Durch den Magensaft gezogen
Dienstag, 25. Dezember 2007Weihnachten, dass sind so die Tage, an denen ich die Vorzüge eines Ganz-weit-oben-stehen in der Nahrungskette gar nicht genug lobpreisen kann. Klar, läge man selbst statt des Hasen in der Großraumpfanne – die Feiertage wären für unsereins so gut wie gelaufen! Indes ist der Gedanke, dass Hasen Weihnachten feiern, ja auch ziemlich abwegig, denn dazu müsste denen ja irgendwann in grauer Vorzeit ein Heiland geboren sein. Und mal unter vier Augen: ein Gottessohn mit einem Wahnsinnsüberbiss und Riesenlöffeln, der zudem rammelt wie ein Hase – dies hoppelt mir doch schon bedenklich nah an der Grenze zur Blasphemie! Und das wäre doch wohl gerade um diese Tage herum gehörig daneben, wo doch der Rüttgers eben mal wieder die fiktionale Figur eines Gottes aufs verbal gezimmerte Podest gehievt hat, weil so ein Gott für uns Hasen Menschen, in Bezug auf unserer Werte, doch immens bedeutsam sei. Ich gestehe, ich habe momentan nur kulinarische Werte im Kopf bzw. Topf. Und in Gegenwart des von mir geschnippelten Wurzelwerkes, der Kräuter und der Porzellanschälchen mit Gewürzen wie Lorbeer, Wachholder und Knoblauch, die sich auf meinem Küchentisch häufen: wäre dieser Hase im ungünstigsten aller Möglichkeiten Gottes Sohn, ich hätte ihn vom Kreuz genommen. Auf dass er mir göttlich schmecke.
