Durch den Magensaft gezogen (2)

So. Der Hase hat es ja nun anscheinend längst hinter sich gebracht, da ein Verdauungsvorgang in der Regel, also jetzt nicht nur bei menstruierenden Frauen, sondern auch bei uns Männern, wenn es sich um geschmortes Fleisch handelt, so um die 4 Stunden dauert. Natürlich möchte so ein mimosenhafter Hobbykoch wie ich es einer bin am liebsten seine nicht vorhandene Kochmütze zerknüllen und in die Ecke pfeffern (!), denn der Gedanke, dass die Speise, deretwegen man so viele Stunden in der dunstigen, rauchgeschwärzten Küche verbrachte, nur kurz darauf im Magen in Salzsäure landet, macht selbst gestandene Bahnhofskioskcurrywurstbrater weinend. Verständlich, denn ein Maler wirft sein gelungenes Gemälde nach Vollendung ja sicherlich auch nicht einfach in den Ganges oder die Ilm, oder was für ein Fluss auch an seinem Atelier vorbeitröpfeln mag. Auch wenn die Vorstellung von auf Flüssen treibenden Triptychons alter Meister durchaus seinen Liebreiz hat, denn schließlich halten sich an Flüssen weit mehr Menschen auf als in staubigen Museen, und ein Bild, dass von Niemandem bestaunt, ähnelt dem gelungenen Hase in der Pfanne, den keiner durch „Mmm!„ und „Ahh!„ zu würdigen bereit steht.

Ob der Hase allerdings mundete, den ich Dank schon in jungen Jahren erworbener Kochkenntnisse zuzubereiten verdammt war, entzieht sich meiner Kenntnis, da ja schon seit Tagen mein sensorischer Bereich wegen eines bösen Schnupfens wegen darniederlag. Sagen wir es aber einmal so: Frau und Kind sind noch wohlauf, ich, bis auf die immer noch von Keimen zu betonierte Nase, ebenso, und wenn der Notarzt schon übern Feiertag von gewissenlosen Mitbürgern aus Schlaf und Bett gerissen wurde; in meiner Küche war sicherlich kein Grund dafür zu finden. Doch sollte dieses von meiner Leserschaft ernsthaft in Zweifel gezogen werden: in einem Mastdarm kann das, was einmal Hase war, bis zu 5 Tage endgelagert werden. So bitte ich meine kulinarischen Kritiker bis spätestens 30. Dezember zu warten und mir gegebenenfalls schon mal ein kleines (im günstigsten Fall verschließbares!) Reagenzglas zu schicken, damit ich meine nach Gewürzen riechenden Hände wenigstens labortechnisch in kochkünstlerischer Unschuld waschen kann. Natürlich ist ein mit justiziablem Fäzces (nein, dies ist kein Ungarisch, dies ist Latein!) gefülltes Reagenzglas nicht gerade appetitlich, aber in einem Land, in welchem es gut ausgebildeten Sondereinsatzkommandos nicht einmal gelingt, einsame, kranke Senioren zu überwältigen, ohne diese übern Haufen und dazu auch noch tot zu schießen, sollte man doch stets darauf bedacht sein, dass, wenn einem schon die Scheiße bis zum Halse steht, auch wenn es nur die Kochkunst betrifft, es wenigstens nur die eigene ist. Weil, wenn man dann als alter Mann vom SEK erschossen wird, man dann wenigstens weiß, die machen ja nur ihren Job, die können nichts dafür, die können wahrscheinlich gar nichts. Aber mit Wumme in der Hand und Justitia an ihrer Seite ist die eigenen Unfähigkeit ja vollkommen legalisiert. Falsche Hasen, von Flensburg bis Freiburg. Mmm! Ahh!

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