Was ich mir schon immer mal aufs Shirt drucken lassen wollte (22)
Dienstag, 21. April 2009Neidhammel und Charakterschwein sind artverwandt.
Neidhammel und Charakterschwein sind artverwandt.
Für mich sind Mopedfahrer Hasssubjekte aller erster Güte, denn der Lärmpegel ihres Tun lässt sogar Gemütsmenschen wie ich es einer bin, mich im Geiste zu einem schweren, auf einer Lafette gelagertem Maschinengewehr greifen, um der unverschämten Belästigung ein ihr würdiges Ende zu bereiten. In meinen harschesten Tagträumen gehe ich sogar so weit und montiere die von mir ungelittenen Auspuffanlagen der Kleinkrafträder ab, um damit die Mopeds zu Klump zu hauen, ohne die Fahrer vorneweg absteigen zu lassen. Und mit dem Benzin-Blut-Öl-Gemisch, welches nun zentimeterhoch in den Schlaglöchern meiner Heimatstraße steht, speise ich die Funzeln in den dunklen Gängen meines Unterbewusstseins, damit in deren flackernden Lichte der psychologische Gutachter der Staatsanwaltschaft darinnen Gründe für eine strafmildernde Unzurechnungsfähigkeit findet.
Technisch bin ich freilich nicht so be- bzw. unterwandert, als dass ich mir erklären könnte, wie man aus ein paar Kilos zusammengeschweißter Rohre so einen infernalischen Krach herauspressen kann, habe aber davon gehört, dass ein “Aufbohren” gewisser Bauteile dieses an sich nur Menschen von A nach B zu transportierende Beförderungsmittel zu dem macht, was es mir tatsächlich scheint zu sein: ein alleinig Amoklauf förderndes, luftbereiftes Gefährt, um ruhebedürftige Bürger zum die Bevölkerungszahl dezimierenden Ausrasten zu bringen.
Vielleicht liegt es ja daran, dass sich diese Auspuff-Aufbohrer, was ihrer Fähigkeiten im Fachgebiet der Motortechnik betrifft, sich genauso blindäugig wie ich durch diese unserer Welt tasten müssen, so dass sie dem Gerücht, dass das Löchern ihrer Mopedauspuffanlagen des Mopeds Leistung steigern würde, blindlings vertrauen. Doch ein kurzer Blick in die sich dieser Thematik verschriebenen Foren des Internets bestätigt, was der Schreiber dieser Zeilen zwar nicht als Wissen in sich trug, dennoch unterschwellig erahnte: Aufbohren bringt keineswegs mehr Leistung auf, sondern nur weitere Dezibel in die Straße. Aufbohren bringt erwiesenermaßen nur Ergebnisse, wenn man den Schädel derer aufbohrt, die an Altershirndruck leiden. Was, bei den eher jugendlich daher fahrenden Mopedaufsassen, wohl recht selten der Fall sein dürfte. Auch wenn ihr Handeln und Wandeln durchaus Symptome eines Hirnleidens aufweist. Denn wenn ein Moped mehr lärmt als es beschleunigt, so gehe ich davon aus, dass es dessen Besitzer weit weniger darum geht, schnellstens seine Besorgungen damit zu erledigen, sondern eher darum, mittels Unruhe Aufmerksamkeit zu erzwingen. Eine Art motorisiertes Balzverhalten. Denn allein die jungen Dinger in der Nachbarschaft zeigen sich von den nur auf Radau und Abgase getrimmten Fahrradersatz daherkommenden Pickelbuben beeindruckt. Und besonders fasziniert scheinen die kurz vorm ersten Eisprung stehenden Damen, wenn die motorisierten Pfauen vor deren Haustüre ein Dauerrad schlagen, soll heißen, das Moped minutenlang im Leerlauf beschleunigen, auf dass an den Häusern der Nachbarschaft dank aufgebohrter Technik der Putz von den Wänden rieselt. Und der Hauseigentümer Nerven bedenklich samt Augenlider flattern.
