Archiv für Mai 2008

Ein Königreich für eine Tüte Spaß!

Sonntag, 25. Mai 2008

Gedankliche Haarspalterei ist ein Zeitvertreib, der Mangels Zeit in mir so gut wie ausgetrieben, dennoch nehme ich mir ein paar meiner wenigen mir zur freien Verfügung stehenden Minuten, um mit luftiger Zunge darauf zu verweisen, dass mir die Seite-1-Meldung eines Teils der „Regenbogenpresse“ als über alle Maßen unlogisch erscheint, da man mir in dieser verkündete, „Charles würde sich heimlich mit einer jüngeren Frau treffen“.
Denn, so frage ich jetzt einfach mal ins Blaue hinein, wie kann etwas noch heimlich sein, wenn es im Zeitschriftenregal zwischen Dreck und Schund aller Art von Hinz und Kunz zur Kenntnis genommen werden darf!? Heimlich sind doch nur derartige Verhaltensweisen, wie beispielsweise um drei Uhr nachts als Alleinlebender ungesunde Dinge direkt aus dem Kühlschrank von der Hand in den Mund in sich hineinzustopfen. Oder in augenscheinlich verwaisten Bushaltestellenhäuschen weit abgelegener sächsischer Ortschaften vor verwitterten H&M-Dessous-Werbeplakaten zu onanieren. Wenn dann aber am nächsten Tag in BILD der dumpfen Masse ein Foto vom wichsenden Sachsen als Nachricht des Tages offeriert wird, so ist es eben mitnichten mehr heimlich, sondern so öffentlich wie ARD und ZDF und die zahlreichen Marktplätze unserer Republik. Selbstverständlich braucht dann der Mann, der seinen niederen Gefühlen in der drögen Wartezeit auf den Donnerstagsbus freien Lauf ließ, nun ein verdammt dickes Fell, denn es liegt wirklich nicht jedem, Schwarz auf Weiß mit Schwanz in der Hand in den Auslagen eines jeden Kiosk bundesweit auszuliegen. Besonders wenn Mutti trotz vorgerückten Alters auf ihre nachmittäglichen Spaziergänge durch die kleinstädtische, mit Kiosken gespickte Flaniermeile besteht. Nicht jeder verkraftet es, ein Marktplatz zu sein.
Mich interessiert es eigentlich auch überhaupt nicht, ob Prinz Charles unter Umständen seiner jungen Gärtnerin seinen Rosenstock zeigte, wissbegierig bin ich allein darauf, wer sein Geld so leicht verdient, um es für solcherart Zeitschriften aus dem finanziellen Fenster zu werfen. Eine Illustrierte, die außerdem auf Seite 5 darüber berichtet, dass „Katerina Jacob sich schwer verletzte, weil ihre Handtasche zu groß war“, auf Seite 8 kundtut, dass „Prinz Joachim schon vor der Heirat an Scheidung denke“, und auf Seite 60 gar, dass „Henning Krautmachers Frau ihn ohne Bart nicht mehr erkennen würde“, wird ja schließlich nicht allein dadurch wertvoller, nur weil für diesen Käse irgendein Stück Regenwald abgeholzt wurde. Und ob es einen Eukalyptusbaum stolz macht, wenn er erfährt, dass aus ihm mal ein Titelblatt mit Camillas Konterfei werden wird, mag grundsätzlich bezweifelt werden, was aber nichts mit dessen doch eher hölzernen Charakter zu tun haben dürfte. Mir selbst ist der Gedanke, mir würde Camilla auf den Rücken tätowiert, auch nicht unbedingt geheuer, dabei würde ich sie ja dann nicht einmal sehen!
Man muss aber wahrscheinlich auch leider anerkennen, dass die in literarischer Gosse dahinvegetierenden Schmierfinken sich nur dem Willen des Volksanteiles mit ottonormalem Blutbild beugen, welcher irgendwie ganz verrückt darauf scheint, Woche für Woche die Bremsspuren in den Schlüpfern von Blaublütigen doppelseitig in unzähligen kleinen, in fremdem Schmutz wühlenden Drecksblättern präsentiert zu bekommen. Dies beruhigt mich andererseits ungemein, da es, wenn ich mich mit einer jüngeren Frau treffen würde, es allenfalls den Scheidungsanwalt meiner Gattin interessieren tät. Betreffs jüngere Frauen bin ich aber nur so etwas wie ein Denkfreier. Also einer, der nur in Gedanken in den Puff geht. Und meine schmutzige Wäsche würde dann im allerschlimmsten Falle nur durch die Nachbarschaft gereicht. Und für einen Ehrenplatz neben Charles und Camilla auf dem Titelblatt der Zeitschrift „Viel Spaß“ würde solch ein miserabler Bekanntheitsgrad natürlich nicht ausreichen. Vielleicht ist denen ja auch mein Leben einfach nur nicht spaßig genug.

PS: Ich kenne weder Katerina Jacob, noch einen Prinz Joachim und auch keinen Hennig Krautmacher? Muss ich mir Sorgen machen?

