Archiv für Juli 2007

Alles in Butter?!

Montag, 30. Juli 2007

Natürlich ist Grillen mindestens ebenso gesund, wie mit langen, metallenen Rouladennadeln in den Ohren herum zu stochern. Aber was will man denn auch machen, schließlich ist der Mensch nur ein Besteck benutzender Aasfresser, und sich gegen die eigene Natur zu stellen, da bin ich wahrscheinlich wie die Mehrzahl meiner Artgenossen einfach nicht Manns genug.

Und natürlich bin auch ich des Wissens habhaft, dass nicht in allen Ländern dieser Erde das Benutzen von Besteck zur Esskultur gehört, wie zum Beispiel in vielen islamischen Staaten, wo als Essgeräte nur die guten alten Pratzen, Pfoten oder auch Wichsgriffeln herhalten müssen. Was natürlich auch der notorisch nörgelnden Umwelt gut gefällt, da man fettige Hände nun einmal nicht in die gewaltige Ressourcen fressende Spülmaschine packen kann. Wenn man jetzt mal von den schmutzigen Pratzen absieht, die der schwertschwingenden Scharia zum Opfer fallen. Allerdings muss ich zugeben, ich habe noch nie davon gehört, dass die abgehackten Hände vom Scharfrichter danach noch in die Reinigung gegeben werden, so nach dem Motto, dass eine Hand ja schließlich die anderer wäscht. Was mich nun neugierig bis in die Haarspitzen fragen lässt: was machen die da unten eigentlich mit den ganzen amputierten Gliedmaßen? Oder wird im Morgenland etwa genauso gern gegrillt, wie im holzkohlesüchtigen, geografischen Gegenpart? Putzig finde ich allerdings auch, dass im Orient vielerorts nur mit der rechten Hand gegessen werden darf, weil die Linke als unrein gilt. Solche Aussagen kannte ich nämlich bisher nur von der CDU/CSU-Fraktion.

Doch es ist doch eigentlich auch nur von geringem Gewichte, wie man sein Stück gegrilltes Fleisch nun zu verputzen gedenkt, ob mit bloßen Händen, oder mit dem von Oma geerbten Silberbesteck, höre ich nun den einen oder anderen Gesundheitsapostel mir schroff in die behaarten Ohren raunen. Denn Fleisch sei, was seine Rangliste in Sachen Ungesundem beträfe, von überaus großem Übel. Dies mag ja stimmen, wenn man einen Blick in die Darmkrebsstatistiken von Argentinien wirft, wo Fleisch quasi das einzige Nahrungsmittel ist, was im Detail bedeutet, dass Babys in Buenos Aires Steaks bereits schon aus der Flasche nuckeln, und auch Nutella und Nimm 2 und Onkel Dittmeyers: alles wird dort nur aus Rindfleisch hergestellt.

Doch diese Tatsache allein ist als Indiz, dass der Verzehr von Fleisch bei weitem ungesünder sei, als die alleinige Ernährung mit Vegetarischem, aus einem Holz geschnitzt, welches sich bei genauem Betrachten als recht wurmstichig erweist. Denn dass Vegetarier so alt wie Methusalem werden, enttarnt ein Blick auf meinen glühenden Grill als eine der großen Legenden unserer Zeit. Denn über der glimmenden Holzkohle brutzeln blutige Stücke von Rind und Lamm. Beides Vegetarier. Aber sehr alt geworden sind sie dennoch nicht.

Doch worauf ich eigentlich hinaus will seit Zeile 1, ist, dass ich als bekennender Aasfresser sehr erbost darüber bin, dass Butter ab 1. August dieses Jahres um bis zu 40 Prozent teuer werden soll, mit der Begründung einer verstärkten Nachfrage aus Asien. Denn für mich gehört zu einem gut gegarten Fetzen Fleisch immer ein fetter Batzen Knoblauchbutter. Doch will mir nun nicht in den Thüringer Kopf, warum dieses zu einem exorbitanten Kostenfaktor werden soll, nur weil in China oder Indien plötzlich ein Run auf den leckeren Rahm unserer Milchkühe eingesetzt hat. Genauso unverständlich und kaum zu erklären wäre ja wohl, wenn in Deutschland die Fernsehgebühren steigen würden, nur weil man feststellte, dass im Sternbild Proxima Centauri kleine grüne Männchen immer ZDF schauen, weil es da oben ja sonst nicht viel zu lachen gibt. Und dazu stochern sie sich mit langen, metallenen Rouladennadeln in ihren großen, grünen Ohren herum. Was gleichfalls sehr ungesund ist.

Welcome, German Motherfucker!

Donnerstag, 26. Juli 2007

Befragt man den nichtdeutschen Weltenbürger hochnotpeinlich, was er denn so vom Deutschen im Allgemeinen und Besonderen halte, so wirft er unter Garantie in den vielfältigsten Sprachen mit solchen Begriffen wie “Zuverlässigkeit„, „Umgänglichkeit“ und „Geselligkeit“ um sich, so dass es den umschmeichelten Meiers, Müllers und Schulzes nur so eine Freude ist.

