Mahlzeit!
Donnerstag, 23. August 2007Nichts schmeckt besser als eine reichliche Portion Eiernudeln mit Gulasch. Außer vielleicht ZWEI Portionen Eiernudeln mit Gulasch. Doch die Geschmäcker sind nun einmal verschieden, so dass das, was meine Geschmacksknospen möglicherweise zu stundenlangen Standing Ovation nötigt, bei manch anderem Feinschmecker zum Einlegen des Rückwärtsganges im Bereich des Verdauungstraktes führt. Ich bekenne aber, es gab und gibt für mich auch kulinarische Momente, in denen meine Lippen hartnäckig weigern sich zu öffnen, nämlich immer dann, wenn sporadisch das schleimige Gemüse der salzigen See, also Meeresfrüchte, als Mittagsmahl im heimischen Speisezimmer kredenzt werden. Kalmare und Seegurken sind nämlich keinesfalls lecker. Kalmare und Seegurken sind bäh. Und Lebensmittel, die das personengebundene Prädikat „bäh“ erworben haben, sind an und für sich nicht zum Verzehr geeignet. Außer man hat seinen Geschmackssinn wegen häufig frequentierter Schnellrestaurants sowieso schon an der Biegung eines willkürlichen Abflusses begraben.
Und gleichfalls auf dem absteigenden Ast der geschmacklichen Genüsse befindet sich für mich die feinschmeckerische Peinlichkeit der Fast-Food-Lebensmittel. Ich weiß nicht, was die illustren Herren und Damen von der Fast-Food-Industrie auf den Verpackungen ihrer Mikrowellenspeisen abbilden lassen, aber noch nie, NOCH NIE, habe ich im Inneren der genannten Packungen eine Speise gefunden, die der Abgebildeten auch nur im Entferntesten ähnelte. Nehmen wir zum Beispiel mal Rindsrouladen mit Dämpfkartoffeln und Rotkraut. Auf der Packung sah das Ganze tatsächlich aus wie Rindsrouladen mit Dämpfkartoffeln und Rotkraut. Also habe ich der Neugierde halber eine solche Portion gekauft, ausgepackt und mit tollkühnem Schwung in die Mikrowelle geworfen, um davor erwartungsvoll wie ein Junkie auf Entzug von einem Bein auf das Andere zu hüpfen. Und schon nach 5 Minuten löste das “Kling” der Mikrowelle, ohne dass ich es vermochte mich dagegen zu wehren, einen dermaßen Pawlowschen Reflex in meinem Munde aus, dass ich bis zu den Knöcheln in Spucke stand. Das Herausnehmen und Aufreißen der Packung und das gleichzeitige Erstarren aller meiner Sinne vollzog sich innerhalb einer Tausendstel Sekunde. WAS IST DAS? Nun ward die Packung aus dem Müll schnellstens rückentsorgt, und mit einem ungläubigen Blick auf die äußerst fotogene Roulade der Packungsfront fragte ich mich verzweifelt, was um Gottes Willen nur mit dem Fleische passiert sein, um so den erbarmungswürdigen Zustand einzunehmen, den es nun mikrowellenerschüttert inne hatte. Mein Mund war inzwischen wieder trocken wie die Wüste Gobi. Das, was da in der mit zwei Fettaugen garnierten dünnbraunen Soße vor sich hindampfte, könnte genauso gut Nachbar’s Lumpi im Vorgarten verloren haben. Und die Dämpfkartoffeln glichen den Bauschaumresten, die ich nach dem Fenstereinbau nachts im Stadtpark gleichmäßig in den Büschen verteilte. Rotkraut? Ich bin kein Gourmet, aber muss Rotkraut nicht mit der Gabel teilbar sein? Und dazu dieser Geruch, welcher mich an dunkelgrünen Holzlack mit einer Spur gemahlener Mottenkugeln erinnerte! Nennt mich kleinlich, aber sollte das Odeur einer Speise nicht dafür sorgen, dass Kinn und Krawatte speichelgetränkt nach Servietten betteln? Und nicht etwa in Nasen- und Mundhöhle Verbrennungen 3.Grades hinterlassen. Ich habe dann dennoch allen Mut zusammen genommen und von Lumpi’s Wurst, dem Bauschaum und dem Rotklumpenkraut gekostet. Was soll ich sagen? Die Verpackung sah nicht nur besser aus, sie schmeckte auch besser. Nur mit dem Stuhl hatte ich danach zwei Tage leichte Probleme. Er war irgendwie pappig.
