Schweinerei des Tages (2)

Es schüttelt mich beim Gedanken, mich der alltäglichen, allgegenwärtigen Narretei im Lande mit Worten zu widmen. Denn nur wer nichts Besseres kann, der solle den Schlechtigkeiten der Welt zu Leibe gehen, so ratschlagte schon Überschnauzbart Nietzsche, der ja, bevor seine geistigen Jalousien endgültig und für immer unten blieben, unbestritten ein sehr gediegener Denker war. Doch wie soll man die Finger auf der Tastatur stille halten, wenn rundherum die unternehmerischen Oberdeppen in der von ihnen angerichteten wirtschaftlichen Scheiße herumspringen, auf dass es nur so spritzt, und man selbst keinerlei Chance hat, sich gedanklich unbekleckert in die heile Welt von Kaffeepot und Sofakissen zu retten!? Sogar ich, der doch allen Menschen ein gutes Pfund an Dummheit und Unverschämtheit zugesteht, muss meine Zehnägel mit ungestümer Gewalt am Hochrollen hindern, wenn ich höre, dass eine milliardenschwere deutsche Unternehmerin ihre sicherlich sehr aufwendig gepflegten  Hände nach Steuergeldern ausstreckt, die selben Hände, die in unternehmerischer Kurzsichtigkeit Firmengelder herauswarfen, verspekulierten, alles auf den Hut ganz rechts setzten, doch die Murmel war – wie immer! – unter einem anderen Hut versteckt. Mir scheint fragwürdig, dass das finanzielle Risiko, welches ein Unternehmer unfraglich trägt, bei Verlusten auf die Schultern der Steuerzahler abgewälzt werden soll, während in fetten Zeiten, als der Rubel in breitem Strome in Richtung Privatkonto rollte, des Arbeitnehmers Schultern nicht einen einzigen Unternehmerblick wert waren. Da spucken sie Gift und Galle, wenn das Wort „Verstaatlichung“ durch deutsche Medien wabbert, doch sobald dieses Wort nur Bezug auf des Milliardärs Verluste hat, so webt man dem Rufer einen roten Teppich ins Abgeordnetenhaus. Mein Gott, wie ich sie hasse, diese Phrasen von der „Sozialisierung der Verluste“ und der „Privatisierung der Gewinne“, aber Herr im Himmel: SIE SIND DIE IN STEIN GEMEIßELTE ETHIK UNSERER WIRTSCHAFTSFÜHRER! Und da, liebe Leserin, lieber Leser, geht’s mir wie dem Wodka Martini von James Bond: ich bin geschüttelt. Nicht gerührt.

6 Antworten zu “Schweinerei des Tages (2)”

  1. Mo sagt:

    *SIE SIND DIE IN STEIN GEMEIßELTE ETHIK UNSERER WIRTSCHAFTSFÜHRER!*

    Kolumnistenschwein, ja ganz genau.
    Wobei dann je nach Ethik jeweils das Gebot der Stunde Anwendung findet, oder aber auch nicht.

  2. Kolumnistenschwein sagt:

    Genau. Aber steht ja schon im Text

  3. Hans sagt:

    Hi Kolumnistenschwein.

    So ganz mag ich Dir da jetzt nicht zustimmen. Immerhin sind diese Leute es gewohnt, hofiert zu werden. Da darf des einfachen Mannes Fürsorge nicht nachlassen, wenn es der milliardenschweren Unternehmerin oder dem milliardenschweren Unternehmer einmal nicht so gut geht. Immerhin sind wir schuld daran. Hätten wir diese Leute nicht so verhätschelt, dann wäre es vielleicht gar nicht so weit gekommen. Eventuell wäre eine Bestenauslese nicht verkehrt. Jede Woche wird der Schlechteste von denen gekürt. Und der darf dann 10 Jahre lang auf Hartz IV-Niveau leben. Für den Einzelnen vielleicht hart, für den Rest aber unglaublich motivierend.

    PS.: Ach was Hartz IV-Niveau. Hartz V! Und da bin ich noch viel zu anständig.

    MfG
    Hans

  4. Kolumnistenschwein sagt:

    Ach Hans,

    mich stören ja all die Superreichen nicht. Die gehen auch mal übern Jordan. Und zwar nackt. Was mich stört, ist die Unverschämtheit, den Sozialismus für alle Anderen schlecht zu reden, für sich selbst aber den Sozialismus zu proklamieren. Bei “uns” wurden vor der Wende Milch und Brot subventioniert. Heute werden es Millionäre. Bin ich bekloppt oder das System?

  5. spill sagt:

    Zum Glück bist Du bekloppt !

    Wer unbekloppt ist
    der ist dämlich
    der schreibt ein H
    in “nämlich” nämlich

  6. litteratte sagt:

    “…Was mich stört, ist die Unverschämtheit, den Sozialismus für alle Anderen schlecht zu reden, für sich selbst aber den Sozialismus zu proklamieren. Bei “uns” wurden vor der Wende Milch und Brot subventioniert. Heute werden es Millionäre. Bin ich bekloppt oder das System?”

    Das kann man nicht besser sagen! Aber auch nicht oft genug!