Hirnfick

Freitag, 23. Mai 2008

Ich bin mir keinesfalls sicher, ob ich den Begriff „Freigeist“ auf meine Person anwenden darf, denn wenn die aktuelle Hirnforschung mit ihren Erkenntnissen den Nagel auf den Kopf getroffen hat, so scheint ein freier Geist doch ziemlich abwegig. Schließlich fanden die Hirnklempner angeblich heraus, dass das, von dem man annimmt, das man es will, dieses im Hirn längst entschieden wurde, bevor der Wunsch selbst einem überhaupt bewusst ist. Was im Detail bedeute, dass, wenn ich denke, dass ich mit der üppig ausgestatteten Brünetten auf der gegenüberliegenden Straßenseite gerne mal so Dinge machen würde, die man als gesunder Mann mit üppig ausgestatteten Brünetten halt gerne mal so macht, mein Unterbewusstsein dann schon längst einen Ständer hat.
Doch selbst wenn dieser Erkenntnisstand Philosophen und anderen Denksportlern die Stirne runzelig werden lassen: im Alltag sollte uns diese Problematik nicht weiter bange machen, denn wenn die Brünette nur willig genug ist, so könnten mein „Ich“ und mein Unterbewusstsein sich ja in die Dame rein teilen, was immerhin auch endlich den Beweis brächte, dass Freude sich, im Gegensatz zu Leid, doppelt, wenn man sie halbiert.
Wenn dagegen mit „Freigeist“ ein Mensch bezeichnet wird, der seine Gedanken nicht immer pfeilgerade nach dem politisch mustergültigen Meinungsgefälle ausrichtet, so dürfte man mir diese Bezeichnung frei weg als Adjektiv in all meine Personaldokumente stempeln.
So habe ich zum Beispiel überhaupt keine Probleme damit, mir den Dalai Lama dabei vorzustellen, wir er bei offiziellen Anlässen am Kalten Büffet drängelt, um sich dort das größte Stück vom Kuchen zu sichern, und dann auch noch mit vollem Mund über andere Mönche lästert. Ich kann mir grundsätzlich nämlich überhaupt keinen Menschen ausmalen, der moralisch so gefestigt ist, dass er bei Schwarzwälder Kirschtorte noch in der Lage ist, seine von der Religion verordneten Menschenliebe auszuleben, wenn sein Glucosespiegel in ihm wilder Mann spielt. Und ärmellose Gewänder sind ja quasi als Einstiegsdroge zur Tortengrapscherei anzusehen, denn da macht man sich ja garantiert keine Ärmel bei schmutzig. Wer sich dagegen im langärmeligen Smoking ans Kalte Büffet stürzt, der sieht doch schon bei noch nicht einmal halbvollem Teller aus wie Neapel nach 3 Monaten Müllfahrerstreik.
Und frei gedacht heißt auch zu denken, dass man, wenn man schon ständig den Dalai Lama auf allen Kanälen vor die Kamera geschoben bekommt, einmal darauf zu achten, wer da überhaupt schiebt und warum. Ein freies Tibet mag für die Tibeter momentan als durchaus erstrebenswert gelten. Doch selbiges dachten die meisten Ostdeutschen auch einmal über Ostdeutschland. Und nun sind sie zwar frei wie der Wind, aber eben auch genauso mittellos.
Gutes wie Schlechtes liegen nun einmal so eng beieinander wie Limburger und Esrom im Käseregal. So bin ich selbst durchaus fähig, allmorgendlich klitzekleine Spinnen aus der Ausweglosigkeit meines Arbeitsbehälters zu retten, um nur Stunden später die leckersten Fleischstücke eines von Menschen gemeuchelten Rindviechs zu verzehren. Aber von einer Formel, wie viel gerettete Spinnen ein erschlagenes Rind aufwiegen, habe ich dem Ethiklehrbuch meiner Tochter bis dato noch nichts gelesen. Andererseits bin ich wiederum natürlich auch so frei im Denken, dass ich mir dann kauend sage: ob ich es nun auf fresse oder auch nicht: sterben muss ja eh‘. Und „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.„ ist dem Kästner doch auch nur in den Sinn gekommen, weil sich auf Böses nur so verdammt wenig reimt. (Letztere Aussage steht zwar in keinerlei Kontext zu den vorherigen Sätzen, aber ich konnte der günstigen Gelegenheit einfach nicht wiederstehen, dieses endlich einmal zu erwähnen!) Außerdem, Hirnforschung sei Dank, bin ich ja auch gar nicht schuld an meiner Fleischeslust in Bezug auf saftige Steaks, sondern mein heimlich am Ruder stehendes Unterbewusstsein.
Und vielleicht steht Freidenker ja auch nur für „vom Denken befreit“, was immerhin in diesem Lande so einiges erklären würde. Oder wie ist es ansonsten zu verstehen, dass Gehirnerschütterungen zu den aussterbenden Krankheiten in Deutschland gehören?! Dies ist zwar auch bloß von mir erdacht, aber, ich bin halt mal so frei.

