Archiv für März 2009

Luftnummer

Donnerstag, 19. März 2009

Ich kann nicht verstehen, wie unser Kater das stinkende Zeugs – welches meine Gattin ihm mehrfach täglich aus einer 415-Gramm-Dose vor die Schnauze schaufelt – seinerseits Selbiges in diese. Wenn man bedenkt, dass doch die natürliche Speisung aller Katzen die Mus musculus ist, und dass das, was die Hersteller von Katzennahrung in die Büchsen pressen, zwar wie gehackte Mäuse aussieht, allerdings aber einen Gestank verströmt, der, als Körpergeruch, allen Mäusen garantiert hochpeinlich wäre. 

Nun habe ich zwar noch nie einer Maus das Fell abgezogen, kann mir aber nicht vorstellen, dass diese unterm Balg so mieft, wie der an unseren Kater großzügig verfütterte Mist. Außer natürlich, die Maus hat ihr Leben bereits im vorigen Kalenderjahr turnusgemäß beendet und wird erst im darauf folgenden Jahr im Keller gefunden. So wie es just in meinem Hause geschah. Zwar roch man, sobald man das feuchte Gemäuer in Richtung Tiefe betrat, dass da irgendwie irgendwas seit Wochen am Dahinscheiden war, doch tippte ich über Monate hinweg auf Kartoffeln, die Gladiolenknollen und auch auf den Eimer, dessen Inhalt mir seit unserem Einzug stets ein großes Mysterium blieb. Der Eimer sei, so informierte man mich, eine Erblast meines Vormieters, welcher dieser wiederum vor Jahrzehnten vom im Zweiten oder gar im Ersten Weltkrieg gefallenen Hauserbauer übernahm. Ein nebulöser mit Henkel versehener Fluch der dieses Haus bewohnenden Generationen. Unterm Regal allerdings, auf welchem alte Farbdosen mit gleichfalls unbekanntem Inhalt ihrem noch im Dunkeln liegendem Schicksal entgegen haderten, lag ein klitzekleines Mäusefell, welches ich allerdings erst beim alljährlichen Pflichtgroßreinemachen des Kellers fand. Des Felles ehemaliger Inhalt indes hatte sich über die Monate hin in Luft, oder besser gesagt, in Gestank aufgelöst. Man kann auch sagen, mit jedem meiner Gänge in den Keller habe ich die Maus Stück für Stück inhaliert, was, so ferne Bekannte, auch meine zeitweilige Knopfäugigkeit erklären würde. 

Da diese zum Himmel stinkenden Alltäglichkeiten natürlich niemanden außerhalb meiner vier Wände auch nur ansatzweise interessieren dürften, spanne ich lieber auffällig ungekonnt einen weiten Bogen vom Thema müffelnder Tierkadaver weg, dennoch zu gleichfalls Anrüchigem hin. Ich las nämlich  erst kürzlich in einem wissenschaftlichen Beitrag, dass bereits Kleinkinder im zarten Alter von drei bis vier Jahren einen Herdentrieb entwickeln. Soll heißen: sie laufen und denken in die Zielrichtung, die ihnen die breite Masse vorgibt. Bei diesem Gedanken kräuselt sich mir allerdings die Hirnrinde, denn es sind doch noch seit je her die zarten Pflänzchen der Vernunft niedergetrampelt worden, wo es auch nur die geringste einer wie auch immer gearteten Massenbewegung gab. 

Selbstverständlich mag Herdentrieb auch einen positiven Aspekt im Marschgepäck haben, da bekanntlich der, welcher sich mittig der Herde positioniert, einen gewissen Schutz vor Angriffen hat, sofern diese nicht von oben oder aus der Tiefe der Verzweiflung erfolgen. Doch möchte ich diesen Schutzsuchenden ein lautes Vorsicht! entgegen schallen lassen, denn Angriffe können auch aus dem Zentrum der Herde selbst heraus entspringen, Rangeleien der hinterfotzigsten Art, da sich bekanntlich immer irgendein Rindvieh um einen beschissenen Grashalm betrogen fühlt, und sei dieser noch so vertrocknet und kümmerlich. Futterneid ist ein weit verbreitetes Phänomenen, selbst wenn mehr Wiese als Rindvieh vorhanden: bevor man teilt, beisst man lieber ins Gras. Doch der Vorteil des vermeintlichen Schutzes innerhalb einer Herde vor Angriffen von außen (welche leider allzu oft nur durch eine zu empfindlich eingestellte emotionale Sensorik als Angriffe eingestuft werden, die sich aber bei gewollt genauerem Hinschauen als durchaus normgerechtes Ziehen von Grenzen enttarnen!) löst sich wie der Protagonist des ersten Textabschnittes in Pesthauch auf, da, sobald die Herde Zielpunkt Schlachthof drängt, es für den Einzelnen im Gedränge kein entrinnen mehr  gibt. Die scheinbare Sicherheit fordert ihren Blutzoll. 

