, dass er, wenn es für Hartz4-Empfänger strikte Tomatenpflicht gäbe, nur 2 ½ Kilo für seine 5 Euro pro Tag bekäme, was umgerechnet ja nur um die 425 Kalorien wären. Und 425 Kalorien am Tag, das, liebe Freunde, das ist auch der Kapitalismus.

 

PS: Und wenn ich schon dabei bin, ansatzweise Lobeshymnen auf die Marktwirtschaft zu summen: Ich habe auch überhaupt nichts gegen den “Gläsernen Kunden”, weil ich, wenn ich einer wäre, jeden Tag 2 Liter “Sidolin streifenfrei” trinken würde. Denn dann ginge es mir garantiert immer glänzend.

PENG!

Dienstag, 17. April 2007

Es ist schon etwas spleenig, wenn ein ganzes Land Gesicht auf Halbmast trägt, nur weil mal wieder an einer Schule jemand sein Grundrecht auf Waffenbesitz bis zur Neige ausgekostet hat, da nun einmal, wie es der Präsident dieses Landes in seiner so unglaublich einfachen Art und Weise von sich gab, “Menschen ein Recht haben, Waffen zu tragen, aber dass alle Gesetze befolgt werden müssen”. Und in einem Land, in welchem Waffen zur Familie gehören wie das Ham zum Burger, da lautet das Gesetz nun einmal logischerweise: Hasta la Vista, Baby! Und mal unter uns: 33 Tote, dass wäre im Irak ein verdammt ruhiger Tag gewesen. In ein, zwei Wochen werden die Fahnen wieder ganz hochgezogen sein. Bis zum nächsten Mal. Dann sind es vielleicht schon 50 Tote. Schließlich, die amerikanische Waffenindustrie liegt nicht auf der faulen Haut. Höher. Schneller. Weiter. Und natürlich blutiger. Wie sagte Georg W. doch gleich: “…dass Menschen ein Recht haben, Waffen zu tragen, aber dass alle Gesetze befolgt werden müssen”. Diesem möchte ich gern ein Zitat von Dwight D. Eisenhower entgegensetzen: „Geld und Waffen sind kein Ersatz für Gehirn und Willensstärke.“ Das nenne ich einen Volltreffer.