Archiv für Juni 2009

Platzangst

Freitag, 26. Juni 2009

Nie bestand bei meiner Person der Verdacht, dass ich für meine Leistungen im Fach Physik jemals zu Lebzeiten mit Ehrungen in Form von mit Halbedelsteinen verzierten Pokalen und goldenen Medaillen überhäuft werden könnte. Gleiches vermutete man im Übrigen auch für die unwahrscheinlich lange Zeit nach meinem Tode. Ganz im Gegenteil: man sagte meinen Fähigkeiten im Bereich zwischen klassischer Mechanik und Quantenphysik quasi ein Nichtvorhanden sein nach. Auch nach der Schulzeit blieben für mich Galileo Galilei, Isaac Newton und Stephen Hawking nur solch Allerweltsnamen wie Meier, Müller oder Schulze. Wobei ich von den drei zuletzt Genannten wenigstens schon gehört hatte, da diese nun allesamt in meiner näheren Umgebung wohnhaft waren. Der Meier soff, der Müller hatte Ärger mit dem Finanzamt und der Schulze war sein Jahrzehnten arbeitslos. Also Menschen wie Du und ich. Den Begriff Schwerkraft indes, den gebrauchte ich nur im Zusammenhang mit den Erinnerungen an den Unterrichtstoff des Schullehrfaches Physik, da es meine Lehrer stets Unmengen an Kraft kostete, mich für Physikalisches schwer zu begeistern. Doch ohne die Bemühungen der um mich bemühten Pädagogen hinterrücks schmälern zu wollen: Physik blieb dennoch über Jahre für mich, was Spinat für die meisten aller Kleinkinder. Nur dass ich mir Physik nicht auf den Latz kotzte.

Trotz gewaltiger Mängel an theoretischem Wissen betreffs dieser Naturwissenschaft, behaupte ich nun mit keineswegs übermäßig geschwellter Brust, den Grund dafür gefunden zu haben, warum sich das Universum beständig ausdehnen muss. Mag dafür der Urknall auch allzu oft als wehrloses Standardmodell herhalten müssen, so stelle ich diesem folgendes Gedankengebäude in den von leider viel zu vielen Leichtgläubigen breit getrampelten Pfad. Ich kenne nämlich Leute, die verfügen über ein dermaßen aufgeblähtes Selbstbewusstsein, dass aber dazu über diesen allein schon unverschämten, weil unbegründeten Zustand hinaus, Tag für Tag noch weiter anzuwachsen zu scheint, sich also immer weiter und weiter aufbläht, so dass es folglich auch zu einer ständigen Vergrößerung des Universums kommen muss. Denn wäre das Universum im Raum begrenzt, so würde das Selbstbewusstsein, dass dessen Träger breitbeinig mit verschränkten Armen und erhobenem Kinn zur Schau stellt, irgendwann über die Grenzen des Kosmos hinaus drängen wollen. Dies ist aber selbst für physikalische Blindnieten wie mich nicht nachvollziehbar. Denn außerhalb des Raumes ist kein Raum denkbar, was demzufolge ein grenzenloses Selbstbewusstsein ausschließt. Ein solches in einem statischem Weltraum zu platzieren, gliche dem Versuch, einen Wohnzimmertisch mit einer Fläche von 12 Quadratmetern in einem Zimmer mit einer Fläche von nur 6 Quadratmetern aufstellen zu wollen. An solch einem Tun ist schon manch Möbelpacker kläglich vor die Hunde gegangen. Somit bleibt also nur das Modell eines sich bis auf den Sankt-Nimmerleins-Tag ausdehnenden Universums. Ansonsten müssten ja die Leute mit dem alles überragenden Ichbewusstsein bei der zuständigen Behörde ein Zweituniversum mit eben dieser Eigenschaft beantragen, damit sie nicht das Schicksal der obig bezeichneten Möbelpacker teilen. Doch sind diese eher an der Unmöglichkeit gescheitert, große Möbel in kleine Zimmer zu stellen, so würden die Egomanen, diese fleischgewordenen Reinkarnationen Benito Mussolinis, daran zu Grunde gehen, dass ihr Ego an der Grenze des Universums zerschellt. Und ohne aufgeblasenes Ego wären sie nur wie ein Meier, ein Müller oder ein Schulze. Also ein Mensch wie Du und ich. Kleine Lichter. Auch für sie würde also gelten: ich bin. Nicht weniger. Aber auch nicht mehr. Doch diese Vorstellung scheint so schlimm, dass sie lieber mit den Möbelverpackern versuchen, einen Tisch mit einer Fläche von 12 Quadratmetern ins 6 Quadratmeter große Wohnzimmer zu stellen.
Na dann: Gutes Gelingen!

