Archiv für Juli 2008

Warum es mich nie ans Rote Meer drängt (3)

Donnerstag, 31. Juli 2008

Die Türkische Riviera stellt, sofern der eigene Leib unter horrendem Vitamin-D-Mangel leiden sollte, als Urlaubsort eine ausnehmend superbe Wahl dar, denn das dortig geradewegs verschwenderisch auftretende UV-Licht sorgt beinahe umgehend dafür, dass Vitamin D im Körper nun gewissermaßen fast schon platzregenartig ausgeschüttet wird. Und auf Vitamin D sollte wirklich nur verzichten, wessen Eltern Kerbtiere sind. Diese sind nämlich auf Vitamin D nicht im geringsten angewiesen, weil, Vitamin D trägt maßgeblich zum Erhalt der Knochen bei, welche man sich aber in Kerbtieren dumm und dämlich suchen kann. Kerbtiere leiden auf Grund ihrer Knochenlosigkeit daher im übrigen auch viel weniger an Osteoporose, als denn viel mehr an erlatscht zu werden. Für die meisten Säugetiere sind Knochen indessen unabdingbar, denn man stelle sich bloß einmal vor, Dinosaurier hätten kein Knochenskelett gehabt: da hätten sich die Paläontologen dieser Welt einen Wolf graben können, wir wüssten heute noch nicht, dass es jemals Dinos überhaupt gegeben hat, von ihrem Aussehen ganz zu schweigen. Was unausweichlich dazu geführt hätte, dass Steven Spielberg seinen Jurassic Park niemals in die Kinos hätte bringen können, was in Folge 920 Millionen Dollar weniger Einnahmen für die filmproduzierende Industrie bedeutet hätte. Und 920 Millionen Dollar sind selbst in Zeiten permanenter Dollarschwäche ein Sümmchen, für das so manches Kerbtier ohne jeglichen Zweifel Kerbvater und Kerbmutter verraten würde. (Für Skelettinhaber: Bei DocMorris gibt’s für 920 Millionen Dollar immerhin rund 90 Millionen Packungen “Vigantoletten 1000″ zur Vorbeugung gegen Knochenerweichung durch Vitamin-D-Mangel!)

Trotz des somit nachgewiesenen hohen Stellenwertes des Vitamins D, kommt dieses nach Vitamin A und B und C erst an alphabetisch zugeordneter vierter Stelle, dabei zeigt sich dessen enorme Wichtigkeit doch allein schon an der Tatsache, dass bei Vitamin-C-Mangel zwar die Zähne, bei Vitamin-D-Mangel dagegen sogar dass ganze Skelett ausfallen kann! Es sollte einen Merkspruch geben, so ähnlich wie Großmutters oft zitiertes “Ohne Wasser merk Dir das, wär’ uns’re Welt ein leeres Fass.”, nur halt mit Vitamin D vorm Komma und einer wohlfeil gereimten Zeile mit Betreff auf dessen Priorität im Sammelsurium der Vitamine dahinter.

Ob ich selbst allerdings unter Vitamin-D-Mangel leide, sei dahingestellt, jedoch friste ich mein Dasein bekanntlich seid Anbeginn meiner Lebenszeit in einem der östlichen Bundesländer, und Vitamin-D-Mangel ist unter anderem durchweg die Folge von Schwangerschaft und Stillzeit, Nebenschilddrüsen-Überfunktion und Mangelernährung, wobei die, hier leider nicht vernehmbare, Betonung eindeutig auf letzterem liegt. Unter Mangelernährung litt ich natürlich noch nie, denn selbst wenn ich den Cent regelmäßig vor dessen Ausgabe dreimal umdrehen muss, so hat haben die Finanzen bis dato immer soweit gereicht, meinen Körper zwischen kaum wahrnehmbarer Fülle und deutlicher Korpulenz pendeln zu lassen. Und für einen Urlaub reicht es auch alle zwei Jahre. Ob ich will oder nicht. Und im diesjährigen konnte ich feststellen, dass sich die Unsitte deutscher Bademeister, welche, laut mir zugetragenem Gerücht, angeblich chemische Substanzen ins Wasser der Schwimmbecken kippen, die dafür sorgen sollen, dass sich das Wasser um diejenigen, welche beim Baden in den Pool pinkeln, rot einfärbt, in den Hotelanlagen der Türkischen Riviera noch nicht durchgesetzt hat. Beim Roten Meer dagegen, da habe ich so einen leisen Verdacht. Was mich dazu drängt, im Urlaub nie ans Rote Meer zu drängen.

Was ich mir schon immer mal aufs Shirt drucken lassen wollte (18)

Mittwoch, 30. Juli 2008

Die Zeiten waren schon immer hart.

