Stapelware
Es ist kinderleicht, am brühwarmen System herum zu kritteln, denn schließlich hat man ja selbiges nicht eigenhändig erfunden, installiert, noch jemals dieses Dreimal oder mehr Hoch leben lassen.
Doch man sollte sich nicht vorwitzig allzu weit aus dem Fenster heraus lehnen, weil man ja, selbst wenn man nicht gerade Ludwig Ehrhardt heißt, nicht nur Opfer der kapitalistischen Ordnung ist, sondern auch Mittäter, wenn auch nur im minderschweren Fall. So kann man im Osten unseres Landes des öfteren biertrinkende Männer wütend wie Rumpelstilzchen um kärgliche Bahnhofskioske springen sehen, nur weil der Lohn, welcher im Osten standardmäßig bei circa etwas über Null liegt, einen eben dabei nicht gerade große Sprünge machen lässt. Gleichfalls aber kann man ebendiese Wüteriche alljährlich in der Dominikanische Republik und auf den Philippinen wiederfinden, weil die promillereichen Drinks dort fast für lau zu haben sind, und das orale Vergnügen ebenso. Weil, auch der gemeine Sachse oder Thüringer hat doch längst begriffen, dass der zu Hause ach so teigige Euro nur noch dort erfreulich hart, wo der Schanker nicht nur weich, sondern auf Grund ökonomischer Schwäche auch an jeder sandigen Strandecke äußerst günstig zu erwerben ist. Und somit wird aus dem fast ganzjährigen Systemkritiker ein dreiwöchiger Nutznießer des wirtschaftlichen Gefälles, welches ihn vom ewigen Verlierer zum Kurzzeitregenten werden lässt. Jedenfalls was die Befriedigung seiner niedersten Instinkte betrifft.
Politische und Wirtschaftssysteme kommen und gehen. Nur die Dummen bleiben immer die selben. Gestern noch haben wir als Sklaven Pyramiden errichtet, dem Fronherren den Zehnten abgeliefert, uns 14 Stunden täglich in Manchester die Finger blutig gesponnen, heute nennen wir es die Marktwirtschaft. Was aber ungefähr das gleiche ist: der selbe alte, saure Wein, nur eben in neuen, mit Sozialgesetzbüchern durchwobenen Schläuchen. Ich selbst, der die ungemeine Gnade hatte, sich zwei mannigfache Systeme auf der Zunge zergehen zu lassen, kann ohne jegliche Boshaftigkeit in der Stimme behaupten, sie haben sich beide nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Was im Grunde eigentlich daran liegt, dass sie sich nur in winzigen Details unterscheiden. So hat der still verschiedene Sozialismus Milch und Brot und Miete subventioniert. Im Kapitalismus hingegen werden Korruption und moralische Defizite finanziell unterfüttert. Nun lässt sich leicht an den Fingern einer dreifingrigen Hand abzählen, dass einem Volke billige Milch natürlich als leicht verzichtbares Gut erscheint, wenn doch am anderen Ufer billige Versprechen und allerlei demokratischer Tand blinken. Worauf die DDR dann natürlich im Arsch war. Was aber leicht zu verschmerzen, denn es steht doch außer Frage, dass auch der Autor dieser Zeilen lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach hat. Wenn man mal von den Unfällen, welche durch die Bananenschalen ausgelöst, die nun von den arglosen Ossis achtlos auf allen öffentlichen Plätzen fallen gelassen worden, absieht. Dass sich der Spatz in der Hand allerdings zum Adler Ethon wandelte, um sich an der Leber Prometheus der Proleten zu mästen, ist der Stoff für eine andere Geschichte. So Gott will.
04. Juli 2007 um 14:10
Also in der DDR hätts den Kreationismus nicht gegeben
04. Juli 2007 um 14:17
Da gab’s nur Kretins.