Archiv für Juni 2007

Auch Fragezeichen können töten

Montag, 25. Juni 2007

Neugierde ist ein Wesenszug, der im Bahnhof meines Charakters vom Schaffner namens Desinteresse allezeit durch gewunken wird. Denn was soll er mir auch bringen, der neuste Tratsch und Klatsch, weil alles, was nur über mehr als nur zwei Zungen ging, doch genauso glaubwürdig ist, wie die ausgebufften Weiber ohne Moral, welche nächtens auf Kanal Telemedial immer für die ganz besonders dämlichen Exemplare der Spezies Mensch die Zukunft aus einem Häufchen Knochen lesen. Und was soll man schon aus einem Haufen Knochen heraus lesen, außer vielleicht, dass der ehemalige Besitzer dieser Gebeine aller Wahrscheinlichkeit nach sein Leben bereits vor einiger Zeit an den Nagel gehangen hat. Nein, ich will es wirklich nicht wissen, ob der Wussow das seinige nun daneben. Und ob die Hilton und warum. Und dass der William sein königliches Zepter nun doch wieder in die ach so bürgerliche Kate Middleton steckt: es interessiert mich nicht. So wie es mir vor zig Jahren nur mittelmäßiges Schulterzucken brachte, als die Dreckspaparazzis Williams Mutter wie einen Hasen zu Tode hetzten. Ich war nicht daran schuld. ICH HABE NOCH NIE „DAS GOLDENE BLATT“ GELESEN! Und auch nicht „Bild der Frau“. Oder „Die Aktuelle“. Schuld waren die Millionen Omas und Schwiegermütter, die Arzthelferinnen und all die Frauen mit violettem Haar, welche, statt sich um ihre eigene, bis in den letzten Zwickel verkeimte Dreckwäsche zu kümmern, ihre züngelnden Nasen lieber in die Leben anderer Leute drücken mussten, und selbst bis heute nicht genug davon bekamen, vom verführerischen Gestank der toten Diana. Neugierde sollte nicht der Blowjob für verkümmerte Seelen sein. Man sollte nur nach den Dingen fragen, die einen schlauer, aber nicht zum Mörder machen. Ein Kilo Zitronen enthält mehr Zucker, als ein Kilo Erdbeeren. Solch ein Wissen kann ein Diabetikerleben retten. Die Kenntnis, wer ohne Slip in London tanzen war, ist so wertvoll wie ein Anruf bei Telemedial.

Danke, Frau Christiansen!

Sonntag, 24. Juni 2007

Auch ich bin dem Sonnenbaden nicht abgeneigt, doch weniger aus der irrigen Annahme heraus, dass gebräunte Haut ein Zeichen von blendender Gesundheit sei, denn wir alle wissen ja schließlich, Muhammad Ali hat Parkinson und Roberto Blanco singt deutsche Schlager, es ist eben eher so, dass meine Augenringe im sonnengegerbten Gesicht weit weniger auffallen, als in einem Antlitz mit der Farbe frisch gebleichter Bäckerjacken.

Nun lässt sich nicht mit 100prozentiger Sicherheit sagen, ob meine Augenringe das Produkt genetischer Erbfolge sind, oder ob meine Unfähigkeit tiefen und erholsamen Schlaf zu finden daran maßgeblich beteiligt ist. Doch, so möchte ich einwerfen, wie sollte wohl mein Schlaf denn auch erquickend wie frisches Quellwasser sein, wenn man Tag für Tag vor dem zu Bett gehen den Fehler begeht, sich die Spätausgabe der Tagesschau zu dämmrigen Gemüte zu führen. Selbstverständlich bin ich mir durchaus dessen bewusst, dass ein medialer Cocktail aus Selbstmordattentaten, gekauften Politikern und gedopten Sportlern (wären gedopte Politiker und gekaufte Sportler nicht überaus sinnvoller?) niemals so schlaffördernd sein kann wie ein Cocktail aus zwei Dritteln Rum und einem Drittel Alkohol. Doch es ist ja weithin bekannt wie bunter Hund, dass die meisten Menschen im Bett sterben, und sterben will ich darin auf keinen Fall dumm, was nun eben dazu führt, dass ich zu spätabendlicher Nachrichtenaufnahme neige. Was mir aber darauf hin immer dermaßen den Schlaf raubt, worauf ich am nächsten Morgen stets so aussehe, wie Graf Zahl nach einer dreitägigen Saufpartie mit Ernie und Bert. Da Ausnahmen aber erfahrungsgemäß die Regel bestätigen, werde ich am morgigen Montag allerdings aus meinem Bette steigen, als hätte ich in einem wundersamen Jungbrunnen übernachtet, denn die einzigen Nächte, in denen ich wie ein an der Mutterbrust gemästetes Baby tief und fest durchschlummerte, waren die Nächte zwischen Sonntag und Montag, denn wenn am sonntäglichen Abend die Christiansen im Fernseher lief, dass war doch immer so, als gäbe es Chloroform auf GEZ-Rezept. Doch nun, wo diese Talk-Schlaftablette heute Abend nach ihrem letzten Auftritt ins televisionäre Abseits gerollt wird, versiegt somit auch mein Born, aus dem ich Sonntagabend für Sonntagabend eimerweise den Labsal von vor Langeweile gelähmter Sinne schöpfte. Doch der kluge Mann baut bekanntermaßen vor, und da ich selbst ein Mann und dazu noch ein klein wenig klug, habe ich mir bereits gestern im Sun-Point einen Jahresgutschein fürs Solarium gekauft. Danke, Frau Christiansen!

