Archiv für Juni 2007

Blut im Stuhl und Kombilohn (Ein Update)

Donnerstag, 28. Juni 2007

Blut im Stuhl ist eine unangenehme Sache. Das geplante Kombilohn-Programm der Regierung aber auch. Ist doch eine merkwürdige Vorstellung: da zahlt der Arbeitgeber also etwas mehr als nichts, und der ach so altruistische Staat legt eine Kelle voll drauf. Natürlich aus dem Steuergeldertopf. Der wiederum auch vom Kombi-Entlohnten gefüllt wird. Zum Beispiel mit der Mehrwertsteuer, die wohl in weiser Voraussicht erhöht wurde, um somit zum Kombilohn zu mutieren. Also im Endeffekt ein Arbeitnehmer, der sich zum Teil selbst finanziert. Haben wie hier es mit einer Art finanziellen Perpetuum mobile zu tun? Der feuchte Traum des Arbeitgeber-Präsidenten Dieter Hundt: der Arbeitnehmer, der sich an jedem 1. im Monat sein Gehalt vom eigenen Konto aufs eigene Konto überweist.

Na, da will ich mir mal schnell Zylinder und Monokel kaufen gehen, ein Konto in der Schweiz eröffnen und mich für ein Gründerseminar für angehende Jungunternehmer anmelden. Denn das Paradies auf Erden ist nicht mehr weit. Und an dessen Eingang steht ein Schild und auf dem geschrieben: Nur für Clevere.

Mit dem Eispickel geschrieben

Mittwoch, 27. Juni 2007

Da verkünden sie noch vor Wochen, dass uns der heißeste Sommer seit Anno Dazumal ins Dorf stehen würde, doch nun, am Tage 7 nach offiziellem Sommerbeginn, traut man sich ohne wattierte Jacke und Ohrenschützer nicht mehr auf die Straße, da Väterchen Frost seit den frühen Morgenstunden in dieser eiskalt Amok läuft! Was soll‘s, denkt sich der Herr des Hauses, schließlich hat man vor Jahren ein handliches Weib geehelicht, an dem man sich an den kühlen Dezembertagen Mitte Juni auf angenehmste Art und Weise erwärmen könnte. Wobei die vorsichtige Betonung auf „könnte“ liegt, alldieweil die Frauen ja gerade dann immer „unpässlich“ sind, wenn es doch dem miesen Wetter wegen ganz toll passen würde. Da stoßen nicht nur Hinweise auf Kältefront und erhöhten Kuschelbedarf ins Leere: er kann dann nämlich zusehen, wo er bleibt, mit dem kommen.

Wenn dagegen das Feinliebchen am Zittern ist, da kann dem Ehemann noch so der Zeitschuh drücken, da muss er ran und sich ums Weibchen schmiegen, so wie Omas altmodischer Teewärmer sich zu Zeiten kissenbeladener Biedermeiersofas ums feinporige Porzellan.

Nun möchte ich den Damen und Herren vom Deutschen Wetterdienst ja auch nicht unbedingt in ihren Glühwein spucken, und wenn ich mich recht erinnere, kann ich mich ja auch gar nicht mehr so recht daran erinnern, wer die Mär vom kommenden Millenniumssommer in Umlauf gebrachte hatte, doch wenn ich Ende Juni der Kälte wegen gezwungen bin, eheliche Pflichten anzumahnen, dann fallen deren Warnungen zu Klimakatastrophe und Erderwärmung bei mir keinesfalls auf fruchtbaren Boden.

Und sollte es trotz der momentan Anzeichen doch noch zu diesem Supersommer kommen, gegen den die Hölle nur ein lausiger Gefrierschrank sein wird, so habe ich jetzt schon genug Infomaterial gesammelt, mit deren Hilfe ich mich dann zu erfrischen gedenke. Wie zum Beispiel folgenden Zeitungsartikel, in dem der ehemalige „Superminister“ Wolfgang Clement behauptet, Deutschland brauche keinen Mindestlohn, da dieser ja tariflich vereinbart würde, ohne mit einem einzige Wort zu erwähnen, dass dazu die Firmen, die, um Tarifen aus dem kostspieligen Wege zu gehen aus den Arbeitgeberverbänden austraten, erst mal wieder in diese eintreten müssten. Und zum zweiten die Notiz, dass Mark Medlock mit seinem Debüt „Mr. Lonely“ auf Platz 1 der deutschen Albumcharts landete. Und da kann der Sommer noch so heiß sein, bei solchen Nachrichten, da läuft es einem doch eiskalt den Rücken runter, oder?

