Yesterday
Texte schreiben ist nur die eine Seite einer Medaille, die andere, diese Texte auch so vorzutragen, dass der geneigte Zuhörer wenigsten von sich behaupten kann, den vorgelesenen Text, wenn schon nicht auf Grund der beinhalteten Schachtelsätze im vollkommenen Sinne, so doch aber immerhin auf Basis einer überdeutlichen Aussprache im Wortlaut verstanden zu haben.
Denn während man beim Schreiben geradezu träumerisch einfach den eigenen derben Dialekt und die durch eine schiefe Nasenscheidewand deformierte Modulation großräumig umschiffen kann, sind dies bei einer Lesung die aus der gespannte Ruhe herausragenden Klippen, auf denen Text um Text aufläuft, um daran in Buchstaben und Satzfetzen zerschmettert zu werden. Eine groteske Vorstellung: man wird nicht nur wegen allzu feuchter Artikulation, sondern zu allem Übel auch babylonischer Unverständlichkeit, vom eigenen Text durch die Bretter, die dem Künstler doch die Welt bedeuten sollten, ohne Narkose und Splitterweste einfach so hindurch gedübelt.
Selbstverständlich könnte man nun darauf hinweisen, dass man als Versager ja kein Einzelfall sei, denn schließlich machen wiewohl unzählige Menschen in Politik und Wirtschaft den großen Macker, obwohl ihre Fähigkeiten bei objektiver Betrachtung doch gerade einmal für ehrenamtliche Mithilfe im Wahlbüro oder für Kugel-Eis verkaufen ausreichen dürften. Von den Horden von mit Unmengen Selbstbewusstsein vergifteter Teenager ganz zu schweigen, die die Türen einer jeden Casting-Show einrennen, ganz gleich ob nun wieder mal ein schwuler Sonderling mit Honig im Haar und Gel in der Stimme gesucht wird, oder einfach nur um Haaresbreite an der vollendeten Idiotie vorbei gewachsene Jungmenschen, um diese Trauergestalten für die Einschaltquote zu verheizen, auf das sich der Zuschauer seine kalte Seele am lichterlohen Feuer der Schadenfreude erwärme.
Wenngleich auch meine Gattin tröstend einwirft, dass doch kein Mensch perfekt sei und auch ein Handicap wie Dialekt und zerkloppte Nasenscheidewand nicht immer Argument für suizidales Verhalten sein müssen. So hätte erst heute in der Zeitung gestanden, dass ein Schwede seine Frau zur Prostitution anbot, dabei sei diese doch sogar behindert, was doch wohl immerhin beweise, dass selbst B-Ware gewiss seinen Käufer findet.
Gleichwohl bleibt letztendlich der Eindruck, dass die gestrige Lesung der Thüringer Bloggemeinde ein tolles Erlebnis war und alle Mitwirkenden bis in die Haarspitzen motiviert und mit wunderbaren Texten ausgestattet. Selbst der unfreiwillige Versprecher von Herrn Pulsiv, welcher statt einen Ventilator einen Vibrator ins textliche Gefüge einbrachte, war jedes Ohr im Saale wert, und, jetzt mal unter vier Augen: es machte meinen Schenkeln ein herzhaftes Rot vom noch Nächtlichen darauf schlagen.
Und mir bleibt dessen ungeachtet ja die Hoffnung, wenn ich schon nicht der Pavarotti der Vortragskünste sein kann, so könnte ich ja immer noch ehrenamtlich im Wahlbüro aushelfen, oder, falls alle Dämme brechen sollten, wenigstens Kugel-Eis verkaufen.
Anmerkung: Links (Kritiken) zur Lesung werden nach und nach hier angefügt:
Smikey Pulsiv Robby Subnetmask Pestkrause nouseforaname TBZ Basti
17. Mai 2008 um 10:03
Und? Haste die Mitschaft hinter dir gelassen oder war der Vibrator unschlagbar?
(Zumindest hats ihm im Bekanntheitsgrad geholfenm hab ihn mal geaddet)
17. Mai 2008 um 10:36
Wir sind, dem olympischen Gedanken zutiefst verpflichtet, Hand in Hand im Ziel angekommen.
Aber: Vibratoren schlägt man nie! Außer, die Batterien sind alle …
17. Mai 2008 um 10:40
Herzlichen Dank für Dein Kommen. Vielleicht sollten wir mal eine Lesung mit ausgegebenen Stichwörtern machen und jeder baut dazu einen Artikel mit max. X Wörtern (0
17. Mai 2008 um 10:54
Es ist eher an mir zu danken. Ihr hattet immerhin beträchtlichen Aufwand. Die Idee mit den Stichworten finde ich genial. Ich denke, das brächte eine Menge Spass. Mal nicht aus dem Auge verlieren!
17. Mai 2008 um 12:53
ja moin alter mann!
ich weiß jetz wieder, wie das zu dem bösen ventilator-verdreher kam…
http://www.neubaublog.de/?p=1151
mit nem vibrator kann man AUCH “ne menge wind machen”…
17. Mai 2008 um 13:34
Lesungen sind doch immer wieder eine schöne Sache.
Wo gibt’s Videomitschnitte?
17. Mai 2008 um 15:05
Videomitschnitte? Mal abwarten. Ein paar ganz normale Schnittchen hätten mir schon gereicht!
17. Mai 2008 um 15:55
[...] Blogger Kolumnistenschwein pulsiv [...]
17. Mai 2008 um 16:40
Geil. Kreativität, durchrasst mit relativer Intelligenz, – das wird mehr und mehr zu einem Inseltum leider.