Dies ist natürlich als Gedankengebilde  vollkommen hypothetisch, also nicht geeignet, um jemals als Titelstory der wöchentlich erscheinende Ausgabe des Nature ein Honorar in die Taschen des Autors zu spülen. Bleibt allein Gedanke, dass die Luft innerhalb einer Herde gewiss sehr abgestanden ist. Ein guter Grund für mich einzeln zu marschieren. Denn schlechte Luft hab ich doch schon genug im Keller.

Eine Art Mobbing-Tagebuch (1)

Samstag, 14. März 2009

Sie tragen Bart oder sind nackt im Gesicht. Sie sind dick oder dünn, tragen Sandalen oder Stiefel bis zum Knie. Sie sehen aus wie Du und ich und im günstigsten Falle erkennt man sie sofort an ihrem Blick. Denn an ihren Reden allein macht man sie selten fest, da sie ihre Äußerungen – die zumeist aufgebläht mit Lügen und Verleumdungen bösester Art – nur hinter deinem Rücken fallen lassen. Schließlich reicht der intriganten Wortführer kümmerlicher Mut nur, um zu hintergehen, aber nicht, um den Opfer ihres schwachen Charakters von vorn mit offenem Visier vors Gesicht zu treten.

Apropos zutreten: zutreten können sie nur aus dem Schatten heraus, Bein stellen aus dem Schutze sie deckender “So-habe-ich-dass-doch-nicht-gemeint!”-Sätze, die beim Nachfragen so leicht zerreißen, wie es den dünnen Gespinsten aus Lügen nun einmal zu eigen ist. Sie erbrechen allersüßesten Auswurf, wenn Du ihnen auf deinen zu gehenden Wegen entgegen kommst, und kotzen bitterste Galle, sobald sie  dich in einer Entfernung wissen, die es ihnen scheinbar möglich macht, in den dunklen Kerkern ihrer farblosen Fantasie unerkannt Klingen aus Hass zu schmieden,  um sie aus feigester Anonymität heraus in dein Rückgrat zu schleudern.

Sie glauben, sie hätten das Recht, im Kampf der Existenzen zu unfairen Mitteln zu greifen, dabei hat doch die Evolution längst gezeigt, dass nicht die Kleinmütigen bestehen bleiben, sondern nur die Starken. Sich hinter der Opfer Rücken mit anderen gleichschwachen und feigen Charakteren zu verbünden, bringt eventuell einen zeitlich begrenzten Erfolg momentaner Überlegenheit, über einen längeren Zeitraum hin aber nur den Untergang, da sich der Mensch, welcher sich mit grobfaserigen Geistern umgibt, auch irgendwann an diesen erstickt. Wenn er nicht schon vorher selbst in die von ihm am Wetzstein des Hasses geschliffenen unsichtbaren Messer stolpert.

Hier ein Ratschlag: Hyänen sind allen Klischees zum Trotze nicht feige, sie ernähren sich halt zumeist nur von Aas. Eine Alternative, die es für Mobber durchaus zu bedenken gilt, wenn es zum mutigen Jagen allein nicht reicht! Auch ich habe Fehler, lasse mir diese aber nicht –  mit einer großen Dosis Gift vermengt – von anderen gleichfalls mit Fehlern behafteten hinterrücks aufs Brot schmieren.  Meine Stullen schmiere ich selber, wenn es Not tut, auch öffentlich. Und, werte Inhaber großer Heimtückigkeit: “The Mob rules” von Black Sabbath war von je her einer meiner Lieblingssongs. Doch dass bedeutet mitnichten, dass der Mob auch außerhalb meiner Schallplattensammlung über mein Leben regiert. Und wer dieses nicht kapiert, für den gibt’s auch was auf die Ohren. Und zwar Flötentöne.

16

Mittwoch, 11. März 2009

Ein unauffälliger Schüler. Niemand kann sich die Ursachen für die Tat erklären. Ist es eventuell möglich, dass die Menschen seines Umfeldes weit auffälliger waren? Und kann ein auffälliges Umfeld nicht Ursache sein? Und ist ein Umfeld, welches es für nötig hält, 15 Waffen zu horten, nicht sogar extrem auffällig? Und wer hört die Hilfeschreie, wenn ein Mensch am Menschsein leidet? Und wie hilfreich ist ein System, das Banken rettet, aber Menschen untergehen lässt? Und wird Amok nicht immer auf den Wegen gelaufen, die andere vorgeben? Denkanstöße. Genau 16.