Abgerechnet wird zum Schluss
Da hilft kein mit Brettern vernageln und kein mit auf Raten gekauften Dreisitzern verbarrikadieren: steht mal wieder der eigene Geburtstag vor der Türe, so findet die Zeit doch noch stets ein Schlupfloch, um dem vollkommen vergebens mit den altersschwachen Fäusten schüttelndem Jubilar ein weiteres Jahr unterzujubeln. Und ich gestehe, mir wird mit jedem neuen Geburtstag das Herze enger, denn mit jedem weiteren Lebensjahr kommt man schließlich der Grenze näher, die, sobald man diese erst einmal überschritten hat, keine Rückkehr mehr zulässt zu vollem Haar, schmerzfreiem Bücken und regelmäßigem Vollzug der ehelichen Pflicht. Auch wenn ich dann vermutlich unter Berücksichtigung aller bisherigen Erfahrungen auf Bückerei und Vollzüge jeglicher Fasson verzichten könnte, so hätte ich aber dennoch furchtbar gern ein prächtig volles Haar im vorgerückten Alter, wenn ich ein solches schon den Rest des Lebens nie mein eigen durfte. Natürlich besteht durchaus die Möglichkeit, dass das Gefühl meiner Herzenge auch nur durch eine stinknormale koronare Herzerkrankung ausgelöst wird, was zugegebenermaßen beileibe nicht so theatralisch ist, wie an den Folgen des Entzuges aller Lebenssüße vor die Hunde zu gehen.
Auch auf die sogenannte Alterweisheit bin ich nicht unbedingt erpicht, denn wenn man als alter Sack keinerlei Neigungen mehr zeigt zu Gewalt und zu sexuellem Missbrauch, so ist dieses doch weit weniger einer mit den Jahren gewachsenen Intelligenz geschuldet, als viel mehr der Tatsache, dass Osteoporose, Asthma und von Diabetes zerfressene Füße solcher Art Unternehmungen von Anfang an zu einem persönlichen Waterloo werden lassen. Diese zugegebenermaßen unbewiesene Aussage lässt vermuten, dass Bundespräsident Köhler nur Everybody’s Darling ist, weil er sich körperlich rein gar nichts anderes mehr leisten kann.
Auch wenn das Gesagte ausnahmslos nicht dazu taugt, einem zu einem möglichst langen Leben zu inspirieren, so bin ich dessen ungeachtet gewillt, nicht vor meiner Zeit den Löffel abzugeben, auch wenn dieser einem nur noch wie pure Galle schmeckt. Schließlich las ich heute in der Zeitung, dass ein 69jähriger Rentner, wenn auch sicherlich sehr langsam, so aber dennoch Amok lief und sich danach auch gleich erschoss, was immerhin einen, wenn auch äußerst schwachen Hoffnungsschimmer in die überaus schummerige Zukunft meines Daseins malte. Weil dieses mir ganz deutlich offenbarte: würdevolles Sterben ist, allen gesellschaftlichen Diskussionen zum Trotze, keine Illusion.
29. Mai 2008 um 17:50
Auch ich vermeine von Zeit zu Zeit den kühlen Anhauch von Gevatter Tod zu spüren, wenn es auch sein kann, daß es mir nur an der Glatze zieht. Ich aber habe für mich festgelegt, daß wenn ich schon sterben muß, was gänzlich außer Frage steht, und mir meiner gichtgeplagten Finger wegen noch nicht einmal das Wichsen noch Freude zu bereiten vermag, ich mich dennoch nicht ins Boxhorn jagen lassen will und schon aus schierer Boshaftigkeit so alt werden will wie es nur eben geht. Klammheimlich freue ich mich sogar schon darauf, der künftigen Genration ob meiner haltlosen Rentenansprüche wegen das Leben schwer zu machen und jungen Krankenpflegerinnen altersgeil nachzustellen.
PS: Herzlichen Glückwunsch. Oder besser: Prost.
29. Mai 2008 um 19:44
Ich glaube, es würden verdammt viele Leute verdammt froh sein, wenn wir zwei um Gottes Willen niemals alt werden!
30. Mai 2008 um 11:47
Amen!
30. Mai 2008 um 22:33
Ich merke, hier schreibt einer, der mich versteht, und darauf darfst Du Dir etwas einbilden, bist Du doch im Verhältnis zu mir ein junger Spunt.
Jedenfalls wünsche ich Dir, dass Dir die Energie zum Amoklauf bis ins hohe Alter erhalten bleibt. Ich halte ja bereits nach Rolatoren mit Kamikaze-Eignung Ausschau.
Warum eigentlich sehe ich immer nur Frauen, die sich einer solchen Gehhilfe bedienen? Haben wir es nötiger? Haben wir uns das durch das Tragen unbequemen Schuhwerks selbst eingebrockt?
Andererseits… vielleicht ist ja die Gnade des volleren Haupthaares nur dem Umstand zu danken, dass wir die Altersproblematik, unserer naturgewollten Hüftlastigkeit Rechnung tragend, unter die Gürtellinie verlagert haben.
Verständnisinnige Grüße
cuenta…….
31. Mai 2008 um 8:08
Wenn die Bezeichnung “junger Spunt” bis zu einem Alter von 50 als durchaus gesellschaftsfähig anerkannt wird: ja, dann bin ich wohl einer.
01. Juni 2008 um 11:20
Ja gibt’s denn hier keine Altersbeschränkung??? FSK bis 50? Ich meine sonst wird öh man ja noch totalverdorben hier!!
Ich war echt erschreckt, so als junger 46jähriger Naivunbedarfter ey.
VERDERBT DIE JUGEND NUR WEITER HIER, NUR IMMER WEITER SO !!!
ICH HETZ’ EUCH DAS JUGENDAMT AUF’N HALS !!!!!
01. Juni 2008 um 13:44
Kolumnistenschwein,
mag sein,dass Du ein “junger Spunt” bist.
Aber gestatte mir die Anmerkung:
Du bist manchmal (immer wage ich nicht zu schreiben,da ich Dich nicht persönlich kenne) aber absolut greise in Deinen Ansichten.
01. Juni 2008 um 16:37
Fragt sich nur, ob meine gedankliche “Vergreisung” nun Altersweisheit oder Altersschwachsinn genannt werden muss.
01. Juni 2008 um 20:32
@Mo
Dasdas ist ja GreisenMobbing das.
Das sagt meine Pflegerin auch.
Und die hat immer recht, naja, – auch wenn die mich festschnallt am Abend.
Und mir morgens(ich bin Ihr so dankbar) die Bettpfanne unter’m Hintern wegtut, – also auch wenn mal so 2 Tage Feiertag war mit einem “Weekend”(wie diese jungen Leute sagen) dazwischen.