Einen Citroen bitte. Aber flambiert!

Paris brennt. Mal wieder. Also nicht die Hotelerbin, sondern die Stadt. Eine willkommen Gelegenheit, einen alten Text aufzuwärmen(!), welchen ich zu gleichartiger Okkasion im Jahre 2005 aus meinen Hirnlappen wrang.

Einen Citroen bitte. Aber flambiert!

Die morgendlichen Nachrichten auf Deutschlandfunk-Kultur vermögen es nicht mir meinen Frühstückskaffee kohlenhydratreich zu versüßen, so dass ich auf 4 gehäufte Teelöffel Zucker zurück greifen muss, wobei ich mir aber nun gar nicht mehr so sicher bin, ob man in dieser Konstellation überhaupt noch Teelöffel sagen darf. Denn streng betrachtet müsste dieses Utensil doch nun eigentlich Kaffeelöffel lauten. Doch wie weiter wenn ich, um den Abwaschturm nicht ins Unbesteigbare wachsen zu lassen, den Löffel nur abzutsche, um ihn an meine Gattin weiterzureichen, damit sie auch ihren Sonntagsfrühstückskaffee, welcher aber wegen ihrem überempfindlichen Magen nur aus Kamillentee besteht, umrühren kann – ist es dann nicht automatisch wieder ein Teelöffel? Schwierige Frage. Denn ein Teeei, welches man mit Motten befüllt, wird ja auch nicht zwangsläufig zur Mottenkugel. Ich gebe zu, dies ist ein denkbar schlechtes, weil sonderliches Beispiel. Denn kein Mensch macht mehr Mottenkugeln selbst, seitdem diese einem in jedem Drogeriemarkt hinterdrein geworfen werden, nebst CD-Rohlingen und Batterie-Spar-Packs, so dass man die Schilder “Achtung – Helmpflicht!” im Eingangsbereich der Schlecker-Filiale keinesfalls ignorieren sollte. (Natürlich sind keinerlei “Achtung – Helmpflicht!” – Schilder im Eingangsbereich der Schlecker-Filialen angebracht, aber in Anbetracht der nachgeworfenen Waren wäre es ganz sicher angebracht!)

Doch Kaffeelöffel hin, Teelöffel her, dass mit Koffein angereicherte Heißgetränk mundet mir um Klassen besser, als die Nachrichten, die ein monoton klingender Sprecher in den sonnigen Spätherbstäther hüstelt, denn sie verkünden mir weit weniger als froh, dass in Frankreich, dem Land in welchem angeblich Rotwein und Käse fließen, wegen Unruhen unter Jugendlichen nächtens Hunderte von Autos brannten.

Ich war als Kind auch sehr unruhig, wenn nicht gar hyperaktiv, doch nie, nie kam es mir in den unreifen Sinn, meines Nachbars hart ersparten Trabant abzufackeln. Nicht einmal sein Handwagen, geschweige denn der Kinderwagen seiner Tochter, ließen mich zum Pyromanen werden. Und dass, obwohl ich dermaßen zappelig war, das es von mir nur arg verwackelte Aufnahmen als Heranwachsender gibt.

Ja, ich könnte es sehr gut nachvollziehen, dass man, parkt man ein Fahrzeug namens Renault oder Citroen in der Garage, des öfteren mit Kanister und Feuerzeug in dieser steht, dicksten Schweiß auf der Stirn, dass Original-Zippo-Sturmfeuerzeug in der zitternden Hand, um dem französischen Automobil benzingetränkte Sterbehilfe zu leisten. Aber um Gottes Willen doch nicht etwa weil man unruhig ist. Dagegen trinke man doch lieber Baldriantee mit Rum. Oder noch besser: Rum mit Baldrian. Denn wenn französische Autos zu verbrennen der inneren Ruhe dienlich wäre, so hätte ich doch sicherlich die eine oder andere medizinische Abhandlung über diesen gar wunderlichen Effekt in der Apothekenumschau gelesen. Und es gäbe Molotovcocktails auf Rezept. Tolle Vorstellung. Kann ich vor lauter innerem Jucken im Kopf mal wieder nicht einschlafen, schnappe ich mir Benzin und Fackel, klingle beim Nachbarn und rufe hinauf: “Herr Müller, ich brenn’ mal schnell ihren Citroen nieder. Ich kann nämlich nicht einschlafen.” “Jaja”, schallt es aus dem 3.Stockwerk zurück, “und wenn’s nicht hilft, auf der anderen Straßenseite steht noch der Renault meiner Alten. Gute Nacht!”

