Archiv für Dezember 2007

Durch den Magensaft gezogen

Dienstag, 25. Dezember 2007

Weihnachten, dass sind so die Tage, an denen ich die Vorzüge eines Ganz-weit-oben-stehen in der Nahrungskette gar nicht genug lobpreisen kann. Klar, läge man selbst statt des Hasen in der Großraumpfanne – die Feiertage wären für unsereins so gut wie gelaufen! Indes ist der Gedanke, dass Hasen Weihnachten feiern, ja auch ziemlich abwegig, denn dazu müsste denen ja irgendwann in grauer Vorzeit ein Heiland geboren sein. Und mal unter vier Augen: ein Gottessohn mit einem Wahnsinnsüberbiss und Riesenlöffeln, der zudem rammelt wie ein Hase – dies hoppelt mir doch schon bedenklich nah an der Grenze zur Blasphemie! Und das wäre doch wohl gerade um diese Tage herum gehörig daneben, wo doch der Rüttgers eben mal wieder die fiktionale Figur eines Gottes aufs verbal gezimmerte Podest gehievt hat, weil so ein Gott für uns Hasen Menschen, in Bezug auf unserer Werte, doch immens bedeutsam sei. Ich gestehe, ich habe momentan nur kulinarische Werte im Kopf bzw. Topf. Und in Gegenwart des von mir geschnippelten Wurzelwerkes, der Kräuter und der Porzellanschälchen mit Gewürzen wie Lorbeer, Wachholder und Knoblauch, die sich auf meinem Küchentisch häufen: wäre dieser Hase im ungünstigsten aller Möglichkeiten Gottes Sohn, ich hätte ihn vom Kreuz genommen. Auf dass er mir göttlich schmecke.

Alle Jahre wieder

Montag, 24. Dezember 2007

Die Schlacht ist geschlagen. Verkäufer und Aushilfskräfte liegen ermattet zwischen Geschenkpapierfetzen und zertretenen Christbaumkugeln. Ein dickes Kind kotzt einen Lebkuchenmann in den Märchenwald. Verschwitzte Filialleiter zählen schmierige Geldscheine, es stinkt nach vergossenem Glühwein und verbrannten Mandeln, künstliches Licht, wohin das von Gier ermüdete Auge blickt. In ächzenden Gefriertruhen wartet letztes Aas auf sein Begräbnis zwischen Klößen und Kohl. Monitore erschwindeln Festtagslaune. Ein letzter Kunde irrt irre lächelnd zwischen Gucci und Armani. Ketterauchend steht ein Müllmann Besen bei Fuß. Der Aushilfsweihnachtsmann trinkt kalten Punsch aus der Flasche, torkelt schweren Kopfes durchs ausgebleichte „Oh‘ Tannenbaum …“. Das dicke Kind steht wieder aufrecht und rezitiert schluchzend ein Gedicht:

Quer durch das Kalt meiner Stadt

hängen Ketten aus glänzenden Kinderaugen,

schieben Räumfahrzeuge bonbonfarben

Berge von Zuckerwatte an den Straßenrand

und der zu Dampf erhitzte Wein

mischt sich mit Bim und Bam und steigt,

bis er erfroren wieder fällt,

in die Randbezirke,

wo schmutzigstumm die Alten

die Wege salzen,

alles Rot grau

und die Kinderaugen

Importglühbirnen sind

aus China.

Der Aushilfsweihnachtsmann klatscht Beifall und fällt um. Der Müllmann tritt seine Kippe aus, beginnt den Weihnachtsmann in Richtung Ausgang zu kehren und seufzt dabei leise: „Ja ja, alle Jahre wieder …“.

Helau!

 

(Allen Leserinnen, allen Lesern wünsche ich friedvolle Feiertage. Und seid nicht so gierig. Materielles frisst eh‘ nur die Zeit. Und eine Gallenkolik ist auch nicht gerade Festtagsfreude pur. Und im Übrigen ist Lametta KEINE neue Frischkäsesorte!)

Wie es mir geht?!

Sonntag, 23. Dezember 2007

Danke der Nachfrage! Mein verrotztes Riechorgan lässt den Papiertaschentuchberg weiterhin stündlich um ein bis zwei Kubikmeter anwachsen, was mich aber immerhin dazu bringt, weit weniger kritisch in Richtung Abholzung des Regenwaldes zu blicken, denn Taschentücher, welche sich im Sammeln von gelbgrünem Naseninhalt als außergewöhnlich nützlich erweisen, lassen mich in Gedanken Mahagoni- und Ebenholzbäume fällen und zur Weiterverarbeitung per Lastenhubschrauber auf das Gelände der Firma Tempo transportieren. (In meiner Kindheit kamen noch bevorzugt Stofftaschentücher zum Einsatz. Möchte gern einmal wissen, wie man die wieder sauber bekam, OHNE dass die Kanalisation vorm Hause, nach einem Waschgang von 200 circa ein Kilogramm schweren Taschentüchern, alle Viere von sich streckte!)

Einzig und allein besorgt bin ich darüber, dass die kulinarischen Genüsse, die Keller und Kühlschrank im Hinblick auf die bevorstehenden Feiertage gehamstert haben, an mir ungeschmeckt vorbei schreiten werden, denn bekanntlich ist die Nase zu circa 80 Prozent am geschmacklichen Erkennen und somit Genießen beteiligt. Eine verstopfte Nase zu Weihnachten ist somit ungefähr äquivalent zu dem Zustand, in dem sich ein Schiffbrüchiger befindet, der am Strand eine große Kiste voll Viagra entdeckt, aber feststellen muss, dass er vollkommen allein auf einer unbewohnten Insel gestrandet ist.

Auch keinerlei Genuss versprechen die, wenn auch nicht gelbgrünen, so doch nie gesund klingenden Auswürfe Einwürfe unseres Bundestagspräsidenten, denn sein Auswurf Einwurf, dass Fußballer zuviel und Politiker zuwenig verdienen, entbehrt nicht einer gewissen Schieflage. Schließlich treffen Fußballer wenigstens an und ab das Tor. Politiker dagegen leider nur allzu oft die Schienbeine des Volkes. Na ja, Herr Lammert; dann mal gute Besserung uns beiden!