Kein Wunder also, dass Menschen „Made in Germany“, wenn diese mit solch leckeren Attributen geschmückt, auch gerne mal entführt werden. Denn wenn man schon wildfremde Leute in dem eigenen Keller oder der eigenen Höhle verstecken muss, dann sollten diese doch bitteschön auch von vornehmsten Charakter sein, denn Gastfreundschaft bedeutet ja im Prinzip nichts anderes, als, dass es stets so aus dem Wald heraus schmettert, wie man selbst in diesen hineinstottert. Und eine deutsche Geisel, der der Ruf vorauseilt, die Person gewordene Zuverlässigkeit zu sein, zaubert selbst unter die dunkelste Burka ein überaus helles Lächeln.

Denn zuverlässige Geiseln sind nun einmal das Salz in jeder Erpressersuppe, weil, wenn die sagen, sie gehen zum Aufbauen und Helfen am Soundsovielten nach Opiumnistan, dann gehen sie auch zum Aufbauen und Helfen am Soundsovielten nach Opiumnistan. Und dann braucht der Vollzeitterrorist sie dort einfach nur noch einsammeln, ins Stacheldrahtkörbchen legen und warten, bis Onkel Steinmeyer mit den dicken Scheinen winkt. Und Umgänglichkeit und Geselligkeit sind auch äußerst willkommene Charaktereigenschaften, denn schließlich kommt eine Geisel selten allein, und dann heißt es eng zusammenrücken und einen freundlichen Skat gedroschen, und nicht etwa den diabeteskranken Leidensgenossen. Denn sonst werden die trotz Zucker ratzfatz stinkesauer, was auf engstem Raum sehr schnell zu ziemlichen Spannungen führen kann. Und dann ist es mit dem Altruismus natürlich ganz schnell Essig.

Darum: wenn auch selbst in Beduinenzelten solche Gassenhauer wie „Nimm mich jetzt, auch wenn ich stinke“ Abend für Abend am offenen Feuer zu Handtrommeln und Mokka gekrächzt werden, so muss man dem unbedarften Aufbauhelfer und der Geisel in spe unbedingt mit auf den sandigen Weg geben: charakterlicher Mief wird dort weit weniger geschätzt. Außer, es stellt sich heraus, der entführte Deutsche ist ein Däne. Denn wer jemals einen König mit dem Namen „Olaf der Dreiste“ als Vorgesetzten hatte, vom dem erwartet man ganz einfach keinen guten Charakter.

Bumm.

Übers Leben (2)

Montag, 23. Juli 2007

Mal Hand auf das mit Adern aus Kalk verzierte Herz: Sind unsere Ängste angesichts der Kürze des menschlichen Lebens nicht geradezu lächerlich lächerlich, sobald man sein vom Grauen Star angepicktes Auge in Richtung der wirklich verdammt langen Zeitspanne des unausweichlichen Todes lenkt!? Man wird, wenn man wirklich sehr großes Pech hat, vielleicht 100 Jahre alt. Aber tot, tot ist man auf ewig. Und welcher verheiratete Mann kennt nicht folgende Situation, welche nicht nur Berufsmelancholiker massiv Abendschulkurse im Fach “Stricke selber drehen” belegen lässt:

Ihre Frau will nur mal kurz in die Boutique, um das kleine Schwarze anzuprobieren. Und Sie müssen vorm Laden stehen bleiben, wie der eiserne Feuerwehrhydrant in der kinderlosen Spielstrasse. Neben Ihnen glaubt ein Straßenmusikant, in seinem Akkordeon wäre Musik versteckt. Nach circa 60 Minuten wissen Sie: er wird sie niemals finden. Sie drücken Ihre Nase am Schaufenster platt – keine Frau in Sicht. Jedenfalls keine eigene. Stand die Sonne soeben noch im Zenith, so ist sie nun im Begriff am Horizont den Verschwindekowsky zu machen. Langsam bereuen Sie es nicht mehr, Ihren Hochzeitstag mal wieder vergessen zu haben. Denn zum Akkordeonspieler gesellt sich ein Geiger. Und Sie sind sich nach nur wenigen Takten so was von sicher, das Duett, welches nun erklingt, trägt garantiert den Titel “Angefahrene Katzenfamilie im Jutesack”.

Sie haben das Gefühl, wenn Ihre Frau nicht augenblicklich mit oder ohne kleinem Schwarzen den Laden verlässt, werden Sie den Sammelteller der beiden Musikterroristen eigenhändig, dafür aber doppelfüßig zerstampfen. Und mit den Scherben ganz genüsslich die Halsschlagadern der Trommelfellfolterer öffnen. Sie sind gerade auf dem Sprung, da erscheint, wenn auch lang erwartet, so doch völlig unerwartet, Ihre Gattin und fragt: “Hat’s lang gedauert, Schatz?”. Mittels enormer geistiger Gewalt gelingt es Ihnen, Ihren Blutdruck auf 250/160 herunter zu kurbeln. Und überaus süßlich säuseln Sie zurück: “Nein, Schatz. Nur eine halbe Ewigkeit!”.