Doch hört: Auch ich war einmal jung, mit einem überaus zartem Flaum auf Oberlippe und Wangen, und gewiss bemüht, der gleichaltrigen Mädchen – welche im optimalen Falle Oberlippen und Wangen ohne jeglichen Flaum aufwiesen – Aufmerksamkeit zu erringen. Schließlich galt es als pubertierender Grandseigneur auch zu jenen Zeiten, dass Land der körperlichen Liebe erstmals mit zittrigen Knien zu erkunden. Doch kann ich mich nicht daran erinnern, jemals versucht zu haben, kraft Krawall der Klassenkameradinnen Schambereich zu bezwingen. Es war eher die softe Musik der 70er, die schummrige Beleuchtung im Partykeller, und das eine oder andere Glas Rosenthaler Kardarka, welches uns junge Männer beherzt zugreifen und die Mädels greifbar werden ließ. Ein Handgemenge, welches zugegeben mehr chirurgischer, als denn erotischer Art. Doch wie gesagt: alles ging ohne lärmende Balz vor sich. Nicht einmal auf Töpfe habe ich geschlagen.
Ich bezweifle jedoch, dass Anekdoten dieses Genre jene Jünglinge, welche lärmend durch meines Heimatortes Straßen girren, diese dazu bewegen, geräuschlos um die Ziele ihrer ungestümen Hormonschübe zu werben. Sie werden weiterhin mit ihren Mopeds lautstark knatternd hoffen, dass der Krach der Backfische Denkvermögen rückstandslos zerrüttet, und somit der jungen Damen Schlüpfer sturmreif schießt. Doch ich, ich werde die Baupläne der Maschinengewehre, welche mir auf Grund des Mopedlärms im Geiste erscheinen, sehr, sehr genau studieren. Und meine jungen Herren: Hört nicht auf die Gerüchte, die besagen, meine Hände wären beide link. Der Habitus, in welchen die Bourgeois einer Kleinstadt gern musisch ausgerichtete Nachbarn hüllen, kann auch als Tarnkappe dienen! Denn wenn es darum geht, die Bürgerrechte auf Mittagsschlaf und Nachtruhe durchzusetzen, so verdiene ich als Schrauber den Zweitnamen Exzellent. Und sind meine Ohren auch vom Gepolter der Mopedmotoren gewiss schon geschädigt, so sind mein Augen, wenn’s ums Zielen, wenn’s ums Anvisieren geht, ungemein scharf fokussiert und sicher. Todsicher.
Doch bis zum Blutbad gilt: Wehret den Anfängen! Denn aus Mopedfahrern werden Quad-Fahrer. Und aus Quad-Fahrern werden Fahrer von Golf GTI mit Sportauspuffanlagen. Also eine sich steigernde motorisierte Unvernunft, denn mit dem Hubraum wächst auch der Grad der Umweltbelästigung. Drum lasst uns für Mopedfahrer Krötentunnel graben, deren weit entfernter Ausgang hinter dem Ereignishorizont einer kosmologischen Singularität liegt. Dort können sie lärmen und in Ermangelung tumber Mädchen einander den Hof machen und niemand wird je davon erfahren. Dies lässt mich im Geiste keine Maschinengewehre basteln, sondern dicke Topflappen häkeln. Und mit diesen schlage ich die Hausierer, welche mehrheitlich um die Stunden der Mittagsruhe arbeitsfreier Tage herum an meiner Haustüre klingeln, mausetot. Die hasse ich nämlich auch.
