Quark
Lese ich das Wort “Sonderangebot” in einem der meinen Briefkasten zu oft und zu penetrant penetrierenden Prospekte, so falle ich nicht etwa spontan in einen nie enden wollenden Freudentaumel, sondern zücke leidenschaftslos meinen Taschenrechner um zu beweisen, dass das, was auf den ersten Blick noch wie ein Schnäppchen aussieht, uns schon beim zweiten Hinblicken nur die hässliche Fratze der maximalen Gewinnabschöpfung entgegenstreckt.
Nehmen wir beispielsweise die Gebrüder ALDI, die uns Konsumenten mit einer Preissenkung im Bereich der H-Milch zu beglücken gedachten, was bei genauerem Ermessen aber nur den alten Merksatz bestätigt: Geschenkt ist noch zu teuer.
Natürlich scheint, wo stetig Schmalhans Küchenmeister und der Proteinmangel sein getreuer Küchenjunge ist , der Liter Milch für 61 Cent, statt wie vor wenigen Tagen noch für 73 Cent, wie ein Geschenk eines in Eiweiß gestrichenen Himmels. Da mag sich manch Ausgemergelter zwar in Gedanken schon genussvoll in Vorfreude den Milchbart von der Lippe streichen, doch ist bei genauerem Hinschauen der ersparte Heller hier doch keinen einzigen Pfennig wert. Und um dieses zu beweisen reicht die folgende, gottlob recht einfach nachvollziehende Textaufgabe:
Auf einer Euro-Palette ALDI-H-Milch mit 1-Liter-Packungen (3,5 % Fett) befinden sich haargenau 864 Packungen. Dies macht beim Kauf einer kompletten Palette Vollmilch beim aktuellen Preis von 61 Cent pro Packung gegenüber einem Packungspreis von ehemals 73 Cent eine Gesamtersparnis von 103.68 Euro aus. Und selbstverständlich sind 103,68 Euro heutzutage eine stattliche Summe, für die sich selbst ein Dalai Lama oder auch ein Franjo Pooth gewiss bücken tät, doch heißt es auch hier auf keinen Fall gedankenlos zuzugreifen, sondern mit kühler Ader den vermeintliche Gewinn auf seine Schwachstellen abzuklopfen. Und Schwachstellen hat dieses mutmaßliche Sonderangebot, das es dem Sparer in spe, sofern er diesen Schwachstellen erst einmal beherzt und ohne Furcht ins Auge blickt, schwarz vor den selbigen wird.
Da wäre zuallererst nämlich das Problem, die Palette samt den darauf gestapelten 864 Milchpackungen in die heimischen Gefilde zu bekommen, denn bei einem grob geschätzten Gesamtgewicht von circa 900 Kilo machen Dederonbeutel oder auch Kinderwagen schlichtweg einfach schlapp. Da heißt es dann uneigentlich des vermeintlichen Schnäppchens wegen einen Mietwagen anzuheuern, der beim günstigsten Anbieter momentan als Mercedes-Benz “Sprinter 211 CDI” mit einer Nutzlast von 940 Kilo, einschließlich 100 Km pro Tag, mit 53,35 Euro zu Buche schlägt. Dazu kommen die 5 Euro, die man dem ALDI-Auszubildenden in die Hand drücken muss, weil dieser einem die Palette mit einem Hublader in den Transporter wuchtet, und die 5 Euro, die man dem Nachbarsjungen gleichfalls in die Hand drücken darf, denn 864 Packungen Milch, die tragen sich schließlich nicht allein ins Schlafzimmer. (Dieses ist nämlich der einzig optimale Lagerort für leicht verderbliche Lebensmittel dieser Art in meinem Haus, da dieses Zimmer, wie mir die Initiative “Energiesparen” der landeseigenen Verbraucherzentrale einst tollkühn anriet, nur bei einer Außentemperatur von ab minus 70 Grad Celsius beheizt wird.) Und schon sind von den angeblich gesparten 103,68 Euro nur noch 40,33 Euro übrig, was als Summe zwar immer noch leidlich nennenswert, so dass, wenn sich schon der Dalai Lama nicht mehr danach bücken würde, so doch sicherlich noch Herr Franjo Pooth.
Trotz der Lagerung im ungeheizten Schlafzimmer meldet sich nun aber alsbald auch Problem Nummer 2 zu Wort, denn Milch hat, wie viele andere Dinge des täglichen Bedarfes auch, nur eine zeitlich engbegrenzte Haltbarkeit, was auf einen raschen Verzehr der aus der Kühen Drüsen geraubten Nährflüssigkeit drängt.
Nun ist es aber auch so, dass ich selbst kaum mehr als einen Viertel Liter Milch pro Tag in mich hinein bekomme, die gesamte Palette Milch aber nur ein MHD bis 17.Juli 2008 aufweist, was bedeutet, dass, wenn ich die Palette Milch heute am 22.April 2008 gekauft hätte, ich ab 18.Juli dieses Jahres auf genau 842,25 Liter H-Milch sitzen würde, was immerhin einen Verlust von 513,77 Euro ausmacht, da mir die überm MHD im Schlafzimmer mit dem Tode ringende Milch zu trinken mir dann einfach der Mut und die gesundheitliche Fahrlässigkeit finanzierende Krankenkasse fehlt.
Da sind die ersparten 40,33 Euro dann natürlich nur ein sehr kleines Trostpflaster auf einer offensichtlich sehr großen Wunde. So ist es vielleicht auch sicherlich verzeihlich, dass ich, als der Chef des örtlichen ALDI-Marktes mich heute persönlich darauf hinwies, dass “Milch im Angebot sei“, ich ziemlich grob antwortete:
“Jaja – verarschen kann ich mich auch allein!”
22. April 2008 um 20:36
Warst du damit schon beim Arzt?
23. April 2008 um 8:51
“Ich fahr ja auch lieber mit 100Km/h durch ein Waldstück als mit 50Km/h.
So hat das Reh nämlich auch nur halb soviel Zeit, mir vors Auto zu hüpfen.”
Durch den dadurch evtl. vermiedenen Zusammenstoss spare ich mir sicher mehr als ca. 3000€ im Ø an Reparatur, die ich dann sofort zu den wieder gestiegenen Spritkosten verbuchen kann.
Mal sehen, ob ich die Zeit nochmal halbieren kann, um dem Vieh letztendlich jegliche Chance zu rauben, mein Auto zu verbeulen…
Und nein, das ist keine Milchmädchenrechnung (http://de.wikipedia.org/wiki/Milchm%C3%A4dchenrechnung)
23. April 2008 um 11:57
Aber, aber… Man kann doch aus dem Milchüberschuss so tolle Sachen machen: Joghurt, Quark, Käse und und und… Sogar baden könnte man darin.
Und was das dann für eine immense Ersparnis ist, muss ich glaub ich nicht weiter erläutern. Alleine von den hunderten von Kilos Käse kann man sich monatelang satt essen.
23. April 2008 um 16:13
@Jeyops
Nein, mein Arzt säuft doch nur Bordeaux.
@Flyer
Und wenn das Reh aber gedopt ist?
@Trommelschlumpf
Das ist doch Käse.
23. April 2008 um 18:31
Muss ja nicht _dieses_ eine Reh sein.
Ausserdem kannst du ja immer noch eine andere Strecke fahren…
Denk doch auch mal nach, Mensch! ^^
23. April 2008 um 18:40
Tschuldigung!