Warum es mich nie ans Rote Meer drängt (3)
Die Türkische Riviera stellt, sofern der eigene Leib unter horrendem Vitamin-D-Mangel leiden sollte, als Urlaubsort eine ausnehmend superbe Wahl dar, denn das dortig geradewegs verschwenderisch auftretende UV-Licht sorgt beinahe umgehend dafür, dass Vitamin D im Körper nun gewissermaßen fast schon platzregenartig ausgeschüttet wird. Und auf Vitamin D sollte wirklich nur verzichten, wessen Eltern Kerbtiere sind. Diese sind nämlich auf Vitamin D nicht im geringsten angewiesen, weil, Vitamin D trägt maßgeblich zum Erhalt der Knochen bei, welche man sich aber in Kerbtieren dumm und dämlich suchen kann. Kerbtiere leiden auf Grund ihrer Knochenlosigkeit daher im übrigen auch viel weniger an Osteoporose, als denn viel mehr an erlatscht zu werden. Für die meisten Säugetiere sind Knochen indessen unabdingbar, denn man stelle sich bloß einmal vor, Dinosaurier hätten kein Knochenskelett gehabt: da hätten sich die Paläontologen dieser Welt einen Wolf graben können, wir wüssten heute noch nicht, dass es jemals Dinos überhaupt gegeben hat, von ihrem Aussehen ganz zu schweigen. Was unausweichlich dazu geführt hätte, dass Steven Spielberg seinen Jurassic Park niemals in die Kinos hätte bringen können, was in Folge 920 Millionen Dollar weniger Einnahmen für die filmproduzierende Industrie bedeutet hätte. Und 920 Millionen Dollar sind selbst in Zeiten permanenter Dollarschwäche ein Sümmchen, für das so manches Kerbtier ohne jeglichen Zweifel Kerbvater und Kerbmutter verraten würde. (Für Skelettinhaber: Bei DocMorris gibt’s für 920 Millionen Dollar immerhin rund 90 Millionen Packungen “Vigantoletten 1000″ zur Vorbeugung gegen Knochenerweichung durch Vitamin-D-Mangel!)
Trotz des somit nachgewiesenen hohen Stellenwertes des Vitamins D, kommt dieses nach Vitamin A und B und C erst an alphabetisch zugeordneter vierter Stelle, dabei zeigt sich dessen enorme Wichtigkeit doch allein schon an der Tatsache, dass bei Vitamin-C-Mangel zwar die Zähne, bei Vitamin-D-Mangel dagegen sogar dass ganze Skelett ausfallen kann! Es sollte einen Merkspruch geben, so ähnlich wie Großmutters oft zitiertes “Ohne Wasser merk Dir das, wär’ uns’re Welt ein leeres Fass.”, nur halt mit Vitamin D vorm Komma und einer wohlfeil gereimten Zeile mit Betreff auf dessen Priorität im Sammelsurium der Vitamine dahinter.
Ob ich selbst allerdings unter Vitamin-D-Mangel leide, sei dahingestellt, jedoch friste ich mein Dasein bekanntlich seid Anbeginn meiner Lebenszeit in einem der östlichen Bundesländer, und Vitamin-D-Mangel ist unter anderem durchweg die Folge von Schwangerschaft und Stillzeit, Nebenschilddrüsen-Überfunktion und Mangelernährung, wobei die, hier leider nicht vernehmbare, Betonung eindeutig auf letzterem liegt. Unter Mangelernährung litt ich natürlich noch nie, denn selbst wenn ich den Cent regelmäßig vor dessen Ausgabe dreimal umdrehen muss, so hat haben die Finanzen bis dato immer soweit gereicht, meinen Körper zwischen kaum wahrnehmbarer Fülle und deutlicher Korpulenz pendeln zu lassen. Und für einen Urlaub reicht es auch alle zwei Jahre. Ob ich will oder nicht. Und im diesjährigen konnte ich feststellen, dass sich die Unsitte deutscher Bademeister, welche, laut mir zugetragenem Gerücht, angeblich chemische Substanzen ins Wasser der Schwimmbecken kippen, die dafür sorgen sollen, dass sich das Wasser um diejenigen, welche beim Baden in den Pool pinkeln, rot einfärbt, in den Hotelanlagen der Türkischen Riviera noch nicht durchgesetzt hat. Beim Roten Meer dagegen, da habe ich so einen leisen Verdacht. Was mich dazu drängt, im Urlaub nie ans Rote Meer zu drängen.