Prinzipiell habe ich gedanklich gegen Ostern nichts in der Hand. Mir ist auch vollständig egal, ob ich die arbeitsfreien Tage nun einem heidnischem Brauch oder der Kreuzigung eines schlecht rasierten Zimmermannes verdanke. Auch wenn ich hierzu anmerken möchte, dass, wenn irgendwo auf dieser Erde dem Kinde eines Bessergestellten angeblich Unrecht geschieht, und wir dieses unbedingt mit einem Feiertag markieren, wir allesamt alsbald derbe darben werden. Ständig huldigen und “Hallelujah!” schreien kann ein Leben selbstverständlich ausfüllen, doch gilt es zu bedenken, dass, wo alle immer nur fortan am feiern und lobpreisen sind, der Brotpreis untrüglich ins Astronomische steigt, weil ja keine Sau mehr Zeit zum backen hat. Stichwort: Angebot und Nachfrage. Nur naiv betrachtet scheint also die von der Werbeindustrie aus dem Boden gestampfte Spülmittelortschaft Villariba uns als der Himmel auf Erden. Mit scharf gestellter Linse unseres Intellekts hingegen, erweist sich das feierwütige Dorf als Referenzobjekt eines idealen Lebenswandels allerdings nur als unser aller Waterloo. Kurz und knapp: wenn wir in jedem hageren unrasierten Zusammengeschlagenen einen Grund zum Nichtarbeiten finden, so feiern wir uns in Nullkommanix zu Tode. Und ohne den Geruch des Eigenlobes in dichten Schwaden über diesen Text ziehen zu lassen: Nie wurde ein Aufruf gegen Gewalt und deren fatale Folgen logischer zwischen so enge Zeilen gepresst!
Wie gesagt, ich stehe den österlichen Mitbringseln – sei es in Speisung oder eben auch der erwähnten Rumlümmelei – so offen gegenüber, wie die Tore der Karstadt-Filialen an den Adventsonntagen der Kundschaft. Einzig und allein das Ritual des Eierverstecken bereitet mir, wenn auch nicht gleich schlaflose Nächte, so doch aber reichlich Anlass für anstrengende Grübelei. Wären es die Hühner indes, die die Eier verbergen, so wäre ihr Handeln für mich logisch und insofern ohne weitere Frage nachvollziehbar. Kein Mensch, in welchem ein Vater- oder Mutterherz vor sich hin stolpert, möchte, dass der wonneproppige Nachwuchs gekocht und danach auch noch gefärbt wird. Und so ein Huhn ist doch, allen Äußerlichkeiten zum Trotze, gefühlsmäßig auch nur ein Mensch. Dennoch verstecken sie ihre Eier nicht. Was seine Erklärung bestimmt darin hat, dass der Hühner Herzen weit mehr Masse aufweisen, als ihre Hirne.
Dies wiederum führt mich zu der Frage, warum der Mensch, der doch durchschnittlich ein Hirnvolumen von circa 1600 Kubikzentimeter sein eigen nennt, an bestimmten Tagen im Jahr Lebensmittel versteckt. Eiweiß ist doch ein wichtiger Baustein unserer Ernährung und gehört somit auf den Frühstückstisch und nicht unter Sofakissen, hinter Übergardinen und Kommodenfüße gelegt. Was man aber unter Sofakissen, hinter Übergardinen und Kommodenfüße legen darf, sind Selleriestauden. Diese haben so gut wie keinen Nährwert und was des Selleries angebliche potenzsteigernde Wirkung betrifft, so meine ich, dass man “ihn” schon daran festbinden müsste, um ein halbwegs akzeptables Ergebnis zu erzielen. Inständig hoffe ich natürlich, dass mein Körper mich nicht verlässt, bevor ich diesen verlasse, um somit nie in die peinliche Situation zu geraten, mit Kabelbinder und Selleriestaude in der Hand in Richtung eheliches Schlafgemach schleichen zu müssen.
Es gibt sonach keinerlei logischen Grund, Eier zu verstecken. Weder erhöht es ihre Haltbarkeit, noch steigert es ihren Geschmack. Ganz im Gegenteil: über Jahre unterm Sofakissen gelagerte Eier werden – im Gegensatz zu lange gelagerten Spirituosen wie Brandy oder Whisky – in den Gourmettempeln diverser Weltgroßstädte recht selten gereicht. Und dieses wird wohl auch seine Gründe haben. Die von den Chinesen angeblich vergrabenen und nach Jahren verspeisten Eier sollen hier keine tragende Rolle spielen. Schließlich lieben die Chinesen auch Schattenboxen. Und wer seinen Schatten boxt, den nenne ich wunderlich und der darf essen was er will. Und wunderlich finde ich auch, dass in allen zu Ostern im TV präsentierten Bibelverfilmungen, der ungepflegte Typ immer furchtbar brutal ans Kreuz genagelt wird. Gab’s damals denn keine Schrauben?!