Blaues Wunder abgesagt
Ich denke, dass Geschichten schreiben allemal besser ist, als Geschichte zu schreiben, da die Personen, die Geschichte geschrieben haben, zumeist mehr Blut an ihren Händen hatten als mein Cousin Jürgen, und der ist von Berufes wegen Schlachter und meuchelt somit sozusagen in Akkord.
Natürlich bestätigen auch hier mal wieder die Ausnahmen die Regel, wie beispielsweise Ottomar Heinsius von Mayenburg, der in dem einen oder anderen Lexikon sicherlich vollkommen zurecht seinen sonnigen Platz zugeteilt bekam, weil er schließlich die Zahnpasta in Tuben erfand. Doch, so meine Mutmaßung, hat sich Herr von Mayenburg mit dieser durchaus notwendigen, geschichtsträchtigen Schöpfung keineswegs in der Bekanntheitsscala so weit nach oben gepusht, wie etwa der Karthager Hannibal, der Mongole Dschingis Khan oder der Österreicher Adolf Hitler, und ausnahmslos allein mit schnödem Morden und öder Totschlagerei.
Genaugenommen kennt Herrn Ottomar Heinsius von Mayenburg ja so gut wie keine Sau, als bunter Hund ist er maximal nur tiefgrau, genau wie Alexander Cumming, dabei würden wir ohne Herrn Cumming noch immer dreimal täglich tiefe Löcher graben müssen, da Herr Cummings der Erfinder des Wasserklosetts ist. Die Unbekanntheit dieser großen Geister dürfte freilich damit zusammenhängen, dass die Menschen, die Ihresgleichen mannigfach auf ihrem keineswegs medaillenträchtigen Gewissen haben, uns spätestens seit Guido Knopp weit geschichtsbuchtauglicher erscheinen. Hätte von Meyenburgs Zahnpasta in Tuben indessen bei seiner Einführung in Mitteleuropa so um die 300 Millionen Menschenleben gekostet; Ottomar Heinsius von Mayenburg hätte seinen komplizierten Namen für alle Ewigkeit ins kollektive Bewusstsein der Menschheit gemeißelt. Und Guido Knopp hätte seinen von den Medien verliehenen Pokalen noch zig weitere zufügen dürfen, zum Beispiel für die beiden je 90minütigen Dokumentationen „Mayenburg – Angriff auf Karies“ und „Mayenburg – Verbrechen der Paradentose“. Und wir hätten heutezutage möglicherweise ein Riesenproblem mit den verdammten Neozahnpastisten und deren politischen Gegenspielern ANTIZA, und müssten ein Parteienverbot versuchen zu erwirken, was natürlich nicht einfach sein dürfte, da wir, also der Rechtsstaat, mal wieder viel zu viele V-Leute in der NZPD (Neozahnpastaistische Partei Deutschlands) haben würden.
Massenmörder haben nun einmal einen unwahrscheinlichen Sog auf junge Leute, was ich selbst zahnsteinhart bestätigen kann, da ich, als ich noch junger Leut‘ war, um alles in der Welt „Jack, the Ripper“ werden wollte, aber leider keinen Ausbildungsplatz fand. Nein, da schreibe ich doch lieber Geschichten, wie die, in der ich vor kurzem die beiden Begriffe Smegma und Phlegma verwechselte und somit einem fernen Bekannten hinter seinem Rücken einen smegmatischen Charakter andichtete, worauf seine sozialen Kontakte alsbald abrupt korrodierten, schließlich hat niemand gern einen Mann zum Freunde, dessen Wesensart mit einem weiß-gelben Drüsensekret überzogen ist.
Demgegenüber muss ich aber ehrlicherweise zugeben, dass die Geschichte freilich nun auch keinesfalls so gut gelungen ist, dass man nach mir ein Insekt benennen würde, so wie man es jedenfalls mit Jahrtausendarschloch Adolf Hitler hielt, denn nach diesem wurde ein Käfer benannt, Anophthalmus hitleri heißt das ahnungslose Tier, auch wenn meine Gattin mosert, es trüge doch schon längst ein solches Krabbeltier meinen Namen, oder hätte ich etwa noch nie etwas von einem Mistkäfer gehört.
Diese ehefrauliche Bemerkung führte indes dazu, dass ich die Offerte eines gewissen Herrn Rodrigez, welcher mir in einer Email mit der Betreffzeile „Ficken wie ein Weltmeister“ allerlei angeblich die Männlichkeit steigernde Pillen zum Kaufe feil bot, trotz Frühling eiskalt ignorierte. Schließlich, dass hat sie doch gar nicht verdient.
30. März 2008 um 11:12
Nun urteilst du aber etwas vorschnell, kann man doch auch mit Geschichten Geschichte schreiben, denkt man an Homer, Shakespear, Goethe oder Schiller. Nun könnte man vll. sagen, dass auch diese Herrn es nicht ohne Blutvergießen schafften, plätschert in ihren Geschichtchen doch häufig genug davon. Auch Luther, Ghandi und Jesus sind nicht ohne das Rote Wasser berühmt geworden, auch wenn sie es selbst nicht in die Wege leiteten. Dennoch kann es auch ohne gehen, betrachtet man sich Musiker wie Mozart der Beethoven. Im Grunde ist es ja nur wichtig etwas zu bewegen. Dass das mit Panzern und Juden von West nach Ost leichter geht als alle zum Weltfrieden, ist leider ein Manko, dass auf der Wesensart des Sapiens, dem Homo geht.
Trauring aber wahr.
30. März 2008 um 11:22
Geschichte, so wie ich sie auffasse, hat niemals ein Poet oder Komponist geschrieben. Sie haben nur das schmückende Beiwerk geschaffen.
30. März 2008 um 14:11
@Kolumnistenschwein,wie jetzt-schmückendes Beiwerk?
Du willst doch wohl nicht andeuten,dass Poeten und Komponisten,so einige geschichtsträchtige Geschichten mit Lametta ausstatteten?
30. März 2008 um 14:27
Nein, ich will sagen; Geschichte fand statt, Musik und Gedichte waren aber nur Teil dessen.
30. März 2008 um 15:43
Hm..aber Musik und Gedichte,
da machte das eine oder andere doch auch schon Geschichte
31. März 2008 um 9:17
Manche Frauen verwechseln Abszess mit Abseits, das ist dann auch eine schöne Geschichte.
02. April 2008 um 0:50
Ja aber so “Elfmeter” geht doch so sexualtechnisch noch durch, ich meine jedweder 18-Tonner hat doch dieses TÜV-technische Gütesiegel so, like “mainer ist 18m”. Yours, Autobahn, rechts.