Sternenhaufen
Sich auf den Rücken legen und in den Sternenhimmel schauen ist eine sehr gute Methode, sich seiner eigenen Unbedeutendheit bewusst zu werden, welche allerdings als bewusstseinserweiternde Praxis noch enorm verfeinert werden kann, wenn man sich dazu ins Freie legt. Dieser positive Effekt lässt sich unter anderem damit erklären, dass kein Mensch den Zustand seiner absoluten Nichtigkeit – angesichts der Unendlichkeit des Universum – auch nur ansatzweise erkennt, wenn er, als vom Wetter unabhängige Alternative, allein nur die an seiner Schlafzimmerdecke klebenden, selbstleuchtenden Plastiksterne aus der 99-Cent-Kiste des NKD betrachtet. Denn rein physikalisch gesehen ist eine Entfernung von circa anderthalb Meter nun einmal nicht dasselbe, wie die, den menschlichen Beinen schier unfassbare, Distanz von 12 Millionen Lichtjahren. Soweit entfernt von unserer Erde ist zum Beispiel die Galaxie M 81, in deren Zentrum sich ein gigantisches Schwarzes Loch mit geschätzten 70 Millionen Sonnenmassen befinden soll. Hier wird die Unmöglichkeit des Nachempfindens kosmischer Maßstäbe innerhalb der eigenen vier Wände natürlich blitzartig begreiflich, da kein Zimmermann auf diesem Planeten wohl in der Lage sein dürfte, ein derartig stabiles Haus im Holzriegelbauverfahren zu konstruieren, mit einer Schlafzimmerdecke, welche ein Gewicht von circa 70 Millionen Sonnenmassen ohne Murren und ohne sichtliches Unbehagen trägt. Dies wiederum lässt die Handhabe über der eigenen Schlaffstatt angebrachter, schwächlich leuchtender Plastiksterne zwar blass, dennoch aber auch ungemein logisch erscheinen. Es ist ja auch nicht jedem Sache, sich herbstlicher Witterung auszusetzen, besonders wenn erster Bodenfrost sich über Wiesen und Wege legt, und man die Fähigkeit, sich an schlüpfrigen Gedanken zu erwärmen, just am Hochzeitstage verloren hat.
Ich selbst heiße die niederen Temperaturen allerdings aufs Allerwärmste willkommen, sorgen sie doch dafür, dass das, was Hunde auf allen Wegen meiner Heimatstadt aus ihrem Darme verlieren, einen Aggregatszustand einnimmt, der es einem eminent erleichtert, die nun hartgefrorenen Haufen auf die Fahrbahn zu kicken. Gleiches im Frühjahr oder Sommer zu versuchen, wenn es dem Kot an eisiger Härte fehlt, hinterlässt nicht nur unansehnliche Schmierspuren auf dem handwerklich überaus gekonnt gepflasterten Fußweg – auch an Sandalen und Füßen bleibt zumeist kleben, was Gastfreundschaften jählings splittern lässt.
Dennoch bin ich nicht einer von jenen Mitmenschen, denen man, ohne erst ein großes rechtsstaatliches Brimborium zu veranstalten, ein “Hundehasser!“-Schild umhängen darf, auch wenn ich selbst nie mit dem Gedanken gespielt habe, jemals einen Hund zu halten, da ich ja weder blind, noch der Bergwacht angehöre, und auch ansonsten sexuell nicht ulkig veranlagt bin. Ich habe desgleichen aber nichts gegen wie auch immer geartete Hundebesitzer, nur bin ich eben, was Hundescheiße an den Füßen betrifft, nun einmal sehr eigen. In der Galaxie M 81 mag es ja nur halb so wild sein, wenn sämtliche Köter auf den dortigen öffentlichen Plätzen und Wegen freiweg ihren Geschäften nachgehen, weil eine Schwerkraft von 70 Millionen Sonnenmassen doch sicherlich umgehend dafür sorgt, dass die Scheiße direkt vom Darmausgang in Richtung Schwarzes Loch gesaugt wird, welches allerdings, aus leicht nachvollziehbaren Gründen, in jener Gegend gewiss Braunes Loch genannt wird.