Das Wort zum Sonntag

Sonntag, 18. Mai 2008

pfaffe.JPGAn sich empfinde ich den Gedanken, dass es so etwas wie einen Schöpfer geben könnte, keinesfalls als unangenehm, schließlich erleichtert diese Idee es einem doch ungemein, einen Verantwortlichen für das Drama Mensch zu benennen. Außerdem hätte ich dann wohl endlich so etwas wie eine Adresse, um meine gedanklichen Beschwerdebriefe nicht immer im esoterischen Nebel verschwinden zu sehen. Da würde ich dem Allmächtigen nämlich gerne einmal Bescheid stoßen, dass er den Bauplan für die Gattung Mensch entweder falsch gelesen, oder aber, was meiner Meinung nach weit eher zutreffen dürfte, er gar keinen Bauplan hatte. Und wer aufs Geradewohl an seiner Schöpfung herumbastelt, der sollte sich wirklich nicht hinterher wundern, wenn das, was doch wahrscheinlich DER große Wurf werden sollte, nicht einmal eine TÜV-Plakette erhält.
Nehmen wir zum Beispiel die menschlichen Emotionen. Da fallen Fußballfans einander um den mit bunten Schals behangenen Hals, brechen in wahre Sturzbäche von Tränen aus, nur weil ihr Verein auf Grund mangelnder fußballerischer Fähigkeiten in eine niedere Liga absteigen muss. Doch, liebe Freunde von Brot und Spielen, ihr habt doch gar keinen Grund zu Trübsal und Verdruss, denn es wird sich doch auch in der kommenden Saison reinweg gar nichts für euch ändern: ihr werdet weiterhin Jahr für Jahr mit einem neuen Vereinsshirt abgezockt, und wenn euren Lieblingsspieler ein andere Verein mit einem noch fetteren Scheck auf den doch angeblich so verhassten gegnerischen Rasen lockt, so werdet ihr beileibe nicht der Beton sein, den seine Moral nun dringendst bräuchte, um dem Mammon gegenüber Bestand zu haben. Euer mannhafter Verein sieht es sicherlich auch nicht gern, wenn ihr vorm Stadion weibisch weint, außer, sie würden eventuell eine Möglichkeit finden, auch noch eure Tränenflüssigkeit zu Kohle zu machen.
Und dann das ganze Geheule bei den DSDS-Finalisten, als würden die meisten Teilnehmer instinktiv schon erahnen, dass sie spätestens in ein, zwei Jahren bei Möbelhauseröffnungen singen, oder ins Dschungelcamp gehen, oder in irgendeiner anderen Deppenveranstaltung den Protagonisten geben müssen, da sie ansonsten wieder dahin gehen dürfen, wo sie einst herkamen: in die ach so breiige Namenlosigkeit der Masse. Sie sind dann nur noch um ihre zerbröselnde Persönlichkeit trällernde Zombies. Alle Selbstachtung, die hat der Bohlen ihnen längst ausgesaugt.
(Anzumerken sei hierbei vielleicht, dass Bohlen gegenüber den Fußballvereinen den finanziellen Bogen raus hat, und die Tränen sehr wohl in harte Währung zu wandeln weiß!)
Dabei gibt es so viele Gegebenheiten, die unsere Tränen sehr wohl wert wären, wie da zum Beispiel der brandaktuelle Armutsbericht, der uns Schwarz auf Weiß bestätigt, was jede vierte Hausfrau beim Einkauf Tag für Tag aufs Neue zu spüren bekommt: der Gürtel, den es seit Jahren enger zu schnallen galt, ist längst zur Schlinge um den Arbeitnehmerhals geworden. Und die Einkommensschere, die in Deutschland immer weiter auseinander klafft, ist nicht einmal dazu nutze, um die Hungerleider damit vom absteigenden Ast zu schneiden.
Man sollte allerdings nicht erwarten, dass der Boden des Deutschen Bundestages jemals von den Tränen eines Pofalla, eines Westerwelle, oder wie die vermeintlichen Krankheitserreger einer einstmals halbwegs gesunden sozialen Marktwirtschaft auch alle heißen mögen, wiederglänzen sollte, denn um den sozialpolitischen Niedergang einer ganzen Republik zu beweinen, da braucht es eine Moral, ein soziales Gewissen. Bei diesen Leuten aber kann man sich ziemlich sicher sein, dass sie das Pferd, welches sie bis zum Umfallen vor ihren Karren spannten, auch schon bei der geringsten Schwäche zum Abdecker bringen, um dann auch noch das räudige Fell zu verkaufen. SO etwas sollte uns zum Heulen bringen, und nicht etwa erwachsene Männer in kurzen Hosen und von Anbeginn ihrer Sangeskarriere um diese Karriere betrogene!
Dies alles würde ich dem Schöpfer schreiben wollen; da mangelt es mir weder an Papier, noch an Tinte, es ist allein der Glaube, der mir für solche Briefe fehlt.

Amen.