Neuer Trend in Deuschlands Küchen: Ich mach’s mir selbst!

Mittwoch, 27. Juni 2007

In immer mehr deutschen Restaurants kochen die Köche in Ermangelung von Gästen nur noch vor Wut. Denn der Trend in Sachen Essen und Trinken geht langsam aber stetig in Richtung Kochen am heimischen Herd. Selbst kulinarische Geschmacksknospenöffner wie der Grillstand Ecke Bahnhofsstrasse “Zum fettigen Fred” werden von Existenzsorgen geplagt. O-Kommentar Grillbesitzer Fred K.: “Wenn mir weiterhin die Kunden ausbleiben, dann mach’ ich Selbstmord. Dann ess‘ ich meine Würste selbst !”

Ursachen für diesen Gastronomie gefährdenden Trend sehen Fachleute vor allem in der starken Präsenz von Fernsehköchen auf allen Kanälen. Diese suggerieren dem ausgehungerten Zuschauer, dass sich selbst mit den schäbigsten Kühlschrankinhalten noch passable und zum Verzehr geeignete Gerichte herstellen. Ja, sogar aus einem halbvollen Glas Nutella und einem grün gefärbten Leberwurstzipfel zaubert so ein kochlöffelschwingender Copperfield für Bratpfannen wie der Tim Mälzer locker ein 3 Gänge Menü für 12 Personen.

Doch am erstaunlichsten scheint, es greifen immer mehr Männer zu Suppenkelle und Bratenwender. Doch diesmal aber nicht um die eigene Frau zu vertrimmen, nein, sie wollen den Gaumen ihrer Liebsten mit selbst bereiteten Speisen verwöhnen. Auch wenn in vielen Fällen der Geist wohl willig, das Fleisch auf dem Teller aber wohl eher sehr schwach gerät.

Denn von 100 befragten Frauen gaben 27 Prozent auf die Frage: “Sind Sie mit den Kochkünsten ihres Mannes zufrieden?”, die Antwort: “Im Prügeln ist er besser.” 15 Prozent antworteten: “Der Schwanz meines Liebhabers ist leckerer.” Und 58 Prozent gaben an: „Ich habe keinen Geschmack. Oder haben Sie etwa meinen Mann nicht gesehen ?”

Fernsehköche der ersten Stunde zeigen sich begeistert. So auch Alfred Biolek: “Ich finde es toll, dass so viele junge Männer den Gang in die Küche wieder wagen. In meinem Schlafzimmer ist es ja eh’ immer zu eng!”

Unverkennbar ist auch, der Deutsche kocht wieder gesünder, vor allem fettärmer. Selbst in den wohl eher traditionellen niederbayrischen Schankwirtschaften sind Schweinshaxen und Brathähnchen aus Tofu auf der Speisekarte keine Seltenheit mehr. So steht die Meinung eines 73-jährigen Hobbykoches aus Berlin “Bei mir kommt nur ganz junges Gemüse auf den Küchentisch!” wohl für viele gesundheitsbewusste Laienköche der Bundesrepublik.

Besonders die asiatische Küche hat es den Deutschen angetan. So besaßen laut Bundesamt für Statistik im Jahre 2004 22 Prozent aller deutschen Haushalte einen Wok, aber nur 17 Prozent eine Bettpfanne. Darüber zeigt sich auch der Leiter eines Hamburger Tierheimes sehr erfreut: ” Wir sind sehr glücklich, dass die Deutschen so ein großes Interesse an asiatischen Speisen entwickelt haben. Wir allein würden ja mit dem Problem streunender Katzen und Hunde überhaupt nicht fertig!”

So bleibt den Restaurantbesitzern nur die Hoffnung, dass sich ihre ehemaligen Gäste darauf besinnen, dass eine im Restaurant erworbene qualitativ hochwertige Fischvergiftung einen viel höheren Erinnerungswert hat, als heimisches Töpfe und Pfannen schrubben.

Nur Grillbudenbesitzer Fred K. sinniert weiter verständnislos über das Ausbleiben seiner Kunden: “An der Hygiene kann es nicht liegen. Ich habe ja keine.”