Archiv für November 2007

Wir setzen der Altersvorsorge den Stuhl vor die Tür

Samstag, 03. November 2007

Die Deutschen, so sagt man, sorgen immer noch zu wenig für die garstige Zeit vorm Tode vor. Dabei: Altersvorsorge besorgen ist doch schlimmer als Russisch Roulett mit 2 voll aufmunitionierten Revolvern. Lege ich zum Beispiel meine vom Munde abgesparten 30,5 Milliarden Euro fürs Greisenalter auf die ganz hohe Kante, dann bin ich vielleicht als alter Sack so total vergichtet und rheumatisiert, dass ich mir das Geld später gar nicht mehr herunter holen kann. Von allem anderen ganz zu schweigen. Und wie hoch die Kante zu sein hat, dass bestimmt ja der junge smarte Herr Sparkassenfinanzberater im halbseidenen Anzug, der nie von der Stange, aber sicher eine ganze Stange Geld gekostet. Klar. Denn wenn der Herr Aktien- und Schatzbriefjongleur aussehen würde wie die Vogelscheuche aus “Alice im Wunderland”, dann würde die Vertrauensbasis zwischen finanziell Verunsicherten und selbstsicherem Finanzier garantiert nur aus ganz, ganz dünnem Eis bestehen. Extra problematisch in meinem Fall: ich bin nur knapp 1.70 groß. Mein Sparkassenberater aber über 1.90. Da muss man doch zwangsläufig davon ausgehen, dass das, was bei mir schon die hohe Kante, bei ihm nur unterste Schublade ist. Sich selbst sollte man allerdings beim Besuch im Sparkassencenter in einen dicken Mantel aus Coolness hüllen, denn Sparkassenberater sind wie hungrige Wölfe: sie wittern die Angst. Ist doch aber auch verständlich, dass der Kunde in der Bank das große Bibbern kriegt. Denn wie oft hört und liest man in den Medien von Großvätern und Großmüttern und deren Alterssparsocken, die sie vertrauensvoll in jungen Jahren in die Tresore ihrer Hausbank hängten, auf das sich ihr Inhalt wie russische Spätaussiedlerfamilien vermehrt, doch am Tage des Renteneintrittes waren die Strümpfe so leer wie die Friedhöfe einen Tag nach dem Jüngsten Gericht. Und die Sparkassenangestellten zucken wie immer nur mit den Schultern: die Inflation halt. Und Kursschwankungen. Schwarze Freitage. 10 Jahre lang. Die üblichen Verdächtigen also. Da stehen dann Opa Erich und Oma Lieschen Müller ziemlich bedeppert auf der Strasse, auf die sie der überaus nette und überaus breitschultrige Security-Mitarbeiter getragen hat. Und Oma Müller weint ein bisschen auf die Bluse aus der Kleiderspende. Nur Opa Müller, der trägt es mit Fassung und sagt, als gerade ein junger erfolgsverwöhnter Konkursverschlepper mit prallen Koffern, aus denen grüne Geldscheine quellen, die Sparkasse verlässt: “Ja ja. Der Teufel scheißt stets auf die größten Haufen.”

Darum an dieser Stelle noch eine kleine Finanzkunde für alle Sparwilligen, die wahrlich der geistigen Fata Morgana erlegen sind, sie würden für ihr Alter sparen, dabei sparen sie nur für den Staat, weil der sich die Rentenzahlung sparen will.

1. Investmentfonds.

Vorsicht! VORSICHT! Laut Dr. Oetker Kochbuch ist ein Fond die zurückbleibende Flüssigkeit, die durch Kochen, Braten, Dünsten entsteht. Wollen Sie sich etwa im Alter nur von Soße ernähren?!

2. Bundesschatzbriefe

Vorsicht! VORSICHT! Natürlich bekommt jede Frau, jeder Mann gern angenehme Post. Besonders im Alter, wenn man sich einsam wie Robinson im Altenheim den Arsch wund liegt. Doch wer hat nicht schon von Briefen gehört, die 80 Jahre von Berlin-Pankow nach Berlin Treptow unterwegs waren. Und was nützen die fettesten stattlichen Zinsen, wenn sie hinter dem Rücksitz eines Postautos stecken!?

3. Zuwachssparen

Vorsicht! VORSICHT! Seit wenn bringt Zuwachs denn Rendite? Als meines Nachbars Frau das fünfte mal schwanger war, da hat der sich aufgehangen. Und mal ehrlich, Sie sind doch sicher auch froh, dass Sie die Plagen endlich aus dem Haus haben?!

Und mal unter uns: verschiedene Schildkröten können circa bis zu 200 Jahre alt werden. Und jetzt überlegen Sie mal: Wann haben Sie das letzte Mal auf der Bank ihrs Vertrauens eine Schildkröte gesehen, die zum Sparkassenfuzzi hinter dem Schalter sagte: “Ich hätte gern 3 Salatköpfe fürs Alter angelegt. Was können sie mir da denn empfehlen?”

Da sollten wir uns wegen lausigen durchschnittlichen 85 Jahren Lebenszeit erst recht keine Gedanken machen.

Oder?

Ihr Walter Riester