Bitte, bitte!
Er starb, so entnahm ich einer auf eine vermutlich frisch verschiedene Person gemünzten Todesanzeige, nach einem arbeitsreichen und erfülltem Leben. Das ist traurig. Also nicht, dass er gehen musste. Wir müssen schlussendlich ja alle einmal gehen. Dies ist eine zutiefst tröstende Konstante, denn der Gedanke, da gibt es Leute, die müssten nicht irgendwann gehen, erschreckt. Denn dann könnte es ja durchaus sein, dass es einen selber erwischt. Und dann tritt man unruhig von einem morschen Fuß auf den anderen, will aber ums verrecken nicht verrecken, hat dabei jedoch vielleicht mit seinem Leben längst abgeschlossen. Eine Konstellation, die nicht das Zeug dazu zu haben scheint, den Betroffenen zum glücklichsten Lebewesen unter der Sonne zu machen. Das Leben ist ja schließlich kein alter Koffer, den man nach Belieben auf- und abschließen kann. Und zumeist hat man, sobald man sein Leben erst einmal abgeschlossen hat, man den Schlüssel dazu doch längst unauffindbar in den Morast des sozialen Miteinanders getreten. Wäre das Leben indes ein Koffer, so wäre es dieses auch nicht ohne Probleme, aber nicht, was dass mögliche Auf- und Abschließen jenes Gepäckstückes beträfe. Doch es würde mir garantiert ungemein Schwierigkeiten bereiten, zu erklären, was zum Henker noch mal ein Leben einen Koffergriff braucht. Doch traurig, traurig wäre dies alles nicht.
Traurig allein ist, dass der Dahingegangene ein arbeitsreiches und erfülltes Leben hatte. So war er doch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einer jener Dritten. Einer jener Dritten, die in Deutschland unter Stress leiden. Und Stress ist, wenn man auch sonst nicht viel hat, worauf man zeit seines Lebens gerne verzichtet. Weil Stress sorgt dafür, dass der Körper eimerweise Adrenalin und Cortisol ausschüttet. Und diese beiden Hormone sind wie Verkehrspolizisten: sie erfüllen zwar unzweifelhaft irgendeinen Zweck, man ist aber dennoch verdammt froh, wenn man nichts mit ihnen zu tun hat. Adrenalin steigert nämlich die Herzfrequenz und den Blutdruck. Soll heißen: das Herz pumpt und pumpt und das Blut drückt und drückt, bis die Gefäßwände einen auf Berliner Mauer machen, soll heißen: sie stürzen ein. Und Cortisol gilt als Auslöser für Morbus Cushing, einer Krankheit, die mit den Symptomen eines rundes Mondgesichtes, dünnen Armen und Beinen, einem dicken Rumpf mit Büffelnacken, einer Gewichtszunahme, verringerter Muskelmasse und erhöhter Knochenbrüchigkeit, sowie Störungen des Kohlenhydratstoffwechsel, welcher sich mit erhöhtem Durst und häufigem Wasserlassen bemerkbar macht, und Impotenz daher kommt.
Wenn nun aber bedeutet, dass, wer ein arbeitsreiches und somit erfülltes Leben hat, mondgesichtig mit dünnen Armen und dünnen Beinen und einem dicken Rumpf plus Büffelnacken durchs Leben gehen muss, dazu ständig am saufen und pinkeln ist, sich fortwährend irgendeinen Knochen bricht und – um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen – unter mangelnder Standfestigkeit im Schritt leidet, dazu auch noch Gefäße wie die Berliner Mauer hat, so sage ich hier ehrlich und offen: möge mein zukünftiges Leben arm an Arbeit und unerfüllt wie die Träume so zahlreicher DSDS-Teilnehmerinnen sein!
So betrachte ich es auch nicht als Schande, in einer mir in ungeahnter Zukunft gewidmeten Todesanzeige eventuell als fauler zielloser Sack bezeichnet zu werden. Es gibt weitaus schlimmeres. Büffelnacken zum Beispiel.
29. Mai 2009 um 17:39
Kolumnistenschwein,
Du hast doch wohl nichts gegen wild lebende Rindernacken?
Der Wasserbüffel zum Beispiel, der springt in die eiskalten Fluten, egal was für beängstigende Kreaturen sich darin befinden, einem Instinkt folgend, um irgendwo vielleicht sicher anzukommen.
Büffel sind nicht einfach zu erklären.
29. Mai 2009 um 22:40
Da ist ein Kyniker verlorengegangen… nee, warte: Er lebt!
30. Mai 2009 um 8:16
@Mo
Hauptsache, ihre Milch macht guten Mozarella!
@Marco
Noch!!!
30. Mai 2009 um 15:33
Also Danke an Marco, vorher noch nie was von den Kynikern gehört und jetzt die perfekte Einordnung des Autors gefunden und dieser hat sie nahezu klaglos anerkannt und ich denke wir sollten in unbedingt hier http://de.wikipedia.org/wiki/Kynismus als lebenden Vertreter dieser Schule mit einbringen. Ich sehe sie förmlich vor meinem geistigen Auge, die Tonne auf dem Erfurter Anger oder vielleicht besser noch in Weimar.
01. Juni 2009 um 17:42
@Dirk: Jupp, aber Vorsicht – Nicht zu viele Schubladen aufmachen, sonst erstickt man drin
P.S.: Diogenes rockt!