Archiv für Mai 2007

In Plakatfarbe veritas

Donnerstag, 31. Mai 2007

Nun ist es ja bereits ein alter, bis in die letzte Falte des Schweißbandes abgewetzter Hut, dass die Menschen nicht nur immer länger, sondern auch immer breiter leben. Wobei letzteres sicherlich der Ernährung geschuldet sei, denn Burger, Coke und Omas hausbackener Pflaumenkuchen mit frisch geschlagener Sahne obenauf, hinterlassen nun einmal leider sehr fettige Fingerabdrücke an unseren Leibern. Und ich gestehe, manchmal, wenn die ernährungsphysiologischen Pferde auch mit mir durchgehen, da schmiere ich mir sogar Butter unter die Leberwurst. Doch nicht tränenreiche Eingeständnisse kulinarischer Verfehlungen sollen Gegenstand dieses Textes sein, und auch nicht der immer kräftiger werdende Bauchansatz unserer Gesellschaft, sondern deren äquivalente Ausdünnung ihrer Denkfähigkeit. So glaubte ich zum Beispiel noch bis vor Kurzem, dass Heiligendamm die Bezeichnung für die Region zwischen Anus und Vulva der Jungfrau Maria sei. Doch so wie Schnecken bei Regen fix ihre Stiefel schnüren, so erkannte ich Dank gedruckter, aber auch per Äther versendeter Medien, dass Heiligendamm ja reinweg gar nichts mit der Heiligen Dämme zu tun hat, sondern nur der älteste Seebadeort Deutschlands ist. Und den kann die Jungfrau Maria ja wohl unmöglich unterm Rock herum getragen haben.

Obgleich dieser gedankliche Fauxpas gleichwohl als mein persönlicher, intellektueller Offenbarungseid gewertet werden kann, so komme ich dennoch nicht umhin darauf zu verweisen, dass nicht nur ich im Zustande geistiger Untätigkeit dahin dämmere, sondern auch eine vermutlich nicht unbeachtliche Anzahl meiner Artgenossen. So glauben die Regierungschefs aus den acht stinkreichsten Industriestaaten dieses Planeten, die allerdings nur so verdammt reich sind, weil sie stets dafür Sorge tragen, dass die anderen 186 Staaten ja immer schön arm bleiben, sie könnten sich an jenem Ort, denn ich irrtümlich einst für die Region zwischen Vulva und After der Jungfrau Maria hielt, mal wieder ungestört die größten Stücke vom Wohlstandskuchen gegenseitig zuschieben. Doch Pustekuchen, denn es wird circa 100.000 das Haarbüschel in der Suppe suchende Gegendemonstranten geben, die ihrerseits glauben, den Kuchen weitaus besser verteilen zu können. Was natürlich auch nicht gerade preisverdächtig zu Ende gedacht ist, denn schließlich ist das Sprichwort von den Köchen, die, wenn zu viele davon in der Küche präsent, auch noch jeden Brei zu verderben verstehen, auch bedenkenlos auf die Zunft der Backwarenverkäuferrinnen und Backwarenverkäufer anzuwenden. Und außerdem sollte es sich doch längst auch bis zu jedem noch so vermummten Ich-bin-so-links-dass-es-fast-schon-wieder-rechts-ist-Demonstranten herumgesprochen haben, dass die dafür zuständige Organisation „Brot für die Welt“ , und nicht etwa „Kuchen für die Welt“ heißt. Doch es irrt das Volk, solang es denkt, und mich macht es schon ein wenig angst und bang, der Umstand, dass wir Menschen uns vor Spinnen fast zu Tode ekeln, aber um Nichts in der Welt vor den Spinnern, die hinterm Zaun und desgleichen davor lauern. Und sollte auch mich in den nächsten Tagen die Sehnsucht nach Wasserwerfern und Büchsenbier packen, dann nur mit einem großen Schild in meinen kleinen Händen, auf dem, wer grundsätzlich dazu befähigt ist, vor sich hin lesen kann:

“Lieber Hartz4 als US5!”

Denn auch ich bin nur ein Opfer der grassierenden Meinungsfreiheit.

Was ich mir schon immer mal aufs Shirt drucken lassen wollte (8)

Mittwoch, 30. Mai 2007

Der einzige Vorteil der Demokratie: man kann sich aussuchen, von wem man beschissen wird.

