Oh’ Tannenbaum – als Volkslied okay, als Baum problematisch!
Die einzig wahre und größte Herausforderung der Menschheit besteht meiner ungeschätzten Meinung nach nicht darin, die drohende globale Erderwärmung zu verhindern, den AIDS-Virus auszulöschen, oder den Hunger in der Welt zu stillen, sondern alleinig in der Beantwortung der Mutter aller berechtigten Fragen: wohin mit meinem Christbaum nach den Weihnachtsfeiertagen?
Ja, Tausende und Abertausende der abendländischen Tradition eines Weihnachtsbaumes anheim Gefallene stehen nach dem 26. Dezember hilflos mit einer verdursteten Baumleiche in der Hand in der Mitte der Gesellschaft wie auch ihres Wohnzimmers, und haben, neben der seit Tagen Gastfreundschaft schmarotzenden Schwiegermutter nun auch noch einen halben Nadelwald am feiertagsgemästeten Hals.
Und viele Heizungsinstallateure können am Ende jedes Jahres ein gar trauriges Lied von schweißstiftenden Sonderschichten anstimmen, denn immer wieder kommt es zu kompletten Totalausfällen von Heizungen in den Siedlungen überschuldeter Doppelhaushälftenbesitzer, da diese alljährlich vergeblich versuchen, ihre Baumkadaver in der Heizung zu verbrennen, was aber bei modernen Gas- und Ölheizungen nicht nur nach sehr seltenem Spezialwerkzeug schreit, sondern auch ein immenses Maß an Phantasie erfordert.
Gleichfalls beliebt, dass Entsorgen des nun sinnentleerten Baumes auf wegen Spardruckes schlecht ausgeleuchteten öffentlichen Plätzen, wobei auch hier Michael Gorbatschows Satz vom „zu spät kommen“ immer noch seine Gültigkeit hat, denn ab 27. Dezember 5 Uhr in der Früh, kann und muss man als Realist leider davon ausgehen, dass sich auf den schattigen Feldern der Allgemeinheit bereits haushoch Schwiegermütter türmen.
Auch wenn dem deutschen Endverbraucher seitens IKEA werbetechnisch vorgegaukelt wird, dass es im Heimatlande der Elche und Inbusschlüssel in Sachen Weihnachtsbaumentsorgung hochgradig robust und volkstümlich zugehe, so sollte der deutsche, des Baumes überdrüssige Familienvater doch ein gutes Kilogramm an Vorsicht walten lassen, denn egal wie schön geschmückt sein Christbaum auch sein mag: fliegt er aus dem Fenster eines dreizehnten Stockwerkes direkt auf den Schädel eines in frostiger Dezemberluft flanierenden Bürgers, so kann dieser Umstand ganz schön hässliche Narben namens Anwaltskosten auf dem eigenen Konto hinterlassen. Selbiges gilt übrigens auch, Sie können es sich sicherlich bereits denken, für aus dem Fenster geschmissene Schwiegermütter.
Doch muss der Wahrheitsliebe wegen unbedingt auch erwähnt werden: in Anbetracht meines maximal 2 Meter hohen Weihnachtsbäumchens, sind meine Entsorgungsprobleme doch weiß Gott keine einzige dieser höchstens mittelprächtigen Zeilen wert, wenn man sein noch vom Glühwein getrübtes Auge in Richtung Vatikanstadt lenkt. Denn das Oberhaupt der Katholiken hat vor seiner Bude zu jeder Weihnacht einen Christbaum stehen, der sage und schreibe weit über 30 Meter messen soll. Und um so einen Baum heimlich auf irgendeinem schlecht ausgeleuchtetem römischen Platze zu entsorgen, da braucht es schon ein verdammt großes Papa Mobile. Andererseits ist der Pabst damit doch noch reichlich gut bedient. Denn der hat wenigstens keine Schwiegermutter.