PS: Und ein Gedicht. Zum Abschied.

Das Wort zum Sonntag

Samstag, 23. Juni 2007

pfaffe.JPGDer biblische Haudegen Mose, welcher angeblich die Israeliten wegen fehlendem Mindestlohn aus ägyptischen Zeitarbeitsfirmen ins gelobte Land namens Kanaan führte, war nicht nur engagierter Gewerkschafter, sondern wahrscheinlich auch semiprofessioneller Zukunftsforscher, denn wie ließe es sich denn sonst erklären, dass er den Spruch „Wer bei einem Vieh liegt, der soll des Todes sterben.“ prägte, wo er doch gar keine Ahnung davon haben konnte, dass sich die 27 EU-Staats- und Regierungschefs die ganze letzte lange Nacht mit EU-Ratspräsidentin Merkel um die Ohren schlugen!

Natürlich mag jetzt manch Leser vorsichtshalber „Na-na-na!“ denken und vorsichtige Blicke über seine Schulter werfen, denn man kann und darf die Kanzlerin dieser Bananenrepublik bananenimportierenden Republik keinesfalls ungestraft als Vieh bezeichnen, doch möchte ich einer Beleidigungsklage insoweit vorbeugen, dass der Vergleich Kanzlerin/Vieh insofern keineswegs abwegig ist, wenn man ihn in Zusammenhang mit dem gerade in die Tonne getretenen EU-Gipfel betrachtet, wo beim steuerzahlenden Zuschauer der unweigerliche Eindruck entstand, man hielt die derzeitige Ratspräsidentin Merkel für eine milchgebende Kuh, die es auf bestmögliche Art und Weise zu melken gelte. Mir selbst ist es nämlich ein unlösbares Rätsel, wie das polnische Katholikendoppel Kaczynski wohl darauf kommt, dass man die Stimmgewichtung innerhalb der EU nach längst vergammelten Weltkriegstoten und mathematischen Hokuspokus bestimmen sollte, wo doch neben den Unmengen an Bibeln sicherlich auch das eine oder andere Mathematikbuch in Polen aufzutreiben sein muss. Und in diesen Büchern gibt es sicherlich auch Formeln, welche es ermöglichen dürften, das Prinzip von Mehrheiten leicht verständlich zu verinnerlichen. Ich selbst habe es allerdings auch nicht so mit dem Rechnen, weiß aber mit ziemlicher Sicherheit, dass, wenn bei mir zu Hause darüber abgestimmt wird, ob wir in die Eckkneipe oder ins Kino gehen, ich mir dann garantiert stocknüchtern eine Liebesschnulze „Made in Hollywood“ anschauen muss, da zwei Stimmen nun einmal mindestens doppelt so viele sind, wie alleinig nur die meinige allein. Dafür weiß ich nun aber, von wem Hiob im Alten Testament fürwahr wohl sprach, als er sagte „Wer ist der, der den Ratschluss verdunkelt mit Worten ohne Verstand“. Er heißt Laroslaw und Lech Kaczynski.

Amen.

Nachtrag: Hier kann man allerdings nachlesen, dass das mit dem mathematischen Hokuspokus nicht unbedingt das Verkehrteste sein muss! Nichts für ungut, Laroslaw und Lech. Und Danke an den Spiegelfechter!