Die Bremer Stadtmusikanten
(Ganz frei nach den Gebrüder Grimm!)
Es war einmal ein Müller, der neben zahlreichen 1-Euro-Jobbern auch einen Esel in seiner Mühle beschäftigte. Diesen aber nur, weil er die 1-Euro-Jobber nicht prügeln durften. Denn noch saß die FDP in der Opposition. Doch nun – der Esel war alt und es wollte so recht keinen Spaß mehr machen auf den Esel einzuschlagen weil, der Müller hatte ja inzwischen eine Frau – beabsichtigte er, den alten Esel an Chappi verkaufen. Doch Chappi kaufte nur in Billiglohnländern, wo es so viele willige Organspender gab, dass sie dort ihr Hundefutter für einen halben Apfel und ein Ei produzieren lassen konnten. Was dem Esel sehr recht war. Denn der wollte sich sowieso mit einer eigenen Band selbstständig machen, die mit einer Mischung aus Hiphop und Blasmusik die Charts von hinten aufrollen sollte. Also packte er sein Hab und Gut in eine Tupperwaredose und hätte dem Müller zum Abschied furchtbar gern den Mittelfinger gezeigt, doch er hatte ja gar keinen. Und kaum war der Esel ein paar Meilen gegen den Wind marschiert, da traf er auf einen Pitbull, der auf einem Flohkamm das Lied vom Tod blies. Und der Esel sprach: “Eh, Alter, komm doch mit, wir machen eine Band und Du hast dann jede Menge Groupies, die Du vernaschen kannst.” Das brauchte er dem Pittbull nicht zweimal sagen. Denn der leckte sich in Erwartung der weißen Groupieschenkel schon die wulstigen Lippen. So hüpften sie weiter drei Schritt vor und zwei zurück bis sie auf eine Katze trafen, die sehr unglücklich aussah. Denn sie hatte frische Spuren von Michelin-Allwetterreifen auf ihrem Rücken. Und sie fragten die Katze, ob sie denn nicht ein paar Mäuse nebenbei verdienen wollte, weil, aus Katzendärmen ließen sich doch vorzügliche Gitarrensaiten machen. Und da die Katze sowieso gerade läufig war, lief sie mit. So waren sie also schon zu dritt und konnten in den Marschpausen einen ordentlich Skat dreschen. Und so hüpften sie drei Schritt vor und zwei zurück und es dauerte nicht lang und sie kamen an einer Ökohühnerfarm vorbei, die sich der Bodenhaltung verschrieben hatte. Da sich Böden aber momentan schlecht verkaufen ließen, ging der Hof pleite und ein Hahn, der gerade auf dem Weg zum Arbeitsamt war, schloss sich dem Esel, dem Hund und der Katze an. Und Skat ging auch prima zu viert, weil sie den überzähligen Spieler nun immer in den Skat drückten. Natürlich schrieben sie nebenbei fleißig Hits und da sie ja nun eine richtige Gruppe waren, wollten sie auch den Gruppenrabatt der Deutschen Reichsbahn nutzen. Doch auf dem Wege zum Bahnhof kamen sie an einem Asylantenheim vorbei. Der Esel starrte durch ein mit russischen Zeitungen verglastes Fenster und sah, die Tische waren voll mit gestrecktem Koks und Gras, so dass dem Esel das Wasser in Nase und Lunge zusammen lief. Nun überlegten die Viere, wie sie wohl an die leckeren, aber leider illegalen Raritäten heran kämen. Und sie rasierten sich die Schädel und knoteten aus ihren abrasierten Haaren Baseballschläger. Der Hahn mixte einen Molotovcocktail, was ihm sehr leicht viel, denn er hatte ein paar Wochen lang neben dem Studium in einer Bar der Jungen Linken als Barkeeper gejobbt. Und so stürmten sie unter Heil- und Siegrufen und lauten Beifallskundgebungen der Nachbarschaft das Heim und kamen so zu ihrem ersten Heimsieg. Nachdem sie kräftig gekifft und Unmengen von Lines durch die Nase gezogen hatten, fielen sie high und higher in die mit Schumibettwäsche bezogenen Betten. Die Asylanten aber ließen sich nicht abschrecken, sondern stellten einen neuen Asylantrag und zogen in ein anderes Heim im Westen des Märchenlandes. Dieses war auch viel besser ausgestattet, mit einer Bowlingbahn, einer Sauna und sogar einem Drogenlabor. Esel, Hund, Katze und Hahn eröffneten aber im Drogenrausch ein Tierheim, schrieben unter dem Pseudonym “Die Bremen Stadtmusikanten” Beiträge für “Ein Herz für Tiere” und wurden für ihr soziales Engagement ans Bundesverdienstkreuz genagelt.
Oder so.
24. September 2008 um 17:53
Selten so gelacht.
24. September 2008 um 18:59
Kann ich das so, meiner 6 jährigen Nichte als gute Nacht Geschichte vorlesen???
24. September 2008 um 19:40
@Markus
Wohl selten hier?
@Mike
Sofern sie der deutschen Sprache mächtig ist: ein eindeutiges ja!
24. September 2008 um 19:46
“Denn der leckte sich in Erwartung der weißen Groupieschenkel schon die wulstigen Lippen.” – Irgendwie verursachte mein krankes Kopfkino beim Lesen dieses Satzes ein eigenes Ende. Naja, ist dann wohl anscheinend eine Hündin gewesen.
24. September 2008 um 23:33
Herrlich. Endlich bläst mal einer den Staub von Grimms Märchen. Hm, das war doch Staub. Oder?
MfG
Hans
25. September 2008 um 13:09
Märchenpunk! Eine Frage: Als der Esel in das Fenster des Asylantenheims linste, haben die Bremer Stadtmusikanten da ihren berühmten Mitgliederstapel umgedreht? Also dass der Hahn unten, dann die Katze, der Hund als nächstes und der Esel oben war? Würde passen. Oder wars Erdgeschoss? – Wie auch immer, geht gut rein die Geschichte.
26. September 2008 um 13:46
**Esel, Hund, Katze und Hahn eröffneten aber im Drogenrausch ein Tierheim, schrieben unter dem Pseudonym “Die Bremen Stadtmusikanten” Beiträge für “Ein Herz für Tiere” und wurden für ihr soziales Engagement ans Bundesverdienstkreuz genagelt.**
Okay, ich finde, das liest sich alles irgendwie nach Schäuble, der neigt zu solchen Aktionen.
Diesen Kommentar muss jetzt keiner auf Anhieb verstehen.
26. September 2008 um 14:55
Also, Mo, diesen Kommentar verstehe ich jetzt nicht auf Anhieb!
26. September 2008 um 18:56
Sehr schöner Text mit vielen Wortspielereien, die beim ersten lesen gar nicht auff[f]allen (ich weigere mich vehement, der neuen Rechtschreibreform nachzukommen!)
Ich hab ja bloß Bedenken, daß Herr Kolumnistenschwein solche Geschichten seinen Kindern am Abend erzählt, wenn sie zu Bett gehen…^^
27. September 2008 um 2:00
Tierquäleeer !!!
27. September 2008 um 8:12
Dabei hatte ich es doch nur auf die Leser abgesehen! Sorry!