Warum es mich nie ans Rote Meer drängt (2)

Was mir als Unterschied der Güteklasse A zwischen mediterranem und dem in meiner Thüringer Heimat wurzelnden Klima hauptsächlich auffiel, war, dass man bei ruckartig einsetzender heimatlicher Hitze geradezu sturzbachartig zu schwitzen beginnt, während es in der stetigen Glut des Südens mehr ein permanentes, unauffälliges Auseinanderfließen ist. Vielleicht hängt dieses ja damit zusammen, dass die südländische, auf den Alltag bezogene Ruhe und Gelassenheit, die uns Deutschen als von Aneignungswahn und von Politikern ruhelos an die Wand gepinselter existenzialer Angst Getriebene ja vollständig abgeht, eventuell genetisch fest verankert auch in den Schweißdrüsen der Mittelmeeranrainer vor sich hin werkeln. Und dieses leichte beständige Schwitzen ist nicht nur viel effektiver, was die Kühlung des eigenen Fleisch und Blutes betrifft, es ist auch weitaus ästhetischer, denn Männer, die nicht nur in kurzen Hosen und Sandalen im Sonnenschein stehen, sondern gleichzeitig in einer großen Pfütze ergossenen Schweißes, waren noch niemals als Grund und Boden einer erfolgreichen Partnersuche auch nur einen einzigen Pfifferling wert.

Auch wenn Hinz und Kunz nun von allen Dächern krähen, dass Schweiß bekanntermaßen nicht nur zu circa 99 Prozent aus Wasser und zu circa einem Prozent aus Kochsalz besteht, sondern außerdem noch allerlei biochemische Hokuspokuszuschlagstoffe enthält. So zum Beispiel Pheromone, die man in ungefähr als Sexuallockstoffe deuten darf, von Mutter Natur gemacht, um die sexuelle Erregung des Partners auf den G-Punkt seiner Libido zu treiben. Und wenn außerdem Hinz und Kunz vom Dache her verkünden, dass diese Gerüche angeblich schon seit anno dunnemals weit mehr hui als pfui seien. Denn angeblich sei sogar ein Brief Napoleons bekannt, in welchem er seine Angetraute Josephine aufforderte, sich die nächsten zwei Wochen nicht zu waschen, da er bereits in 14 Tagen nach Hause käme. Doch ich sage den Damen und Herren Hinz und Kunz, dass dies

1. Herrn Bonapartes Privatsache war, wenn er sich im Sexuellen ganz und gar nicht kaiserlich benahm, und

2. dies bei weitem nicht überzeugend genug ist, um die eigene Körperhygiene nur der Geilheit wegen im Treibsand der Schludrigkeit versanden zu lassen, und

3. ich viel lieber langsam und gemütlich vor mich hin schwitze, als im Bruchteil von Sekunden allen Schweiß meines Körpers impulsiv auszustoßen. Denn, Pheromone hin – Pheromone her, Lockstoffe sind auf Grund ihres Status als Minderheit in der Masse des Schweißes immer möglichst sparsam einzusetzen, auch, weil sich gute Fische erfahrungsgemäß bestens mit allerkleinsten Würmern fangen lassen, und mitnichten, wenn sich ein ausgewachsener afrikanischer Elefant am Angelhaken krümmt.

Zugeben muss ich aber, dass ich beim kürzlich ausgeklungenem Urlaubsvergnügen insgesamt dreimal nicht umhin kam, kräftigst auszudünsten, und zwar beim Hin- sowie beim Rückflug – wohlweißlich meiner mittelschweren Flugangst geschuldet – und ein drittes Mal am Strande. Denn während ich beim obligatorischen Im-heißen-Sande-dösen den Schönheiten der Natur (90-60-90) huldigte, schoben sich auch dann und wann die Ausnahmen, welche stets die Regel bestätigten, an meinen halbgeschlossenen Lidern vorbei, und zwar mit einem geschätzten Lebendgewicht von 200 Kilo pro Person und Ärschen, so breit wie Kleiderschränke, wenn man diese auf die Seite legt. Und auf einem dieser monumentalen Gesäße prangte gar der straff gespannte Stoff einer Badehose mit der zu zwei Stadienbögen aufgedunsenen Aufschrift “CALVIN KLEIN”. Und dieser Anblick ließ meine Poren Schweiß erbrechen, denn er verhieß mir, dass die Hohe Kunst eines All-Inklusiv-Urlaubes doch darin besteht, mit der Körperform eines Baguette anzukommen, aber nicht mit der Leibesform eines Siegerländer Rundbrotes heimzufahren.

Eine Antwort zu “Warum es mich nie ans Rote Meer drängt (2)”

  1. spill sagt:

    Also ich mache mir, so nach jahrelanger Forschungsarbeit(es war nicht immer einfach) einen Spaß daraus die öh sensiblen Tage meiner Meranschlampe zu manipulieren.
    Einfach, wenn’se schläft, 93 Liegestütze(einarmig natürlich), Eigenachselhöhlen aufklappen, Sie inhalieren lassen, – und schon kommt’se erheblich durcheinander ey.
    Manpower nennt man das, Männer !
    Naja, oder eben “Roggenmischbrot 4c/13Z76/8f-g”, also meine Formelbezeichnung.
    Patent angemeldet.

    Du hattest was mit der Bagette?
    Ich auch.
    Ein ganzganz heißer Feger die.
    Die greift alles ab was nicht bei 3 an Teutschländerwürstchen sich hochhangelt ey.
    Unter Pauschalurlaubern ist sie auch als Bagett-sonett internationalst bekannt.
    (aber sie ist total unmusikalisch)