Vielleicht sind ja die französischen Jungpyromanen ganz einfach nur unglücklich. So ganz ohne Arbeit. Und ich frage mich, während ich meinen ebenfalls leicht angebrannten Toast mit Pfälzer Leberwurst bestreiche und der Deutschlandfunk leicht verdaulichen Johannes Strauss zum Besten gibt: wer weiß – wenn man ihnen Arbeit gäbe, 40 Stunden die Woche, und dass auf Thüringer Lohnniveau – was dann wohl erst alles in Flammen aufgehen würde! Da können sich die Franzosen mal ruhig eine gehörig dicke Scheibe vom Thüringer abschneiden: Trotz staatlich sanktioniertem Sklavenhandel, ist dass Einzige was in Erfurt brennt, an jeder Ecke ein Rost!

Dabei, wenn wir Deutschen einmal kokeln, dann aber richtig. Denn wir sind nicht nur Weltmeister im Export, nein, einst waren wir es auch im Verbrennen von Hexen und Büchern. Bücher sind aus Papier und Papier aus Holz und Hexen aus Mensch. Soll heißen, alles nachwachsende Rohstoffe. Nur beim Auto, welches ja mühsam am Band zusammengeschraubt werden muss, da hört für den Bundesbürger der Spaß beim Flambieren auf. So ist es auch laut Grillweltmeister Fuchs, welcher übrigens auch aus Thüringen stammt, ein übler kulinarischer Fehltritt, neben Brätl und Bratwurst, Breitreifen und Auspufftopf auf den Holzkohlegrill zu legen.

Doch hinweg, Trübsal und Schwermut! Denn noch habe ich genug Zucker, um mir den Tag zu versüßen. Und Staaten, die Atombomben und Legionäre horten wie Oma Hedwig Kissenhüllen, habe ich nicht vor mit meinem Ford-Fiesta jemals zu befahren. Und sollen die Franzosen ihre Suppe doch selbst auslöffeln, so wie ich die pralle Pampelmuse, mit der ich mein opulentes Frühstück kröne. Und dazu kredenzt mir der Deutschlandfunk Nachrichten aus aller Welt, die auf allen regionalen Privatradiosendern grundsätzlich nur daraus bestehen, mir alle dreieinhalb Minuten zu verkünden, nur bei ihnen spiele man die größten Hits. Doch wehe Dem, der seinen Glauben leichtgläubig an Antenne Thüringen oder auch Landeswelle verschenkt, und vor’m Radio Stunde um Stunde, Tag für Tag auf das Versprochenen lauert, den ihm drohen Dehydrierung und große Hungersnot! Weil, sie bringen nur Werbung und kichernde Moderatorinnen, und Musik, die mit Hits so viel am Hut hat, wie der bereits erwähnte Kaffeeteelöffel mit einer Großküchensuppenkelle.

Doch was mein Privatradiozuhörerfass einst endgültig überlaufen ließ, war die Tatsache, dass eine Moderatorin von einem “Trallalla-Hahaha-Sender” zum anderen wechselte, mit der Begründung, nur dort spiele man die beste Musik. Grundgütiger! Hätte sie gesagt, sie hätte die Firma gewechselt, weil man ihr dort das pointenlose Gegacker mit einem weiteren 100-Euro-Schein vergolde. Oder weil der “Programm”-Chef sie in jeder Mittagspause bewusstlos vögelt. Ich hätte verständnisvoll genickt. Aber die Behauptung, Bon Jovi und Nena wären Musik, sollte jeden kritischen Radiojunkie das Küchenfenster weit aufreißen lassen, um mit lauter Stimme Richtung Paris zu rufen:

“Hey, ihr jungen Heißsporne, ihr verbrennt die falschen Autos!”

5 Antworten zu “Einen Citroen bitte. Aber flambiert!”

  1. Bernd sagt:

    Dazu fällt mir nur ein: “Learning by burning”

    Habe gut geschmunzelt!

    Gruß aus

    Bad Berka

  2. admin sagt:

    Bad Berka? Da sehen wir uns ja bald wieder! Also im August. PSOA rules!

  3. Bernd sagt:

    Oder am 08.12. in Erfurt bei STOPPOK?

    Bei den Partisanen war es dieses Jahr ja sehr feucht. Die black-gedressten Teilnehmer hatten – so mein Eindruck – nach zwei Tagen äußerlich eine große Ähnlichkeit mit im schönsten Dreck robbenden Bundeswehr-Pionieren in der Grundausbildung. War schön anzusehen.

  4. admin sagt:

    Ich maloche seit 4 Jahren in der PSOA-Crew mit. Doch noch nie habe ich mich an jedem Abend so nach WASSER gesehnt!

  5. abstellgleis sagt:

    Großartiger Artikel, habe Tränen gelacht!