Das Wort zum Sonntag
Es ist eine Illusion, der Blogger frei sei. Ein Aushängeschild der Demokratie. Das hohe Zeichen der Meinungsvielfalt. Es ist nur eine Wunschvorstellung. Ein Traum, der, sobald er den Köpfen der Idealisten entfleucht, im Stacheldraht der Realität verblutet. Jeder Suffkopf in irgendeiner klebrigen Kneipe Deutschlands ist weitaus freier. Denn er trägt das Schild der Trunkenheit vor sich her, welches von Justitia Pfeilen zwar gespickt, aber selten durchdrungen wird. Einem Blogger dagegen wird es verdammt schwer fallen zu beweisen, dass er, als er in Sherlock Holmesscher Manier in seinem Blog wortreich offenbarte, dass der Sender XY augenscheinlich dummdreist betrügerisch dreistdumme Menschen abzockt, bis übern Rand voll war. Denn in extenso sein verträgt keinen Alkohol. Und wenn dann dazu sein Portemonnaie eben sowenig voll ist, steht er ohne den löchrigen Schirm seiner Leserschaft im Abmahnregen und wird mächtig nass dabei. Denn Recht haben ist uns zwar recht und billig. Recht bekommen dagegen allzu oft recht teuer. Wie schon Hoffmann Fallersleben goldrichtig dichtete, sind nur die Gedanken wirklich frei. Doch Gedanken sind nur Gedanken, solange sie den Schädel nicht verlassen, um sich auf Tontafeln, Papier, oder eben im WWW öffentlichkeitswirksam zu manifestieren. Denn kaum sind die Gedanken dem Dunst der Allgemeinheit ausgesetzt, mutieren sie zu Nägeln, mit denen man der Gedanken Wirtstiere ans Kreuz der Verantwortung schlägt. Selbst wenn die Gedanken so wahr sind wie die Erkenntnis, dass auf einen Mittwoch immer ein Donnerstag folgt: es findet sich garantiert immer einer, der sich auf die Füße getreten fühlt. Und sicher auch ein Richter, der ihm die die schwer zu tragenden Last der Wahrheit vom Fuße kickt.
Blogger sind der feuchte Traum aller Schlapphüte. Denn die muss man nicht abhören. Nicht beschatten. Nicht observieren. Denn Blogger sind die Plaudertaschen der Nation. Und Gedankengut wird schnell zum Gedankenschlecht, wenn es erst in die Hände der Inquisitoren des Kapitals fällt. Denn selbst das wahre Wort ist nur eine Ware. Und das Verrückte daran ist, immer öfter bezahlt, wer sie feilbietet. Es ist eine Illusion, der Blogger sei frei. Er ist der Sklave seiner Schwatzhaftigkeit.
Guten Abend.
26. August 2007 um 19:34
Guten Abend. Schwarz auf weiss, klare, plumpe Wortegebilde, die Leser langweilen und Anwälte erhitzen! Ist es Kunst, mit weis(s)en Worten auf schwarz, Bilder zu malen, dezent, umschreibend und frei im Raum schwebend? Nur so erfährt der Leser (um den es wirklich geht) gedankliche Erregung und ein wenig Freiheit.
Also, nur Freiheit dem Schreibkünstler und Kopfweh den Rechtsleuten diesem Gedankengang mit unfassbaren Fakten zu folgen. Schweissausbruch vice versa!!!
Ne Ma?
26. August 2007 um 20:39
Es fällt mir schwer, Ihre Worte richtig zu deuten. Also lasse ich es lieber. Kann es aber eventuell sein, dass Sie das Wort “Satire” unter meiner Blogüberschrift überlesen haben?
27. August 2007 um 11:55
[...] Vom Kolumnistenschwein [...]
27. August 2007 um 22:44
Ich hab mich wohl in meinen Worten verfangen, unter dem Strich bin ich mit Ihnen und wollte mit Ihnen sein, zur Bekräftigung sozusagen. Sie sind ein Schreibkünstler und das wollte ich mit meinem Geschreibe sagen, ein Kompliment also!!
28. August 2007 um 13:41
Sehr schöner Eintrag
(bei der TBZ kann man ihn ja leider nicht kommentieren
)
28. August 2007 um 14:44
@Gasti
Dann bedanke ich mich auf das Artigste!