Archiv für Mai 2008

Milchmädchenrechnung

Donnerstag, 29. Mai 2008

Ich glaube zu wissen, dass man täglich ein Glas Milch zu sich nehmen sollte, was bei einem angenommenen Glasfassungsvermögen von 200 ml und einer geschätzten Lebenserwartung von 72,8 Jahren einen Milchgesamtverbrauch von ungefähr 5314 Litern Milch pro Mensch ergibt. Außerdem glaube ich gelesen zu haben, dass das tägliche Trinken ebendieses Glases Milch vor dem bösem Dickdarmkrebs schützen soll, dessen wegen immerhin pro Jahr ungefähr 28.000 Deutsche den Sahnelöffel für immer abgeben müssen. Wenn man nun aber dazu erfährt, dass Milchbauern tagtäglich des aktuellen Milchpreispalavers wegen 600.000 Liter Milch vernichten wollen, so ist es doch nicht von der Hand zu weisen, dass diese 600.000 Liter Milch pro Tag wahrscheinlich circa 113 Mitbürgern das Leben kosten dürften, da denen der lebensrettende Stoff quasi vor der blassen Nase in den Gully gekippt wird. Da aber auf unterlassener Hilfeleistung bis zu einem Jahr Freiheitsentzug stehen, kann ich nur mit einer Hand besorgt um den Dreitagemilchbart streichend sagen: Liebe Mitarbeiter der milchproduzierenden Industrie: in eurer Kuhhaut möchte ich nicht stecken.

Abgerechnet wird zum Schluss

Mittwoch, 28. Mai 2008

Da hilft kein mit Brettern vernageln und kein mit auf Raten gekauften Dreisitzern verbarrikadieren: steht mal wieder der eigene Geburtstag vor der Türe, so findet die Zeit doch noch stets ein Schlupfloch, um dem vollkommen vergebens mit den altersschwachen Fäusten schüttelndem Jubilar ein weiteres Jahr unterzujubeln. Und ich gestehe, mir wird mit jedem neuen Geburtstag das Herze enger, denn mit jedem weiteren Lebensjahr kommt man schließlich der Grenze näher, die, sobald man diese erst einmal überschritten hat, keine Rückkehr mehr zulässt zu vollem Haar, schmerzfreiem Bücken und regelmäßigem Vollzug der ehelichen Pflicht. Auch wenn ich dann vermutlich unter Berücksichtigung aller bisherigen Erfahrungen auf Bückerei und Vollzüge jeglicher Fasson verzichten könnte, so hätte ich aber dennoch furchtbar gern ein prächtig volles Haar im vorgerückten Alter, wenn ich ein solches schon den Rest des Lebens nie mein eigen durfte. Natürlich besteht durchaus die Möglichkeit, dass das Gefühl meiner Herzenge auch nur durch eine stinknormale koronare Herzerkrankung ausgelöst wird, was zugegebenermaßen beileibe nicht so theatralisch ist, wie an den Folgen des Entzuges aller Lebenssüße vor die Hunde zu gehen.
Auch auf die sogenannte Alterweisheit bin ich nicht unbedingt erpicht, denn wenn man als alter Sack keinerlei Neigungen mehr zeigt zu Gewalt und zu sexuellem Missbrauch, so ist dieses doch weit weniger einer mit den Jahren gewachsenen Intelligenz geschuldet, als viel mehr der Tatsache, dass Osteoporose, Asthma und von Diabetes zerfressene Füße solcher Art Unternehmungen von Anfang an zu einem persönlichen Waterloo werden lassen. Diese zugegebenermaßen unbewiesene Aussage lässt vermuten, dass Bundespräsident Köhler nur Everybody’s Darling ist, weil er sich körperlich rein gar nichts anderes mehr leisten kann.
Auch wenn das Gesagte ausnahmslos nicht dazu taugt, einem zu einem möglichst langen Leben zu inspirieren, so bin ich dessen ungeachtet gewillt, nicht vor meiner Zeit den Löffel abzugeben, auch wenn dieser einem nur noch wie pure Galle schmeckt. Schließlich las ich heute in der Zeitung, dass ein 69jähriger Rentner, wenn auch sicherlich sehr langsam, so aber dennoch Amok lief und sich danach auch gleich erschoss, was immerhin einen, wenn auch äußerst schwachen Hoffnungsschimmer in die überaus schummerige Zukunft meines Daseins malte. Weil dieses mir ganz deutlich offenbarte: würdevolles Sterben ist, allen gesellschaftlichen Diskussionen zum Trotze, keine Illusion.

Irrland

Montag, 26. Mai 2008

Ich weiß nicht, ob der Vorsitzende des CDU-nahen Studentenverbands RCDS, Gottfried Ludewig, ein sogenannter Entsprungener ist, also ein Insasse der geschlossenen Abteilung eines Klinikums für Psychiatrie, der den Tag der offenen Tür offensichtlich dazu nutzte, um seine geistige Umnachtung außerhalb der Gummizelle durch wirre Reden ins öffentliche Licht zu rücken. Jedoch lässt sein Vorschlag, Hart4-Empfängern und Rentnern das Wahlrecht zu halbieren, nur das Allerschlimmste vermuten. Auch wenn ich natürlich nachvollziehen kann, dass ihm und seinen reaktionären Spießgesellen der Arsch gründlich auf Grundeis geht, angesichts einer durch die soziale Ungerechtigkeit im Lande hervorgebrachten möglichen linken Mehrheit: da kann man als Konservativer vor lauter Knieschlottern schon mal durchdrehen. Doch gerade in so einem bedenkenswerten Zustand ist es doch am allerwenigsten anzuraten, die Demokratie durch solch miese Winkelzüge auszuhebeln, denn ganz, ganz schnell wird aus einer Demokratie, in der man sich auf diese Art und Weise politische Pfründe zu sichern versucht, eine neue Diktatur. Denn Diktaturen zeichnen sich ja schließlich dadurch aus, dass das Wählerrecht eingeschränkt wird. Und Diktaturen haben eben auch, so zeigt gerade ein Blick in die Deutsche Geschichte, nicht immer ein glückliches Händchen für geistig Pflegefälle. In diesem Sinne, werter Herr Ludewig, von meiner Seite gute Besserung!

(via Spiegelfechter)