We Shall Overcome!
Donnerstag, 31. Januar 2008Heutzutage gilt es ja hierzulande schon als gewaltige Protestbewegung, wenn man beim Stammwirt um die Ecke auf die Frage, ob man denn noch ein klitzekleines Bier vertragen würde, abwehrend die Hände erhebt.
Wo die eigene Beweglichkeit auf Grund durch bedenkliche Ernährungsweise angesammelter Fettdepots erheblich eingeschränkt ist, da sympathisiert man eben weder mit Osterspaziergängen, von Ostermärschen dann natürlich ganz zu schweigen. Die Fäuste werden nur noch verbal am Stammtisch geschüttelt, ein kurzes Aufbäumen beim Frühschoppen, den Rest des Tages dämmern sie im fetten Schoß. Und wenn der Bürger doch mal ausnahmsweise den Mittelfinger zeigt, dann nur dem eigenen Nasenloch, oder der Möse seiner Frau.
Wenn man bedenkt, dass Bananen zu circa 70 Prozent aus Wasser bestehen, somit also 1989 in Leipzig und Umgebung für mehr WASSER demonstriert wurde, so ist es doch sehr bemerkenswert, dass, wo in gegenwärtiger Zeit den simpelsten Bürgerrechten mit großer Schaufel das Wasser abgegraben wird, es erstaunlich ruhig bleibt, auf Plätzen und Alleen. Und wiederum zeigen uns die Franzosen, dass Kämpfen für die gute Sache sehr wohl lohnt, so dass sie nicht nur in allen bisherigen Weltkriegen in der Gewinnerstrasse wohnten, sondern durch standhaftes Wehren und Protestieren auch ihren Pfingstmontag, der 2003 als Feiertag im Lande zwischen Seine und Rhone über die Klinge springen musste, just ab diesem Jahr wieder vom Joch der Fron befreit bekamen. Was zeigt, dass Protestwellen nicht zwangsläufig im Sande verlaufen müssen, sondern durchaus in der Lage sind, sofern nur ausdauernd und kräftig genug, die Arroganz der Macht hinweg zuspülen.
Und darum rufe ich meine Leser auf, am nächsten Montag mit mir um die Abendstunden herum mal wieder ein Viertelstündchen gemeinsam zu demonstrieren.
Wogegen, entnehmen Sie bitte der Tagesschau.