Natürlich: Sich auf den Rücken legen und in den Sternenhimmel schauen ist nämlich eine sehr gute Methode, sich seiner eigenen Unbedeutendheit bewusst zu werden, welche allerdings als bewusstseinserweiternde Praxis noch enorm verfeinert werden kann, wenn man sich dabei nicht in Hundescheiße legt.
(Und noch ein Text mit Hundekacke!)
26. Oktober 2008 um 10:09
Hundebesitzer kann ich nicht verstehen. Die haben andauernd ein Tier um sich herum, das Krach macht, sich schlecht benimmt, am Tisch bettelt, Gassi geführt werden will und dabei Dinge fallen lässt die man aufsammeln muss. Was bei Dünnpfiff zu einer Tortour werden kann.
Aber natürlich, was ist das schon bei der Größe des Universums die wir noch nicht einmal ansatzweise abschätzen können. Aber sollen wir deshalb Minderwertigkeitskomplexe bekommen? Ich stelle mir hin und wieder die Frage: Was wäre, wenn ich nicht existiere? Würde es das Universum dann überhaupt geben? Ist diese Welt vielleicht nur ein komplexer Traum, den ich träume? Und was – verdammt noch mal – ist in meinem Kaffee?
MfG
Hans
26. Oktober 2008 um 10:22
“Ist diese Welt vielleicht nur ein komplexer Traum, den ich träume?”
Wenn schon, dann müste es logischerweise ja mein Traum sein. Mein Blog – mein Traum. Oder so. Äh…, ich glaube, wir trinken die gleiche Kaffeesorte …
26. Oktober 2008 um 19:06
Auch wenn Schwiegermutter soviel Rosen bekam,
Hundescheiße gehört in die Tonne
27. Oktober 2008 um 14:45
Seiner wirklichen Unbedeutendheit gewahr zu werden, ist dem Menschen genauso unmöglich wie die Aussicht auf ein unbeschissenes Plätzchen im Park zum Sterne gucken (die übrigens dort, wo der Mensch auf Parks zurückgreifen muss, ob Lichtsmog nur noch ein fahles Scheinen von sich geben).
Schon gut, schon gut.
Ist wetterbedingter Nihilismus pathologisch, oder philosophisch?
29. Oktober 2008 um 4:28
Nun ja.
Unsere Galaxie (Gaby heißt die wohl nur) könnte ja nur auch ein klitzekleines Atomchen((Anton heißt der wohl nur) in einem mehrfach benutzten Toilettenpapierblatt an einer sternenfernen profanen Autobahnraststätte sein?
Da ganz oben?
Naja, mir doch egal.
Habe erstmal alle sehbaren Stars und Sternchen auf meinen Namen taufen lassen.
(4-163.000.000€ pro)
Das sichert einen immobilienmäßig schon ab, wg.akuter Finanzkrise hier.
Also während diese Erdenmenschlein sich an ihr Sparbuch unter’m Kopfkissen klammern.
29. Oktober 2008 um 16:48
kosmologisch, würd ich sagen.
der mensch entdeckt, den sternenhimmel erblickend, das ganze der welt und umgehend seine winzigkeit gleich mit. nacht und regen setzen menschens bedrückender einsicht noch ihren stempel obenauf, taumel der willkür mischt sich unter den bitteren geschmack machtlosen ausgesetztseins. und wird dieses ganze auch noch im fahlen schein großstädtischen laternenleuchtens gewahr, ist mensch der punkt, der im übervolkwuchernden stadion erde sinnlos kreiselnd seine runde läuft. als ziel die ankunft, die anfang war. und ende wird.
doch eigentlich ist ein punkt aus dieser perspektive so klein, er könnte auch einfach übersehen werden.