Wenn Zweie Eins zu wenig sind

Montag, 28. Mai 2007

Immer wieder diese maßlose Lobhudelei auf die angeblich universelles Heil versprechende Technik, wo doch mit nur einem einzigen kurzen Blick auf den entsprechenden Kontoauszug ersichtlich ist, dass ein Waschbrett wie zu Omas Zeiten und eine Heirat auf die Schnelle gewiss weit günstiger gekommen wären, als die neue, mit Hightech gemästete Waschmaschine!

Warum sollte ich denn auch das Nachtprogramm des neuen Waschvollautomaten mit dem eh‘ stets viel zu knappen Haushaltsgelde finanzieren, wo doch WWW (Weib, Wecker und Willen) gleichfalls Socken und Schlüpfer nächtens zu reinigen verstehen würden. Wobei es aber in meinem gleichfalls knappen Zuhause zumeist leider am letzten W mangelt, was ich hiermit offiziell und ausdrücklich als feminines Analphabetentum geißeln möchte! Und auch der dezente Hinweis des Waschmaschinenproduzenten, dass Nachtstrom ja so was von nur unverschämt günstig in seiner Anschaffung sei, adelt mich keineswegs zum Grafen von Reibach, denn in mir dämmert es doch ganz still und leise, dass ich die Cents, die ich mir eventuell im Dunklen spare, im Hellen wieder abgeknöpft bekomme, weil die anderen elektrischen Haushaltsknechte OHNE Nachtprogramm auch nach Volt und Watt gieren.

Und wenn wir schon einmal dabei sind, überflüssigen Waschmaschinenprogrammen ein großes X auf die Schulter zu malen: was soll unsereins verdammt noch mal mit einem Blitzprogramm anfangen!? Eine Hose, zu deren Reinigung angeblich nur ein 2-Minuten-Waschgang und ein kurzes Anschleudern genügen soll, hat doch niemals die Vorraussetzung erworben, um als für dreckig befunden zu werden! Dreckig ist eine Hose, wenn man sie trotz dreifachem Waschen im Kochprogramm bei 95 Grad immer noch ohne die Zuhilfenahme von chemischem Hilfsmitteln wie Wäschestärke in eine beliebige Zimmerecke stellen kann. (Um solch eine knautschfreie Hose zu erhalten, empfiehlt es sich, in dieser Hose drei bis vier große Metal-Open-Airs nacheinander zu besuchen, ohne allerdings dass Beinkleid dazwischen auch nur ein einziges Mal zu wechseln. Was bei mir wie folgt aussah: Wacken 2003 – das EARTHSHAKER 2004 – With Full Force 2005 – das Partysan 2006. Danach konnte ich allerdings keinen Schritt mehr gehen, da die Hosebeine Eigenschaften angenommen hatten, die man bis dato nur von Ebenholzbäumen kannte! Alternativ kann man auch zwei Tage in der Dr. Oetker Versuchsküche als Azubi arbeiten.)

Nein, ich bleibe dabei und sage „Pah!“ zu allem Schnickschnack elektronischer Art. Was aber nicht bedeuten soll, dass ich dem Fortschritt bedenkenlos erdachte Steine in den ins Ungewisse führenden Weg legen will. Doch schauen wir einmal ansatzweise realistisch in den Gabenkorb der Zukunft hinein: was soll ich bitteschön mit einem Pass, indem nicht nur mein Bild, sondern auch ein Chip integriert wurde?! Wenn ich auch recht selten das Bedürfnis verspüre, Hollywoods neuste, erlogene Breitwandprodukte zu konsumieren, so weiß ich doch trotzdem, dass bei einem 90minütigem Machwerk ein alleinstehender Chip doch niemals ausreichen würde, da muss schon eine ganze Tüte Knabberkram her!

Fortschritt sollte uns doch Hilfe sein, um des Lebens Klippen ohne die Beigaben von Schürfwunden und blauen Augen zu umschwimmen. So sollte man endlich was erfinden, dass Hunde, welche ja bekanntlich beim Pissen nur auf drei Beinen stehen, dieses doch endlich auch beim Kacken könnten, denn so ein Hund ist ja auch nur ein Mensch. Und mal ehrlich: wenn ich Freitagabends aus meiner Stammkneipe komme, da könnte ich schon ab und an ein drittes Bein ganz gut gebrauchen. Dann bräuchte die Hose auch nicht Nachts ins Blitzprogramm.