Und jetzt, jetzt kommt es knüppeldick! Denn tot, tot ist man mindestens doppelt so lang! Wenn nicht sogar dreimal solang! Also, was ist der Wimpernschlag Leben schon dagegen? Nur ein Wimpernschlag. Und sich wegen eines Wimpernschlages verrückt zu machen, das wäre doch nun wahrlich verrückt. Denn dieser Wimpernschlag ist von so kurzer existenzieller Dauer, dass in dieser gar kein Platz für Ängste irgendwelcher Art sein sollte. Und trotzdem ist unser kurzes Leben von Ängsten erfüllt. Zum Beispiel der Angst, nicht mehr konsumieren zu können.

Man hat also Angst, verliere ich meinen Job, kann ich mir diesen Wahnsinnsfernseher mit 104-cm-Flachbildschirm nicht mehr leisten. Lächerlich. Denn was nützt mir denn der König unter den Fernsehern, wenn das Programm noch viel flacher ist, als der Bildschirm selbst? Habe ich dieses erst einmal erkannt, stelle ich mit weit herunter geklappten Kiefer fest, wenn ich diesen Apparat doch gar nicht brauche, brauche ich ja dafür auch nicht malochen zu gehen. Freizeit! Und schließlich muss man sich doch auch eingestehen: Arbeit ist in erster Linie nur Arbeit. Schließlich erfand der Mensch doch die Maschinen, damit sie dem Menschen die Arbeit abnehmen. Sollen sie doch! Das Leben ist nämlich auch viel zu kurz, um sich mit blöden Maschinen zu streiten.

Natürlich sind solche Gedanken nicht gerade systemkonform. Schließlich, solang der Mensch rabotet und kauft, solange zahlt er auch Steuern und finanziert damit eine gewisse Oberschicht, die dem Glauben verfallen scheint, einen Mercedes zu fahren wäre Gottes Art Ausbeuter zu belohnen!

Oder die Angst des Mannes, ihn im Alter nicht mehr hoch zu kriegen. Äquivalent dazu die Furcht der Frau, im Alter keinen mehr drauf zu kriegen. Kinder! Jeder Kelch geht doch mal zur Neige! Mutter Natur hat uns doch in ihrer grenzenlosen Spaßhaftigkeit den Orgasmus nur gegeben, damit wir wenigstens EINEN vernünftigen Grund haben, um uns fortzupflanzen. Und dies sollten wir doch bitte tun, bevor die Gebärmutter in den Frauen herum hängt, wie ein zu heiß gewaschener Turnbeutel. Was nicht heißen soll, ich hätte etwas gegen Sex im hohen Alter. Selbst mit 43 fühle ich mich durchaus in der Lage, unter der Vorraussetzung, ich frühstücke täglich nur Kalk, Sand und so’n Zeug, den Westflügel des Kölner Doms allein durch onanieren frisch zu verputzen! Aber ich würde den Auftrag nicht annehmen. Was soll ich mit so einem riesigen Fernsehapparat?

Oder die Angst zu erkranken. Sicher, krank zu sein und dazu auch noch am Leben, das ist ganz schön doof. Aber wir rennen ja sogar in die Apotheke, wenn wir im Kern und drum herum kerngesund sind! Als würden diverse Pülverchen und Pillen dafür sorgen, dass wir (Gott behüte!), 200 Jahre alt werden können. Was keine gute Aussicht ist. Denn dann müsste man ja mindestens bis 160 arbeiten. Andererseits würde aber kein Schwein mehr über die Rente mit 67 meckern. Und außerdem, ab 80 hat doch jeder Mann eine Prostata so groß wie Kokosnüsse! Tolle Aussicht! 120 Jahre nicht pissen können! Na darauf kann ich aber nun genauso gut verzichten, wie auf den bescheuerten Fernseher!

Abgesehen davon, dass das doch alles nichts an der einzig wirklichen Tatsache ändert: Egal ob Vegetarier oder auch nicht. Wir beißen alle ins Gras. Egal, ob mit 100 oder 200. Wir beißen.

Also, Leute. Macht Euch bloß nicht verrückt wegen dem bisschen Leben. Oder besser gesagt, lasst Euch nicht verrückt machen. Denn ohne Schweiß kein Preis. Und ohne Leben kein Sterben. Und es ist, ich habe es glaube schon erwähnt, zu kurz, um sich darüber aufzuregen. Und das Leben ist verdammt reichhaltig. Ein guter Grund, um es zu verschwenden.