Mit dem Eispickel geschrieben

Da verkünden sie noch vor Wochen, dass uns der heißeste Sommer seit Anno Dazumal ins Dorf stehen würde, doch nun, am Tage 7 nach offiziellem Sommerbeginn, traut man sich ohne wattierte Jacke und Ohrenschützer nicht mehr auf die Straße, da Väterchen Frost seit den frühen Morgenstunden in dieser eiskalt Amok läuft! Was soll‘s, denkt sich der Herr des Hauses, schließlich hat man vor Jahren ein handliches Weib geehelicht, an dem man sich an den kühlen Dezembertagen Mitte Juni auf angenehmste Art und Weise erwärmen könnte. Wobei die vorsichtige Betonung auf „könnte“ liegt, alldieweil die Frauen ja gerade dann immer „unpässlich“ sind, wenn es doch dem miesen Wetter wegen ganz toll passen würde. Da stoßen nicht nur Hinweise auf Kältefront und erhöhten Kuschelbedarf ins Leere: er kann dann nämlich zusehen, wo er bleibt, mit dem kommen.

Wenn dagegen das Feinliebchen am Zittern ist, da kann dem Ehemann noch so der Zeitschuh drücken, da muss er ran und sich ums Weibchen schmiegen, so wie Omas altmodischer Teewärmer sich zu Zeiten kissenbeladener Biedermeiersofas ums feinporige Porzellan.

Nun möchte ich den Damen und Herren vom Deutschen Wetterdienst ja auch nicht unbedingt in ihren Glühwein spucken, und wenn ich mich recht erinnere, kann ich mich ja auch gar nicht mehr so recht daran erinnern, wer die Mär vom kommenden Millenniumssommer in Umlauf gebrachte hatte, doch wenn ich Ende Juni der Kälte wegen gezwungen bin, eheliche Pflichten anzumahnen, dann fallen deren Warnungen zu Klimakatastrophe und Erderwärmung bei mir keinesfalls auf fruchtbaren Boden.

Und sollte es trotz der momentan Anzeichen doch noch zu diesem Supersommer kommen, gegen den die Hölle nur ein lausiger Gefrierschrank sein wird, so habe ich jetzt schon genug Infomaterial gesammelt, mit deren Hilfe ich mich dann zu erfrischen gedenke. Wie zum Beispiel folgenden Zeitungsartikel, in dem der ehemalige „Superminister“ Wolfgang Clement behauptet, Deutschland brauche keinen Mindestlohn, da dieser ja tariflich vereinbart würde, ohne mit einem einzige Wort zu erwähnen, dass dazu die Firmen, die, um Tarifen aus dem kostspieligen Wege zu gehen aus den Arbeitgeberverbänden austraten, erst mal wieder in diese eintreten müssten. Und zum zweiten die Notiz, dass Mark Medlock mit seinem Debüt „Mr. Lonely“ auf Platz 1 der deutschen Albumcharts landete. Und da kann der Sommer noch so heiß sein, bei solchen Nachrichten, da läuft es einem doch eiskalt den Rücken runter, oder?

2 Antworten zu “Mit dem Eispickel geschrieben”

  1. Gilbert Brands sagt:

    Ich weiß gar nicht, worüber du dich aufregst. Das Wetter ist doch nun, wie versprochen, wirklich katastrophal und passt damit hervorragend zu unseren politischen Verhältnissen.

  2. admin sagt:

    Mein Kommentar: Kein Kommentar.