Saubermann in Lauerstellung
Samstag, 27. September 2008Ich hätte gern eine Atombombe. Oder auch zwei. Und mein Nachbar rechterseits soll auch eine bekommen. Genau wie jener, der links neben mir haust. Und überhaupt: eigentlich sollte jeder Mensch auf Erden eine Atombombe besitzen. Es kann doch schließlich nicht sein, dass nur die allerhöchsten Repräsentanten sogenannter Weltmächte neben einem Roten Knopf schlafen dürfen, während neben dem Kopf des Otto-Normal-Durchschnittsweltbürgers nur ein Nachtischlampenschalter baumelt! Und warum sollten auch die klarschiffmachenden Insignien der Macht in heutiger Zeit so dermaßen ungleich verteilt sein, wo wir doch schon vor Jahrzehnten in den meisten aller bekannten Länder der Volksherrschaft erfolgreich den Hof gemacht haben? So zwei Bomben mit einer Sprengkraft von je 100 Kilotonnen TNT-Äquivalent, die würde ich in meinem Keller jedenfalls locker unterkriegen, da ich in diesem weder zentnerweise Eingemachtes, noch Blutsverwandte darin horte, um mich jeweils Dienstags und Donnerstags abwechselnd an Kompott oder eigen Fleisch und Blut zu delektieren. Lasches, aller Lebenskraft beraubtes und in matte Gläser gefülltes Obst zu verzehren, dass ist nämlich ein unappetitlicher Affront gegenüber allem, was uns Menschen zum Menschen macht, der nur noch durch das Begrapschen von Leiblichen übertroffen wird. Obst sollte man doch stets so frisch wie nur möglich verzehren; maximal mit einem Strahl kalten Wassers vom Schmutz der 400-Euro-Kräfte-Hände befreit, welche die Äpfel und Birnen unter zumeist frühkapitalistischen Arbeitsbedingungen in die Regale der Lebensmitteldiscounter schaufeln. Und Geschlechtlichkeit sollte möglichst immer außerhalb der die eigenen Gene in sich tragenden Verwandtschaft stattfinden, weil a) die Erbfaktoren beharrlich denkbarst gut gemischt werden müssen, da wir ansonsten alsbald alle aussehen würden, wie das bereits erwähnte eingekochte Kompott. Und b) aller Wahrscheinlichkeit nach auch denselben IQ hätten. Meine Gattin und ich zum Beispiel, wir treiben es zumeist nur miteinander, haben in punkto Sex so etwas wie ein Freihandelsbekommen abgeschlossen, was im Detail bedeutet, dass es ein stetes steuerfreies Geben und Nehmen ist, ein spätabendliches wie Du mir – so ich Dir, was nicht nur für tiefen, erquicklichen Schlaf sorgt, sondern auch dafür, dass die einander fremden Gene dabei schön durcheinander geschüttelt werden. Was im Ergebnis dazu führte, das ich stolzer Vater einer Tochter bin, und nicht etwa vor wenigen Jahren ein eingetrübtes Glas Pflaumenkompott einschulen lassen musste.
Leider herrscht beim Thema der hauseigenen Atombombe nicht soviel Übereinstimmung, was meine Gattin unter anderem damit begründet, sie sei doch technisch nicht allzu versiert, und käme mit strahlenden Dingen eben nicht besonders gut zurecht, außer vielleicht mit dem strahlenden Lächeln ihres Zahnarztes. Dem Schwein. Und leider ließ sich bis zum heutigen Tage ihre Meinung auch nicht durch meine mitternächtlichen Diskurse über kritische Massen, spontanen Zerfall einzelner Kerne und nuklearer Kettereaktion, der meinigen entsprechend verbiegen.
Ich aber halte es für überaus dumm, nur irgendwelchen tumben Staatsführern ansehnliche Bomben in die alterschwache Hand zu drücken, dabei verdanken sie ihre exorbitante Aufmunitionierung doch nur dem bedauernswerten Umstand, dass wir demokratisch Angehauchten allewege dazu neigen, stets nur das kleinere Übel zu wählen. Doch allein die Begründung, man wäre als Übel nur ein kleines, darf doch niemals freizügig erteilter Waffenschein sein! Was nun allerdings auch bedeutet, dass es so eine Art Wesenstest für die Halter von Atombomben geben müsste. Schließlich ist der Besitz solch mächtiger Waffen doch nur dafür konzipiert worden, um mittels der damit verursachten Furcht vor strahlenbedingtem Durch- und Haarausfall anderer Länder Herren in die ökonomischen Knie zu zwingen. Dies erklärt im übrigen auch die Respektlosigkeit des Staates gegenüber seinen unbewaffneten Bürgern, die sich selbstverständlich sofort in Wohlgefallen auflösen würde, sobald Hinz und Kunz atomar bestückt wären. Denn der Gedanke, alle Unterdrückten dieser Welt hätten eine A-Bombe im Keller, die selbstverständlich allesamt verkabelt wären und bei Fehlen oder Unterschreiten eines verbindlichen Mindestlohnes oder ähnlichen sozialen Verwerfungen aus Verzweiflung gezündet werden, macht selbst aus gestandenen FDPlern arbeitnehmerfreundliche Abgeordnete. Denn nur Bomben im Keller macht Politiker und Nachbarn freundlich sein. Ich selbst wäre natürlich als Atombombenführer aller erste Wahl. Weil, ich bin vom Charakter her insoweit gefestigt, dass ich selbst nach einer fernsehgebührenfinanzierten Volksmusiksendung, oder gar nach 3 Stunden der an den dünnen Haaren der Privatsender herbeigezogenen Gerichtsshows, keineswegs in den Keller gehen würde, um dem ganzen traurigen Elend mit Krawumm! ein schnelles Ende zu bereiten. Auch bin ich nicht religiös, was ein profanes, aber äußerst wirkungsvolles Mittel gegen das allseits um sich greifende Märtyrertum zu seien scheint. Auch wenn ich eigentlich furchtbar gerne Christ, Moslem und Buddhist in einer Peron wäre. Denn dann könnte ich mich nach käuflichen Erwerben eines fettgedruckten Ablassbriefes in die Luft sprengen, würde mich danach im Himmel mit 70 Jungfrauen vergnügen, und wenn diese nicht mehr jungfräulich wären – also nach circa einer knappen Woche – wiederum auferstehen, Ablassbriefe kaufen, mich wieder in die Luft sprengen und so weiter und so fort. Ein freudiger Kreislauf von Explosionen und Ejakulation. Doch ich bin ja Atheist. Und ich hätte gern eine Atombombe. Oder auch zwei. Für eine bessere Welt. Meiner Frau habe ich Pfefferspray gekauft.
(Auch zum Thema: Bumm!!!)
