Über’s Leben (1)
Freitag, 20. Juli 2007Man kann ja nicht gerade behaupten, dass unsere Welt von allzu großen Leuchten regiert wird, denn jedem Menschen mit einem IQ von 90+X sollte doch vollkommen klar sein, dass Macht und Chefsessel doch reinweg gar nichts sind, gegen das vollkommen verantwortungslose Herumlümmeln auf einer morgendlichen Sommerwiese, dazu kühles Bier mit einem langen, gebogenem Strohhalm aus einer Long-Neck-Flasche zu suckeln, und die Senioren, die dann und wann von weißgekleideten Zivis auf den angrenzenden Parkwegen vorbeigeschoben werden, als alte Nazis zu beschimpfen. Und die einzige Aufgabe, welche mich dann noch viertelstündig belästigt, ist, dass Bier immer schön in den Schatten zu schieben, und aufzupassen, dass einem nicht irgend so ein verdammter Drecksköter in die Weißblechdose mit den Haschkeksen scheißt. Ein Himmelreich in grün.
Natürlich trägt auch ein Ministerposten nicht nur solch überaus saure Früchte wie den ständigen Erklärungsnotstand, wenn mal wieder so kräftig im Ministerium geschmiert wurde, dass der Minister dem Wahlvolk den Buckel runter rutschen soll, sondern auch sonnensüße, wie zum Beispiel das Reisen 1.Klasse, und nicht etwa in engen, schlecht belüfteten Tiertransportkäfigen, selbst wenn der Minister ein ganz, ganz krummer Hund ist. Auch Vorstandsvorsitzender aktiennotierter Großunternehmen zu sein, bringt nicht nur finanzielles Labsal frei Haus, sondern mitunter auch sinnliches, wie beispielsweise die allmonatliche Fahrt des Industrie-Obermotzes samt Sekretärin nach Paris, damit die Tippse dort ihre Französisch-Kenntnisse auffrischen kann, auch wenn dieses wieder einmal nur den traurigen Sachverhalt bestätigt, dass so manche einheimische Schreibkraft nur von der Hand in den Mund lebt.
Doch dieses vermeintliche Unternehmer-Minutenglück wiegt keinesfalls die vielen, vielen Stunden der immerwährenden Unsicherheit auf, denn der Markt ist nun einmal ein störrischer Gaul, und ein Vorstandsposten nur ein nicht festangezogener Sattel mit Gleitgel unten drunter. Einen Hartz4-Posten dagegen hast Du auf ewig sicher. Hartz4 ist nämlich so was wie der sozialpolitische Mittelpunkt der Erde: selbst wenn man wollte: da kann man gar nicht tiefer fallen. Und weil Ministern und Vorstandsvorsitzenden eben um Potenzen bodenloser stürzen können, wegen ihrer ständigen Höhe, wird deren Fall mittels Pensionen und millionenschweren Abfindungen aufs Gemütlichste abgefedert, bis dass ihr Konto so randvoll ist, dass sie schnell noch ein Zweites eröffnen müssen.
Aber dies soll uns nicht in des Lebens Suppe spucken, denn schon in der ollen Bibel steht ja bekanntlich geschrieben, dass eher ein Kamel durchs Nadelöhr komme, als ein Reicher ins Himmelreich. Und wenn ich‘s recht bedenke: ich habe ich auf der wunderbaren Sommerwiese, auf welcher ich schon morgens in der Früh Bier mit langen, gebogenen Strohhalmen aus Long-Neck-Flaschen suckle, und die Senioren, welche von weißgekleideten Zivis auf den angrenzenden Parkwegen vorbeigeschoben werden, als alte Nazis beschimpfe, noch nie einen Ackermann oder einen Esser oder einen Florian Gerster rumlümmeln gesehen. Und wenn dann doch irgendwo mal Scheiße auf der Wiese rumlag, so war sie garantiert nur von einem der verdammten Drecksköter.
