Im Schwarzlicht betrachtet

Ich kann nicht von mir behaupten, dass ich bis in den wirklich allerletzten Zentimeter Nervenstrang besonders wohlig erregt war, als ich vernahm, dass erstmals ein Farbiger mächtigster Mann der Welt werden würde. Dieses  unaufgewühlte Gebaren in Anbetracht der “historischen” Vorgänge liegt sicherlich zu großen Teilen darin begründet, dass ich nicht zu jenem Typus Gesinnung gehöre, der erkalteten Schokoladenpudding im Restaurant mit hektisch abwehrender Handbewegung zurück in die Küche gehen lässt, nur weil dieser eine dunkle Haut hat. Rassismus war noch nie ein Teil meiner sehr reichlich geerbten Charakterschwächen, und so macht meiner Meinung nach nicht die Pigmentierung der Haut die Menschen unter Umständen zu Menschen mit ekligem Charakter, sondern der eklige Charakter macht Menschen zu Rassisten. Ich selbst habe einige Jahre mit sehr, sehr dunkelhäutigen Kollegen zusammengearbeitet, doch nie hatte ich das Gefühl, dass der eine, mir gegenüber immer sehr unangenehm in Erscheinung tretende, kubanische Mitarbeiter ein Arschloch wegen seiner Hautfarbe sei, sondern er war eines, weil er eben eines war. Seine dunkle Haut ließ ich stets unbeachtet seinen zugegeben sehr beeindruckenden Körper umhüllen; ich habe quasi durch sie hindurch gesehen. Und des Pudels Kern war schlecht.

Wenn also ein Ereignis als “historisch” bezeichnet wird, nur weil einem Farbigen gelang, Großes zu erreichen, so empfinde ich diese Sichtweise ebenfalls als puren Rassismus, weil es den Medien durch die Überdramatisierung der Situation nicht gelingt darzustellen, was dunkle Haut nun einmal ist: vollkommen normal. 

So trank ich – dementsprechend seelenruhig auf meinem Sofa sitzend, während NTV die Krönungszeremonie in aller Breite und Länge auch auf mein TV-Gerät  übertrug – in kleinen, völlig unhektischen Schlucken meinen Kaffee a la Obama, als fast schwarz, und dachte mir, dass so ein Job als mächtigster Mann der Welt ganz sicher nicht das reinste Zuckerschlecken ist. Denn der Gedanke, dass Lenken und Denken für 305 Millionen Menschen zu übernehmen, von denen ungefähr 40 Prozent an ein übernatürliches Wesen glauben, und der Rest sich wahrscheinlich dafür hält, ist sehr anstrengend. Dies ist kein Antiamerikanismus meinerseits, sondern nur die wortgewordene Ansicht, die sich in mir im Hinblick auf den amerikanischen Stereotyp manifestierte, man könne, sofern man nur wolle, wirklich alles werden, diese Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Attitüde, welche mich enorm graust. Denn die Vorstellung, wir seien alle Millionäre – schließlich, wer will das nicht – doch es gäbe keine Tellerspüler mehr, macht mich unangenehm betroffen. Wer will schließlich schon als reicher Sack meterhohe Türme dreckigen Geschirrs in seiner edlen Designerküche stehen haben! 

Auch wenn der verantwortungsvolle Posten eines amerikanischen Präsidenten sicherlich außerordentlich gut honoriert wird. So las ich, dass das neue Refugium des Mr. President allein 35 Badezimmer haben soll! Nun fragt sich der einfache Mann auf der Straße vielleicht, wozu um Gottes Willen ein einziger Mensch 35 Badezimmer braucht, doch diesem einfachen Mann möchte ich antworten, dass ich außer schwarzhäutigen Kollegen, auch mal einen Kollegen mit Waschzwang hatte. Der hat nicht nur ständig seine Hände, sondern auch Bananen und Geldscheine gewaschen: Für den wäre das Weiße Haus Dank reichhaltiger Waschgelegenheiten das Paradies auf Erden! Andererseits gibt es auch Berufe, die definitiv weniger an Badezimmern wie auch Finanziellem  abwerfen, einen aber dennoch glücklich und zufrieden durch Leben wandeln lassen. 

