Archiv für April 2008

No Problem

Mittwoch, 30. April 2008

Es erregt mich nicht im Geringsten, dass in diesem Jahr Christi Himmelfahrt auf den 1.Mai, oder auch der 1.Mai auf Christi Himmelfahrt fällt, wenn auch die Volksseele darüber kocht, man bringe die Arbeitnehmerschaft doch nur um einen weiteren Feiertag, denn schließlich ist mein Rücken ja eh’ schon vom Arbeiten krumm, da fallen ein paar weitere Tausendstel Bogensekunden Rückgratserpentine sicherlich nur unmerklich ins Gewicht.
Es erregt mich nicht im Geringsten, dass, was man einen Vatertag nennt, da wird gebraut und abgefüllt, erst das Bier, dann die Familienoberhäupter der Nation. Mit Bollerwagen und Billigbräu ins Grüne, armselige, schwankende Gestalten, wie Kriegsflüchtlinge, nur die Wunden: nicht von MG und Flak geschlagen, sondern vom sturzbesoffenen Kumpan. Da und dort bleibt verkrustetes Blut, Mütter orientieren sich daran, und auch am Erbrochenem, um den Stolz der Familie vorm Sonnenuntergang von der Strasse zu lesen.
Es erregt mich nicht im Geringsten, dass ich diesen Tag mit Fenster streichen verbringen werde, denn warum auch bis zur Besinnungslosigkeit besaufen, wo doch, wie die Erfahrungen mich stets peinvoll lehrten, wieder zu Sinnen kommen auch nicht unbedingt das reinste Zuckerschlecken ist.

O sole mio …

Dienstag, 29. April 2008

Sonntag war’s; die Sonne lachte mir über alle Backen ein kräftiges Rot auf die Schultern, ein welches, trüge man es stattdessen im Gesicht, wohl nur allzu schnell Unwissende zur Annahme verleiten könnte, man würde sicherlich, noch weit über das gesunde Maß hinaus, dem an allen Ecken und Enden feilgebotenem Hochprozentigen frönen.
Und dann die Erinnerung, dass man doch als Kind auch niemals einen Sonnenbrand bekam, was sich aber durchaus logisch damit begründen ließe, dass man als Kind doch so ungemein schmalschultrig und spindelbeinig und dazu auch noch so was von nur flink war, dass die Sonne da nimmer die geringste Chance hatte, einen zu erwischen. Wohl auch kein Leichtes, einen Dreikäsehoch – hyperaktiv und dazu unberechenbar wie ein Flummi – über eine Entfernung von circa 150 Millionen Kilometer hinweg mit den überaus dünnen Sonnenstrahlen zu treffen.
Wenn mich aber meine Erinnerung nicht vollkommen narrt, so war ich als Hosenmatz sehr wohl in Frühjahren wie auch nachfolgenden Sommern stets dem intensivsten Sonnenlichte ausgesetzt, alldieweil zumeist mit freiem Oberkörper, was nicht nur Mutters Wäscheberg maximal nur zu einem leichten Hügel anwachsen ließ, sondern den Dreikäsehoch alsbaldig gar nicht mehr so käsig, sondern viel mehr wie den Neffen von Kunta Kinte aussehen ließ. Und je mehr Pigmente in der Haut, umso geschützter ist diese ja auch vor UV, was, wie leider immer wieder vor allem Blicke in den Osten der Republik bestätigen, jammerschade nicht gleichfalls für Schläge gilt.
Mit Quark bestrichenes Leinentuch, so las ich in von vor Gratis-Vorschlägen überquellenden Sonnenallergiker-Foren, solle gegen Sonnenbrand helfen, was ich selbst aber weder bejahen noch verneinen kann, denn den Quark bekam ich ja noch herunter, aber das Leinentuch- igitt!