Nur die Polster variieren.

Warum es mich nie ans Rote Meer drängt (2)

Montag, 28. Juli 2008

Was mir als Unterschied der Güteklasse A zwischen mediterranem und dem in meiner Thüringer Heimat wurzelnden Klima hauptsächlich auffiel, war, dass man bei ruckartig einsetzender heimatlicher Hitze geradezu sturzbachartig zu schwitzen beginnt, während es in der stetigen Glut des Südens mehr ein permanentes, unauffälliges Auseinanderfließen ist. Vielleicht hängt dieses ja damit zusammen, dass die südländische, auf den Alltag bezogene Ruhe und Gelassenheit, die uns Deutschen als von Aneignungswahn und von Politikern ruhelos an die Wand gepinselter existenzialer Angst Getriebene ja vollständig abgeht, eventuell genetisch fest verankert auch in den Schweißdrüsen der Mittelmeeranrainer vor sich hin werkeln. Und dieses leichte beständige Schwitzen ist nicht nur viel effektiver, was die Kühlung des eigenen Fleisch und Blutes betrifft, es ist auch weitaus ästhetischer, denn Männer, die nicht nur in kurzen Hosen und Sandalen im Sonnenschein stehen, sondern gleichzeitig in einer großen Pfütze ergossenen Schweißes, waren noch niemals als Grund und Boden einer erfolgreichen Partnersuche auch nur einen einzigen Pfifferling wert.

Auch wenn Hinz und Kunz nun von allen Dächern krähen, dass Schweiß bekanntermaßen nicht nur zu circa 99 Prozent aus Wasser und zu circa einem Prozent aus Kochsalz besteht, sondern außerdem noch allerlei biochemische Hokuspokuszuschlagstoffe enthält. So zum Beispiel Pheromone, die man in ungefähr als Sexuallockstoffe deuten darf, von Mutter Natur gemacht, um die sexuelle Erregung des Partners auf den G-Punkt seiner Libido zu treiben. Und wenn außerdem Hinz und Kunz vom Dache her verkünden, dass diese Gerüche angeblich schon seit anno dunnemals weit mehr hui als pfui seien. Denn angeblich sei sogar ein Brief Napoleons bekannt, in welchem er seine Angetraute Josephine aufforderte, sich die nächsten zwei Wochen nicht zu waschen, da er bereits in 14 Tagen nach Hause käme. Doch ich sage den Damen und Herren Hinz und Kunz, dass dies

1. Herrn Bonapartes Privatsache war, wenn er sich im Sexuellen ganz und gar nicht kaiserlich benahm, und

2. dies bei weitem nicht überzeugend genug ist, um die eigene Körperhygiene nur der Geilheit wegen im Treibsand der Schludrigkeit versanden zu lassen, und

3. ich viel lieber langsam und gemütlich vor mich hin schwitze, als im Bruchteil von Sekunden allen Schweiß meines Körpers impulsiv auszustoßen. Denn, Pheromone hin – Pheromone her, Lockstoffe sind auf Grund ihres Status als Minderheit in der Masse des Schweißes immer möglichst sparsam einzusetzen, auch, weil sich gute Fische erfahrungsgemäß bestens mit allerkleinsten Würmern fangen lassen, und mitnichten, wenn sich ein ausgewachsener afrikanischer Elefant am Angelhaken krümmt.

Zugeben muss ich aber, dass ich beim kürzlich ausgeklungenem Urlaubsvergnügen insgesamt dreimal nicht umhin kam, kräftigst auszudünsten, und zwar beim Hin- sowie beim Rückflug – wohlweißlich meiner mittelschweren Flugangst geschuldet – und ein drittes Mal am Strande. Denn während ich beim obligatorischen Im-heißen-Sande-dösen den Schönheiten der Natur (90-60-90) huldigte, schoben sich auch dann und wann die Ausnahmen, welche stets die Regel bestätigten, an meinen halbgeschlossenen Lidern vorbei, und zwar mit einem geschätzten Lebendgewicht von 200 Kilo pro Person und Ärschen, so breit wie Kleiderschränke, wenn man diese auf die Seite legt. Und auf einem dieser monumentalen Gesäße prangte gar der straff gespannte Stoff einer Badehose mit der zu zwei Stadienbögen aufgedunsenen Aufschrift “CALVIN KLEIN”. Und dieser Anblick ließ meine Poren Schweiß erbrechen, denn er verhieß mir, dass die Hohe Kunst eines All-Inklusiv-Urlaubes doch darin besteht, mit der Körperform eines Baguette anzukommen, aber nicht mit der Leibesform eines Siegerländer Rundbrotes heimzufahren.