Was ich mir schon immer mal aufs Shirt drucken lassen wollte (24)

Donnerstag, 25. Juni 2009

Wahlkampf ist, wenn die Pausenclowns in Vollzeit arbeiten.

Ein paar Gramm Grimm

Sonntag, 21. Juni 2009
Es ist erstaunlich, dass, so scheint es mir, eine nicht geringe Anzahl von Menschen als einzigen Lebensantrieb nur ihren Hass haben. Hass auf Hautfarben. Hass auf Menschen ohne Vorhaut. Hass aber auch auf Menschen mit Vorhaut. Hass auf Starke. Hass auf Schwache. Hass auf Körper. Hass auf Geist. Hass insbesondere auf die, die nicht selbst zu hassen gewillt sind. Hass aber als einziger Lebensantrieb ist doch ein sehr unzuverlässiger Daseinsmotor, da, sobald die Subjekte des Hasses nicht greifbar, der Motor alsbald zu stottern beginnt, und man ohne jeglichen Impuls auf der Strecke seines jämmerlichen Lebens bleibt. Stagnation mangels Schuldzuweisungen. Ein Vakuum eines bis dato im Hass – da nichts anderes greifbar, begreifbar – gefundenen Lebenssinnes. Und in dieser Situation Luther zu zitieren, mit dem Spruch, den er angeblich am Ende seiner Rede des Reichstages zu Worms im Jahre von 1521 vom Stapel ließ, und welcher in ungefähr besagt, dass er da nun stehe, weil er nicht anders könne, wäre als persönliches Eingeständnis einer äußerst stark ausgeprägten charakterlichen Schwäche zwar denkbar, aber selten praktikabel, da nicht jeder Vollzeitgrimmige einen großen Zitateschatz sein eignen nennt. Außerdem ist Luther zitieren undenkbar. Da man ihn ja schließlich von Grund auf grundlos hasst. Dass Luther schon ein paar Hundert Jahre nicht mehr auf Erden weilt, spielt hierbei keinerlei Rolle, da nicht nur Zitate, sondern auch historische Tatsachen wegen Engstirnigkeit keinen Platz im Schädel fanden.
So wollte ich einen Text beginnen, befand aber, dass es nur zum Fenster meines Lebens herausgeschmissene Zeit ist, da der Hass zum Menschen gehört, wie das Lecken des eigenen Afters zum Hund. Und beides hat ja auch irgendwie mit Scheiße zutun. Der österreichische Dramatiker Arthur Schnitzler hat zum Thema Hass folgende Verbalität abgesondert:
Der Hass der Großen gegen die Kleinen ist Ekel, der Hass der Kleinheit gegen die Größe Neid.
Ein Satz, der ein weiteres Niederschreiben des Textes mit der Thematik Hass mir unnötig erscheinen lässt, da er ein auf wenige Worte eingekochtes Konzentrat der von mir zu schreiben wollenden Kolumne darstellt. Und so schreibe ich lieber über den Herrn, welchen ich gestern auf einem großen Erfurter Volksfest sah, und welcher wahrscheinlich der kühlen Witterung wegen unter seiner kurzen Hose eine Damenstrumpfhose trug. Dies erschien mir ungemein mutig, da Damenstrumpfhosen laut allgemeinen Gebrauchsvorstellungen nur von Frauen getragen werden dürfen. Werden sie hingegen von Männern angezogen, so unterstellt man dem Träger indes nur eine sexuelle Verwirrung, aber niemals das praktische Anliegen, dem miesem Wetter nur ein feingesponnenes Schnippchen zu schlagen.
Selbstverständlich wäre es eine denkbar einfache Alternative, sich bei ungünstigen Temperaturen in eine langärmelige Hose zu kleiden. Doch, und dieses empfinde ich wiederum als höchstlöblich, sollte der Mensch sich als Individuum insbesondere dadurch auszeichnen, dass der auf allen gedanklichen Mainstream große Haufen setzt, und Regeln, die weder in Stein noch in Gesetzbücher gehauen, unbeachtet lässt.
Und lieber sehe ich auf Deutschlands Straßen bestrumpfhoste Männerbeine, als in Hass gekleidete Gesichter. Und wer glaubt, zum Hassen gehöre Mut, der solle als Mann doch ausnahmsweise mal zur Strumpfhose greifen. Dann nenne ich ihn Richard Löwenherz und hole mir Autogramme.
Auch wenn ich das hasse.