Das Wort zum Sonntag

Samstag, 26. April 2008

pfaffe.JPGLiebe Brüder und Schwestern,

in der vergangenen Woche kam es in der mich beschäftigenden Firma zu einer jener seltenen Konstellation, welche man wohl am trefflichsten mit der Formulierung, dass Ostern und Weihnachten zusammengefallen wären, leidlich ausreichend punktiert und annähernd korrekt charakterisiert.

Es war nämlich seit geraumer Zeit an meinem Arbeitsplatz, den ich aus Gründen der Diskretion und des reichlich überempfindlichen Reizmagens meines direkten Vorgesetzten nicht näher umschreiben will, an dem, dass meine groben Reinigungswerkzeuge, explizit Besen und Handfeger, seit Jahren unter einem extremen Haarausfall litten, der selbst den meinigen Kreisrunden nur wie ein mildes Fusseln aussehen ließ. Und ein Besen samt Handfeger, denen die Borsten altersbedingt fehlen, sind nichts weiter als mit Griffen versehene Holzscheite und dadurch ihrem eigentlichen Zwecke gemäss nicht mehr einsetzbar. Dass man sie dennoch kurz vor jedem Feierabend versuchsweise zum Reinigen des Arbeitsplatzes nutze, entsprang eher einer alten Gewohnheit, als dem Willen zur hochnotpeinlichen Reinigung des persönlichen Tätigungsbereiches und sollte wohl nur zeigen, dass man durchaus gewillt sei, der Deutschen sprichwörtlichen Sauberkeit und Ordnung tagtäglich kehrend zu bestätigen, es aber im Grunde um einen herum stets so dreckig blieb, als maloche man im tiefsten Frankreich.

Neue Besen kehren ja angeblich ausnehmend gut, meint jedenfalls der noch nie auf den Mund gefallene Volksmund, doch sollte man sich von je her auf Bezug Volksweisheiten eine übertrieben gesunde Skepsis bewahren, denn schließlich sagt das Volk ja auch, dass man Warzen dadurch beseitige, indem man bei Vollmond Schnecken darüber kriechen lässt. Dies ist natürlich der totale wissenschaftliche Humbug, weil man doch seit Urgroßvaters Zeiten weiß, dass solch eine Vorgehensweise, statt bei Warzen, nur bei Erektionsstörungen eine außerordentlich heilende Wirkung hat. Aber selbstverständlich nur, wenn man, statt bei Vollmond eine Schnecke über das betroffene Körperteil kriechen zu lassen, sich im Frühtau zu Berge von einem Königspudel in den Schritt pullern lässt. (Der letzte Satz entbehrt natürlich jeder akademischen Grundlage, ist allein der blumigen Fantasie des Autors entsprungen, welcher somit für eventuelle Nachahmungen nicht mittels unverschämt hoher Abmahnungen belangt werden darf!)

Die neuen Reinigungswerkzeuge indes, welche nun glänzend und jungfernhaft an der Wand in Nähe meines Arbeitplatzes untätig herumlungerten, zeichneten sich nicht nur durch ihre deutlich sichtbare Unverbrauchtheit und Jugend und eine damit verbundene hölzerne Hochnäsigkeit aus, sondern insbesondere auch durch einen knallgelben Aufkleber, welcher den Putzwütigen in Lauerstellung darüber informierte, dass dieser Besen und dieser Handfeger „Von Blinden gefertigt“ sei.

Nun kann sich Jedermann bestimmt vorstellen, dass es gewiss keine einfache Sache ist, mit solcherart Behinderung dergleichen filigranes Werkzeug zu fertigen, insbesondere, wenn man schon blind auf diese zwar nicht immer sehenswerte Welt gekommen ist und somit ja noch nie irgendwelchen Dreck gesehen hat. Andererseits hat eine körperliche Behinderung noch nie im Wege gestanden, wenn es hieß, Gewaltiges zu schaffen. Da wäre beispielsweise Beethoven, der trotz Taubheit komponierte, dass es nur so krachte, aber eben voller zeitloser Melodien und Dutzender gestrichener Quartette. Oder Van Gogh, der trotz abgeschnittenen Ohres gar wunderbare Sonnenblumen malte, was als Leistung mir schon außergewöhnlich bemerkenswert scheint. Mir selbst gelingt es nämlich nicht mal mit zwei Ohren erkennbare Sonnenblumen auf die Leinwand zu bannen; mein Zeichenlehrer sagt jedenfalls immer, meine Blüten sähen aus wie auf dem Platze des Himmlischen Friedens erschossene Chinesen.

