Wenn Zweie Eins zu wenig sind
Immer wieder diese maßlose Lobhudelei auf die angeblich universelles Heil versprechende Technik, wo doch mit nur einem einzigen kurzen Blick auf den entsprechenden Kontoauszug ersichtlich ist, dass ein Waschbrett wie zu Omas Zeiten und eine Heirat auf die Schnelle gewiss weit günstiger gekommen wären, als die neue, mit Hightech gemästete Waschmaschine!
Warum sollte ich denn auch das Nachtprogramm des neuen Waschvollautomaten mit dem eh‘ stets viel zu knappen Haushaltsgelde finanzieren, wo doch WWW (Weib, Wecker und Willen) gleichfalls Socken und Schlüpfer nächtens zu reinigen verstehen würden. Wobei es aber in meinem gleichfalls knappen Zuhause zumeist leider am letzten W mangelt, was ich hiermit offiziell und ausdrücklich als feminines Analphabetentum geißeln möchte! Und auch der dezente Hinweis des Waschmaschinenproduzenten, dass Nachtstrom ja so was von nur unverschämt günstig in seiner Anschaffung sei, adelt mich keineswegs zum Grafen von Reibach, denn in mir dämmert es doch ganz still und leise, dass ich die Cents, die ich mir eventuell im Dunklen spare, im Hellen wieder abgeknöpft bekomme, weil die anderen elektrischen Haushaltsknechte OHNE Nachtprogramm auch nach Volt und Watt gieren.
Und wenn wir schon einmal dabei sind, überflüssigen Waschmaschinenprogrammen ein großes X auf die Schulter zu malen: was soll unsereins verdammt noch mal mit einem Blitzprogramm anfangen!? Eine Hose, zu deren Reinigung angeblich nur ein 2-Minuten-Waschgang und ein kurzes Anschleudern genügen soll, hat doch niemals die Vorraussetzung erworben, um als für dreckig befunden zu werden! Dreckig ist eine Hose, wenn man sie trotz dreifachem Waschen im Kochprogramm bei 95 Grad immer noch ohne die Zuhilfenahme von chemischem Hilfsmitteln wie Wäschestärke in eine beliebige Zimmerecke stellen kann. (Um solch eine knautschfreie Hose zu erhalten, empfiehlt es sich, in dieser Hose drei bis vier große Metal-Open-Airs nacheinander zu besuchen, ohne allerdings dass Beinkleid dazwischen auch nur ein einziges Mal zu wechseln. Was bei mir wie folgt aussah: Wacken 2003 – das EARTHSHAKER 2004 – With Full Force 2005 – das Partysan 2006. Danach konnte ich allerdings keinen Schritt mehr gehen, da die Hosebeine Eigenschaften angenommen hatten, die man bis dato nur von Ebenholzbäumen kannte! Alternativ kann man auch zwei Tage in der Dr. Oetker Versuchsküche als Azubi arbeiten.)
Nein, ich bleibe dabei und sage „Pah!“ zu allem Schnickschnack elektronischer Art. Was aber nicht bedeuten soll, dass ich dem Fortschritt bedenkenlos erdachte Steine in den ins Ungewisse führenden Weg legen will. Doch schauen wir einmal ansatzweise realistisch in den Gabenkorb der Zukunft hinein: was soll ich bitteschön mit einem Pass, indem nicht nur mein Bild, sondern auch ein Chip integriert wurde?! Wenn ich auch recht selten das Bedürfnis verspüre, Hollywoods neuste, erlogene Breitwandprodukte zu konsumieren, so weiß ich doch trotzdem, dass bei einem 90minütigem Machwerk ein alleinstehender Chip doch niemals ausreichen würde, da muss schon eine ganze Tüte Knabberkram her!
Fortschritt sollte uns doch Hilfe sein, um des Lebens Klippen ohne die Beigaben von Schürfwunden und blauen Augen zu umschwimmen. So sollte man endlich was erfinden, dass Hunde, welche ja bekanntlich beim Pissen nur auf drei Beinen stehen, dieses doch endlich auch beim Kacken könnten, denn so ein Hund ist ja auch nur ein Mensch. Und mal ehrlich: wenn ich Freitagabends aus meiner Stammkneipe komme, da könnte ich schon ab und an ein drittes Bein ganz gut gebrauchen. Dann bräuchte die Hose auch nicht Nachts ins Blitzprogramm.