Es ist erstaunlich, dass, so scheint es mir, eine nicht geringe Anzahl von Menschen als einzigen Lebensantrieb nur ihren Hass haben. Hass auf Hautfarben. Hass auf Menschen ohne Vorhaut. Hass aber auch auf Menschen mit Vorhaut. Hass auf Starke. Hass auf Schwache. Hass auf Körper. Hass auf Geist. Hass insbesondere auf die, die nicht selbst zu hassen gewillt sind. Hass aber als einziger Lebensantrieb ist doch ein sehr unzuverlässiger Daseinsmotor, da, sobald die Subjekte des Hasses nicht greifbar, der Motor alsbald zu stottern beginnt, und man ohne jeglichen Impuls auf der Strecke seines jämmerlichen Lebens bleibt. Stagnation mangels Schuldzuweisungen. Ein Vakuum eines bis dato im Hass – da nichts anderes greifbar, begreifbar – gefundenen Lebenssinnes. Und in dieser Situation Luther zu zitieren, mit dem Spruch, den er angeblich am Ende seiner Rede anlässlich des Reichstages zu Worms im Jahre von 1521 vom Stapel ließ, und welcher in ungefähr besagt, dass er da nun stehe, weil er nicht anders könne, wäre als persönliches Eingeständnis einer äußerst stark ausgeprägten charakterlichen Schwäche zwar vorstellbar, aber selten praktikabel. Nicht jeder Vollzeitgrimmige nennt schließlich einen großen Zitateschatz sein eignen. Außerdem ist Luther zitieren undenkbar. Da man ihn ja schließlich von Grund auf grundlos hasst. Dass Luther schon ein paar Hundert Jahre nicht mehr auf Erden weilt, spielt hierbei keinerlei Rolle, da nicht nur Zitate, sondern auch historische Tatsachen wegen Engstirnigkeit keinen Platz im Schädel fanden.

So wollte ich meinen Text beginnen, befand aber, dass es nur zum Fenster meines Lebens herausgeschmissene Zeit sein wird, da der Hass zum Menschen gehört, wie das Lecken des eigenen Afters zum Hund. Beides hat ja auch irgendwie mit Scheiße zutun. Der österreichische Dramatiker Arthur Schnitzler hat zum Thema Hass folgende Verbalität abgesondert:

Der Hass der Großen gegen die Kleinen ist Ekel, der Hass der Kleinheit gegen die Größe Neid.

Ein Satz, der ein weiteres Niederschreiben eines Textes mit der Thematik Hass mir unnötig erscheinen lässt, da er ein auf wenige Worte eingekochtes Konzentrat der von mir soeben noch zu schreiben wollenden Kolumne darstellt. Und so schreibe ich lieber über den Herrn, welchen ich gestern auf einem großen Erfurter Volksfest sah, und welcher – wahrscheinlich der kühlen Witterung wegen –  unter seiner kurzen Hose eine Damenstrumpfhose trug. Dies erschien mir ungemein mutig, da Damenstrumpfhosen laut allgemeinen Gebrauchsvorstellungen nur von Frauen getragen werden dürfen. Werden sie hingegen von Männern angezogen, so unterstellt man dem Träger indes nur eine sexuelle Verwirrung, aber niemals das praktische Anliegen, dem miesem Wetter nur ein feingesponnenes Schnippchen schlagen zu wollen.

Selbstverständlich wäre es eine denkbar einfache Alternative, sich bei ungünstigen Temperaturen in eine langärmelige Hose zu kleiden. Doch, und dieses empfinde ich wiederum als höchstlöblich, sollte der Mensch sich als Individuum insbesondere dadurch auszeichnen, dass er auf allen gedanklichen Mainstream richtig große Haufen setzt, und Regeln, die weder in Stein noch in Gesetzbücher gehauen sind, weitgehend unbeachtet lässt.

Und lieber sehe ich auf Deutschlands Straßen bestrumpfhoste Männerbeine, als in Hass gekleidete Gesichter. Und wer glaubt, zum Hassen gehöre Mut, der solle als Mann doch ausnahmsweise mal öffentlich zur Strumpfhose greifen. Dann nenne ich ihn Richard Löwenherz und hole mir ein Autogramm.

Auch wenn ich das hasse.