Doch bevor ich hier weiter in die Tiefen der Hohen Künste abgleite, nutze ich diese lieber, um mittels dieses Kunstgriffes zum Eigentlichen dieses Texte vorzustoßen, denn des Pudels Kern, das Gelbe vom Ei, oder von mir auch des Pudels Ei, ist doch, die Idee mit den Aufklebern „Von Blinden gefertigt“, als Idee noch weiter zu entwickeln.

Es ist nämlich so, liebe Brüder und Schwestern, dass ich, wenn ich regelmäßig meiner demokratischen Pflicht nachgehe und wähle, schon gerne wüsste, bei welcher Firma „mein“ Abgeordneter eventuell auf der Gehaltsliste steht, denn der Spruch, dass dessen Brot ich ess, ich auch dessen Lieder sing, hat in deutschen Plenarsälen leider nimmer Hausverbot. Oder, um es noch verständlicher zu machen, hier ein Zitat meines Lieblingskabarettisten Georg Schramm:

„Wir könnten mit der Einführung von etwas Wahrhaftigkeit in der Politik demnächst schon beginnen. Wie wäre es mit einer kleinen Änderung der Bundestagsgeschäftsordnung? Ab sofort nennt jeder Redner im Bundestag zu Beginn seiner Wortmeldung nicht nur seinen Namen, sondern auch seine Nebentätigkeiten und Beraterverträge. Die Auflistung geht von der Redezeit ab. Was noch übrig ist, darf er reden. Das würde uns helfen, den tieferen Sinn der Rede besser zu verstehen.“

(Zitat entnommen aus „Lassen Sie es mich so sagen …“ erschienen im Karl Blessing Verlag / ISBN 978-3-89667-348-0)

Indem Sinne ist es mir geradezu unerträglich, dass ein Politiker wie Ex-Innenminister Otto Schily, der dem äußerst spendablen Souverän Wahlvolk doch wohl ein gewisses Maß an Offenheit und Ehrlichkeit schuldet, sich mit Haut und Haaren querstellt, wenn es gilt, seine vielleicht nicht unerheblichen Nebeneinnahmen, so wie es der Gesetzgeber vorgesehen hat, öffentlich zu machen.

Auch wenn es mich nun mächtig in den Fingern juckt, Herrn Georg Schramms so überaus treffliches Zitat nochmals einzufügen, lasse ich es der Abwechslung wegen lieber und weise an dessen korrekterweise darauf hin, dass ja schon im Alten Testament geschrieben stand und steht, dass, wer das Geld liebt, des Geldes nimmer satt wird und keinen Nutzen davon hat. Leider muss man aber wohl davon ausgehen, dass im Hause Otto Schily wahrscheinlich die Bibel durch ein Sparbuch ersetzt wurde.

Wenn nun ein Mann vom politischen Formate eines Schily sich aber weigert, pflichtgemäß offen zulegen, wer im Silberlinge in die weiten Taschen stopft, so wirkt dieses erstens nicht unbedingt katalytisch auf das sowieso schon wahlmüde Volk, wenn es heißt, die Politiker für eine weitere Legislaturperiode demokratisch zu legitimieren. Und zweitens zeugt es nicht gerade von geistiger Größe, was nun wiederum mich darauf brachte, Darwins Abstammungslehre immer im Auge, den obig benannten Aufklebern ähnliche Pedanten herzustellen, und zwar mit dem Aufdruck „Von Idioten gefertigt“. Ich denke, zu bekleben gäbe es in Berlin alldieweil mehr als genug.

Amen.