Der Itzi-Bitzi-Tini-Wini-Honolulu-Strandbikini
Ganz gleich wie fest die Zeit das zwischenmenschliche Gespinst unter Eheleuten auch gewoben haben mag: Achillesferse ihrer Zweisamkeit bleibt stets der Geduldsfaden, welcher, wenn man ein zuviel an Subjektivem an die große Glocke hängt, immer zuallererst reißt. Und so werde ich mich auch tunlichst davor hüten, hier allzu offenherzig mitzuteilen, dass der neu erworbene Bikini meiner Gattin bei dessen innerfamiliärer Präsentation auf mich wirkte, als hätte man an der südaustralischen Küste beheimatete Fetzenfische gefangen, getrocknet und damit die weiblichen Attribute meiner besseren Hälfte drapiert.
Mutig werde ich dagegen hier offenbaren, dass ich Familienministerin Frau von der Leyen noch nie besonders doll mochte, und ab heute wohl noch um einiges weniger, da ich lesen musste, dass die Dame sich anmaßt, ein religionskritisches Kinderbuch indizieren zu wollen. Und zwar, weil darin angeblich „die Besonderheiten jeder Religion (…) der Lächerlichkeit preisgegeben” wären. Mich selbst würde es jedenfalls nicht stören, wenn man ob meiner Gottlosigkeit Witze reißen täte, schließlich ist Lachen doch nicht nur ungemein gesund. Es ist ja auch an dem, dass mein nichtvorhandener Gott noch nie so viele Leben gekostet hat, wie die fiktiven Götter aller abend- und morgenländischen Religionen zusammen, für die doch schon so viele Menschen ihr Dasein in Kreuzzügen, der Inquisition und bei Steinigungen lassen mussten.
Auch habe ich keinerlei Einwände, wenn Frau von der Leyen ihre sieben Plagen in religiöser Käfighaltung aufziehen will. Nichtsdestoweniger möchte ich mein Kind doch lieber in geistiger Freilandhaltung aufwachsen sehen, da dieses ja schließlich auch dem auf eigenen Beinen stehen lernen viel bekömmlicher scheint. Und es scheint mir außerdem auch recht ungerecht, dass über Ufo-Gläubige alle Welt lachen darf, über Gottgläubige aber nicht einmal lächeln, was nicht nur dem Herrn von Däniken tiefe Sorgenfalten ins Gesicht meißeln dürfte. Insbesondere sollte man wiewohl davon ausgehen können, dass im deutschen Familienministerium anno 2008 die Denkweise vorherrscht, dass kritische Bücher nicht verbrannt gehören, sondern Bücherverbrennung als solche auf den Scheiterhaufen der Geschichte.
Genau wie der anfangs erwähnte Bikini meiner Frau.
30. Januar 2008 um 18:45
Ob geistige Freilandhaltung im Gegenzug zu religiöser Käfighaltung nicht eventuell begrifflich eigentlich vice versa formuliert werden müsste? Insbesondere mit Blick auf die erstrebte Fähigkeit “auf eigenen Beinen stehen zu können” mag eine gewisse Religiosität durchaus stützende Wirkung haben. So geht der religiös erzogene möglicherweise straff auf einer breiten Straße des Lebens, während der Areligiöse vielleicht das Leben als einen Seiltanz in großer Höhe empfindet und es schlimmstenfalls nicht einmal weiß. Ich bin kein Kirchenmann und habe keine diesbezügliche Meinung, bin aber genau deshalb vorsichtig mit eindeutigen Aussagen.
30. Januar 2008 um 19:19
Es ist, wie angedeutet, meine subjektive Sicht auf die Dinge. Ich tanze jedenfalls lieber auf einem Seil, als all meine Verantwortlichkeit als Individium mit dem Spruch “Der Mensch denkt – Gott lenkt” ans Imaginäre abzugeben. Sollte es den großen Alleskönner dennoch geben, so wird er mir vielleicht tief ins Bloggergewissen schauen und feststellen müssen: ich grolle ihm nicht. Ich grolle nur denen, die ihn benutzen.
30. Januar 2008 um 19:48
Ich wollte eigentlich ja nur den Mut bewundern, die fetzenfischhaftigkeit gewisser weiblicher Kleidungsstücke anzuprangern, aber der Kommentar von Herrn Petereit, reizt dann doch zu Widerspruch.
Sich unter religiöser Führung bewegen, bedeutet nicht nur im Zwangskäfig diverser Sündenängste im dunkeln zu sitzen, sondern zusätzlichauch noch den Blickwinkel durch Scheuklappen auf minimale Sichtschlitze eingeengt zu bekommen. Damit sind wohl kaum gerade und klare Menschen zu erziehen.
Religion lebt von der Angst, das die ach so wichtige Seele verdorben werden könnte, wenn sie eine der vielen blödsinnigen Regeln der Religion bricht. Drohkulisse mit Pappmonstern. Gerade schlimm genug um Kinder zu ängstigen und Männer wütend zu machen.
30. Januar 2008 um 19:50
Da steh’ ich nun, ich armer T(h)or*,
und klatsche wie noch nie zuvor.
Danke für diesen heilsamen Text!
*Auch nach zwanzig Jahren die ich diesen Vers kenne und verachte, weiß ich nicht wie der “arme T(h)or geschrieben wird.
30. Januar 2008 um 19:56
Ich glaube dass ich nichts weiß, weiß aber dass ich nichts glaube, auch nicht dass Blogger durch Ufos entführt werden (ein gewisser Textspeier behauptet dies).
30. Januar 2008 um 20:11
@ Jochen Hoff
Mut? Reine Verzweiflung!
@bruZard
Wenn Du Thor wärest, könntest Du wahrscheinlich mit deinem Hammer Mjöllnir Blitze schleudern! Kannst Du?
@Bernd Behrens
Diesem Textspeier habe ich noch nie getraut.
31. Januar 2008 um 3:40
[...] gar nicht hoch genug angerechnet werden. Kaum eine Politikerin gibt sich so gekonnt international der Lächerlichkeit preis wie Ursula von der Leyen. Auf der Unterschriftenliste zur Rettung des Ferkelbuches stehen bereits [...]
31. Januar 2008 um 10:42
Der Grund dafür, dass Kinder religiös erzogen werden müssen liegt doch wohl eher darin, dass man sonst bei der Erziehung vielleicht mal andere Argumente finden müsste, als “wenn du nicht brav bist, kommst du nicht in den Himmel/Nirvana…[insert beliebiges Paradies]“, als in der Tatsache, dass alle Atheisten nicht gesellschaftsfähige Misantrophen sind.
Man kann doch nur mit Hilfe eines Gottes ein guter Mensch sein. Und um selbstbewusst und eigenverantwortlich sein Leben zu meistern braucht man doch göttliche Hilfe. Und das müssen die Kleinsten doch schon lernen, bevor sie auf die Idee kommen, das alles mal in Frage zu stellen. Wo kämen wir denn sonst hin? Sicher in die Hölle!
… Oder?
31. Januar 2008 um 11:29
Trommelschlumpf, wenn es in der Hölle genug Bier und Weiber gibt, warum nicht?
31. Januar 2008 um 11:36
Stimmt! Ausserdem wäre es dann immer warm und es würde nur böse, satanistische Rockmusik laufen… Grundsätzlich toll!
Schade, das ich nicht an sowas wie ne Hölle glaube…
31. Januar 2008 um 21:44
Na, das hat doch geklappt.