>
Karotte
Giraffe
Hufschweiss
Opel
Chefsessel
Rolladen
MarsRiegel
Schfreumisch ey;-)))
17. Mai 2008 um 20:20
Mensch, ich wollte dich noch um n Autogramm anhauen. Verdammt, diese Schüchternheit. Beim nächsten Mal aber ganz bestimmt.
http://pestkrause.blog.de/2008/05/17/2-thuringer-bloglesung-ein-ruckblick-4186878
17. Mai 2008 um 20:40
Mensch, Krause: wie kommst Du nur darauf, dass ich schreiben könnte?! Also so ganz ohne Blog …
17. Mai 2008 um 20:46
na super… jetz weiß ich immer noch nich, wie die pest aussieht… hat die jetzt beulen oder nicht?
18. Mai 2008 um 8:33
Heißt es denn nicht “Schwarze Pest”? Muß doch ‘nen Grund haben!
18. Mai 2008 um 9:17
Die Kunde von Deinem Auftritt drang bis in die Hauptstadt. Genauer: Blogfreunde villa50 und phillipp berichteten mir von der Lesung und dem Gespräch mit Dir. Dass ich selbst der Veranstaltung fernblieb, möchte ich lieber mit einer etwas angeschlagenen Gesundheit als mit den Kosten für die Bahnfahrkarte begründen. Hört sich einfach besser an. Und (ehrlich!) ich wäre wirklich gerne dort gewesen.
Nun zu obigem Blog-Eintrag: Von vorauseilendem Gehorsam (widerlich!) hatte ich ja schon gehört, aber vorauseilende (?) Selbstkritik von so herber Art ist ja herzzerreißend. Deshalb zu Deiner (hoffentlichen) Erbauung dies: Nach allem, was ich bisher von Dir gelesen habe, fände ich Dich, wäre Dein Vortrag exzellent gewesen, absolut unausstehlich. Wer soll denn das aushalten? So jemanden könnte ich überhaupt nicht leiden. Das wäre ja, als hätte Pavarotti die Arien nicht nur gesungen sondern auch komponiert.
So aber werde ich Dich mit großem Vergnügen weiterhin lesen.
Grüße aus Berlin…
bitte auch an die Gattin! Möge sie Dir weiterhin tröstend zur Seite stehen.
cuenta…….
18. Mai 2008 um 9:34
Kolumnistenschwein,
Du hast da wirklich dran teilgenommen an der Lesung?
Ich bin verwundert,Du kommst doch sonst mit dem Hintern nie hoch vom Sofa,es sei denn ein Toilettengang ist erforderlich.
18. Mai 2008 um 12:10
SUMMA SUMMARUM
ein Malocher der schreiben kann, es besteht Hoffnung auf Besserung.
18. Mai 2008 um 14:18
@cuentacuentos
Im Übrigen würde ein wenig mehr Selbstkritik dieser Republik sehr gut zu Gesicht stehen.
Ich hatte noch nie Probleme damit, meine eigenen Schwächen ans Schwarze Brett zu hängen. Außerdem, es ist ja ein Satireblog
@Mo
Wer sagt, dass ich zum Toilettengang vom Sofa aufstehe?!
@Mirko
Du bist Optimist, oder?
18. Mai 2008 um 18:19
Peinlich peinlich,
Als die Reihenfolge der Vortragenden festgelegt wurde und als der Textspeier als erster seine Nummer hatte und vor sich hin murmelte “ich wieder grummel grummel…” sagte ich zu ihm “Damit die Leute auch alle bis zum Schluss bleiben…”, und dachte dabei, daß er als letzter lesen sollte. Er wäre dann also der krönende Abschluß gewesen, das Highlight des Abends.
Aber dem war eben nicht so. Der Herr Textspeier durfte gleich als erstes lesen – und so mussten meine Worte wohl wie Hohn und Spott geklungen haben. Waren aber definitiv nicht so gemeint.
Hiermit krieche ich also nachträglich zu Kreuze.
Danke für den Auftritt.
18. Mai 2008 um 18:34
Erst wollten tatsächlich einige Leute von mir ein Autogramm. Nun beginnen sie, sich auch noch zu entschuldigen! WO SOLL DAS NOCH HINFÜHREN?!
Es sei Dir aber verziehen. Aber dass mir so etwas nie wieder vorkommt!
19. Mai 2008 um 8:41
[...] ging es los mit dem textspeier bzw. dem Kolumnistenschwein. Eine schöne Anleitung, wie man mit Bonzen, nervenden Ehefrauen und gelben Blumen umzugehen hat. [...]
19. Mai 2008 um 8:47
schön, dass du auch gekommen bist. wollte dich schon immer mal live hörn. sprachkurse gibts übrigens überall in jena. demnächst gibts hier auch n vortrag irgendwo über die kultur des dialekts, falls es dir noch pickel bereiten solllte. war sehr lustig auf jeden fall. danke
.
19. Mai 2008 um 12:35
[...] Textspeier jedenfalls fand, dass unsere Bloglesung “ein tolles Erlebnis war und alle Mitwirkenden bis in die Haarspitzen [...]
19. Mai 2008 um 13:15
das mit dem trackback ist kein problem, lothar,
aber an deiner seite müßtest du aber nochmal irgendwas machen. irgendwie hängen sich sämtliche browser auf, wenn ich auf deinem blog bin. hast du ein schlimmes statistik-tool installiert?
)
19. Mai 2008 um 15:24
@sapere aude
Kann ich jetzt auch irgendwie nicht nachvollziehen, da Du der Erste bist, der diese Probleme zur Sprache bringt …
Keine Ahnung. Hat doch Jojo alles installiert
19. Mai 2008 um 20:27
http://www.blog.de/media/photo/die_bloglesung/2537924