Das schwächste Glied in der Gefrierkette

Frauen frieren schneller als Männer. Dies ist mir bekannt, aber nicht nur, weil ich es lesend einer Zeitschrift entnahm, sondern auch, weil ich seit Jahr und Tag Tisch und Bett mit einer Frau teile. Und zwar zumeist mit der eigenen. Warum Frauen in der Hitliste der wandelnden Frostbeulen allerdings weit vor ihren andersgeschlechtlichen Artgenossen landeten, ist mir als Wissen zu meinem Bedauern wahrscheinlich flugs durch die Hirnlappen gegangen. Man muss es aber auch nicht unbedingt erkennen, schließlich gefriert auch Wasser schon bei 0 Grad Celsius, während Quecksilber erst bei Minus 38,9 Grad Celsius vereist, doch hatte ich dieser physikalischen Umstände wegen noch nie schlaflose Nächte. Nun möchte ich aber aus diesen stofflichen Gegebenheiten keineswegs schlussfolgern, dass das zu gleichen Umweltbedingungen unterschiedlich einsetzende Zittern der Geschlechter eventuell über drei Ecken mit der ungleichen Wertigkeit dieser beiden Substanzen zutun hätte. Denn der Liter Wasser, also ein Kilogramm, kostet in manchen Regionen weit unter einem Cent, während das Kilo Quecksilber erst für Pi mal Daumen ungefähr 7 Euro zu haben ist. Eine solche Betrachtungsweise würde ja eine kaum zu rechtfertigende Verlautbarung einer eventuellen Höherwertigkeit des Mannes gegenüber dem Weibe erlauben. Dabei ist in meinem Dunstkreis die Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann so selbstverständlich wie zu Rouladen Klöße, zu Sonntags frei und dem Nichtwählen von FDP und ähnlich veranlagten Widersachern aller Barmherzigkeit. Frieren also als minderes Qualitätsurteil anzusetzen ist daher pfui und zeugt von mangelndem Verständnis wie auch einem nicht vorhandenem Einfühlungsvermögen gegenüber allem Femininen.

Weitaus interessanter als die Gründe für das stete Bibbern meiner Gattin im Zeitraum zwischen Oktober und April scheinen mir doch mehr die Ergebnisse, die dieses wahrscheinlich evolutionär bedingte Frösteln mit sich bringt. So war mir das Märchen “Die Prinzessin auf der Erbse” vor allem dadurch in Erinnerung geblieben, weil diese verzogenen Göre auf zwanzig Eiderdaunendecken zu nächtigen pflegte, wobei dagegen schon gemäßigte Außentemperaturen meine Angetraute  dazu bringen, UNTER 20 Daunendecken zu schlafen! Eine Variante des Märchens Hans Christian Anders, dass selbst bei aller wohlmeinenden Kritik mit dem Prädikat “Anders!” versehen werden muss.  Erwähnungswert auch der Aspekt, dass ich dazu auserkoren bin, diesen Berg Abend für Abend mittels meiner mir zur Verfügung stehenden Körperschwüle anzuwärmen, was, soweit meine Erinnerung nicht trügt, niemals Klausel eines von mir natürlich nie unterschriebenen Ehevertrages war. Selbstverständlich ist das Ehegelübde mit einem steten Geben und Nehmen verbunden, was die verschiedensten Dienste an Leib und Seele selbstverständlich mit einschließt, aber als menschliches Heizkissen zu dienen ist nun einmal nicht unbedingt das, was man als Glück auf Erden bezeichnen kann. Wie schnell, so dünkt mir, landet man dann nämlich auf dem Schrottplatz aller ausgedienten Elektronik, nur weil man laut Ansicht der frierenden Lebensabschnittspartnerin angeblich einen “Kurzen” habe! Beileibe besonders boshaft am Erwärmen fremder Federn scheint mir aber nicht nur dieses Erwärmen an sich, sondern das Wieder-verlassen-müssen des aufgeheizten Bettes, wo man doch Schippe um Schippe der eigenen Energie ins verzehrende Feuer der Beziehung warf, nun aber in den Winter der eigenen Bettwäsche zurückkriechen darf. Allerdings komme ich nicht umhin darauf zu verweisen, dass ich erst letztlich davon hörte, dass Schweinebesamungsexperten, wenn sie ihrer aufregenden Arbeit nachgehen, immer einen Ampulle mit Eberduft dabei haben, weil die Sau, sobald sie des Ebers Pheromone riecht, in eine „Duldungsstarre“ verfällt und sich so besteigen lässt.  So ein Prozedere ist in meiner Beziehung gottlob aber nicht vonnöten. Wenn mich nämlich die Lust zwischen Oktober und April am Wickel packt, so nehme ich meiner Gattin ganz einfach die zwanzig Daunendecken weg, öffne das Fenster und warte.

Eine Antwort zu “Das schwächste Glied in der Gefrierkette”

  1. Hans sagt:

    Aha. Mal eine andere Art von Frauenversteher. Frei nach dem bekannten Einstein-Zitat: »Man muss die Frauen nicht verstehen. Man muss nur mit ihnen zurecht kommen.« :-)

    MfG
    Hans