Der Typ zum Beispiel, der Tag für Tag gegen Nachmittag an der Außenseite meiner Behausung einen leeren Handwagen Richtung Innenstadt zieht, um diesen nur 10 Minuten später mit einem Bierkasten darauf wieder gen Sozialbauten am Rande der Stadt zu schieben, der hat sicherlich weit weniger berufliche Belastung, scheint darüber aber dennoch nicht unglücklich zu sein. Und wie er ausschaut, hat er wahrscheinlich nicht mal ein Badezimmer. Und auch dieser Umstand ist einem Dasein in Glück und Zufriedenheit scheinbar nicht abträglich, vorausgesetzt, dass man nicht wie mein ehemaliger Kollege unter Reinlichkeitszwang leidet. Obama, so denke ich, wird die 35 Badezimmer hingegen gut gebrauchen. Denn im Weißen Haus, da beginnt jetzt das große Saubermachen.

7 Antworten zu “Im Schwarzlicht betrachtet”

  1. Marc sagt:

    Falls es Dich interessiert, warum das Weiße Haus so viele Badezimmer hat… es hängt unmittelbar mit deinen Betrachtungen zusammen:

    1. Als “Badezimmer” werden dort auch die Klos bezeichnet.
    2. Die mussten jeweils immer in 4facher Ausfertigung vorhanden sein:
    Männlein – Weiblein – jeweils in schwarz und weiß.

    Denn die Schwarzen durften die zwar alle putzen, aber nicht alle benjutzen :-)

  2. Torsten sagt:

    Schöner Text. Hoffen wir, daß Weltenretter Obama das Beste aus seiner Amtszeit macht. Die Anforderungen und Ansprüche sind hoch; inwieweit er diesen gerecht wird/gerecht werden kann wird die Zukunft zeigen. Wobei ich bei der riesigen Erwartungshaltung Obama gegenüber (weltweit), das Schlimmste befürchte. Ach nee, nich schon wieder Schwarzmalerei, alles wird gut!

  3. Kolumnistenschwein sagt:

    @Marc
    Punkt 1 war mir bekannt, aber entfallen. Zum Glück! Wer möchte schon einen Text über 35 Klos schreiben!

    @Torsten
    Und wenn es ihm nicht glückt: so schön ist die Welt nun auch wieder nicht ;-)

  4. Mo sagt:

    Waschzwang oder Reinlichkeitszwang, wie auch immer man das betiteln mag, ich glaube, dass sich so ein Zwang im Laufe des Lebens durchaus auch von selbst erledigen kann. Es gibt ganz einfach Zwänge, die verlieren ihre Zwanghaftigkeit, wenn das Leben schlechte Karten gibt.

  5. Hans sagt:

    Die Inthronisationszeremonie habe ich zum Glück verpasst. Bei dem Personenkult hätte ich mich bloß wieder aufregen müssen. Obama wird genau das tun, was die im Hintergrund von ihm wollen. Egal ob er schwarz, weiß oder blau ist.

    »Die Welt wird von ganz anderen Personen regiert als diejenigen es sich vorstellen, die nicht hinter den Kulissen stehen.«
    - Benjamin Disraeli (1804-1881) -

    MfG
    Hans

  6. spill sagt:

    Naja dieses Manipulationsgeraune sehe ich bei BO eigentlich nicht.
    Bei DASBUSHIT war das wohl der Fall irgendwie.
    BO scheint sich schon gut präpariert zu haben, das zeigen ja schon seine Aktionen bis jetzt.
    Ein durchaus aggressiver Kurs den der ‘durchzieht ey.
    Naja.
    Erschossen wird der sowieso bald…….,…doch…..;-(((

  7. nomadyss sagt:

    @spill: ja, das mit dem Erschießen ist so latent im Raum. Wenn nicht von denen, die er jetzt aus Guantanamo entlässt so halt von denen, die dort bisher gearbeitet haben. Irgendwem versaust Du immer das Geschäft, in dem Versuch, menschliche Größe zu zeigen und die einzige Frage, die Deine Gegner sich stellen, ist die, ob es besser wird, wenn Du tot bist oder ob es noch schlechter kommt. Und wenn, wie bei dem Amis, nicht nur finanzielle Interessen, sondern auch noch religiös-durchgeknallter Fanatismus dazukommt, weil der ganz persönliche Heilige die Ausrottung aller dauerlächelnden Halbkenianer verlangt, da dies teuflische Geschöpfe sind, ist deine Lebenserwartung kürzer als der Gefängnisaufenthalt von Herrn Zumwinkel.