Es ist erstaunlich, dass, so scheint es mir, eine nicht geringe Anzahl von Menschen als einzigen Lebensantrieb nur ihren Hass haben. Hass auf Hautfarben. Hass auf Menschen ohne Vorhaut. Hass aber auch auf Menschen mit Vorhaut. Hass auf Starke. Hass auf Schwache. Hass auf Körper. Hass auf Geist. Hass insbesondere auf die, die nicht selbst zu hassen gewillt sind. Hass aber als einziger Lebensantrieb ist doch ein sehr unzuverlässiger Daseinsmotor, da, sobald die Subjekte des Hasses nicht greifbar, der Motor alsbald zu stottern beginnt, und man ohne jeglichen Impuls auf der Strecke seines jämmerlichen Lebens bleibt. Stagnation mangels Schuldzuweisungen. Ein Vakuum eines bis dato im Hass – da nichts anderes greifbar, begreifbar – gefundenen Lebenssinnes. Und in dieser Situation Luther zu zitieren, mit dem Spruch, den er angeblich am Ende seiner Rede des Reichstages zu Worms im Jahre von 1521 vom Stapel ließ, und welcher in ungefähr besagt, dass er da nun stehe, weil er nicht anders könne, wäre als persönliches Eingeständnis einer äußerst stark ausgeprägten charakterlichen Schwäche zwar denkbar, aber selten praktikabel, da nicht jeder Vollzeitgrimmige einen großen Zitateschatz sein eignen nennt. Außerdem ist Luther zitieren undenkbar. Da man ihn ja schließlich von Grund auf grundlos hasst. Dass Luther schon ein paar Hundert Jahre nicht mehr auf Erden weilt, spielt hierbei keinerlei Rolle, da nicht nur Zitate, sondern auch historische Tatsachen wegen Engstirnigkeit keinen Platz im Schädel fanden.
So wollte ich einen Text beginnen, befand aber, dass es nur zum Fenster meines Lebens herausgeschmissene Zeit ist, da der Hass zum Menschen gehört, wie das Lecken des eigenen Afters zum Hund. Und beides hat ja auch irgendwie mit Scheiße zutun. Der österreichische Dramatiker Arthur Schnitzler hat zum Thema Hass folgende Verbalität abgesondert:
Der Hass der Großen gegen die Kleinen ist Ekel, der Hass der Kleinheit gegen die Größe Neid.
Ein Satz, der ein weiteres Niederschreiben des Textes mit der Thematik Hass mir unnötig erscheinen lässt, da er ein auf wenige Worte eingekochtes Konzentrat der von mir zu schreiben wollenden Kolumne darstellt. Und so schreibe ich lieber über den Herrn, welchen ich gestern auf einem großen Erfurter Volksfest sah, und welcher wahrscheinlich der kühlen Witterung wegen unter seiner kurzen Hose eine Damenstrumpfhose trug. Dies erschien mir ungemein mutig, da Damenstrumpfhosen laut allgemeinen Gebrauchsvorstellungen nur von Frauen getragen werden dürfen. Werden sie hingegen von Männern angezogen, so unterstellt man dem Träger indes nur eine sexuelle Verwirrung, aber niemals das praktische Anliegen, dem miesem Wetter nur ein feingesponnenes Schnippchen zu schlagen.
Selbstverständlich wäre es eine denkbar einfache Alternative, sich bei ungünstigen Temperaturen in eine langärmelige Hose zu kleiden. Doch, und dieses empfinde ich wiederum als höchstlöblich, sollte der Mensch sich als Individuum insbesondere dadurch auszeichnen, dass der auf allen gedanklichen Mainstream große Haufen setzt, und Regeln, die weder in Stein noch in Gesetzbücher gehauen, unbeachtet lässt.
Und lieber sehe ich auf Deutschlands Straßen bestrumpfhoste Männerbeine, als in Hass gekleidete Gesichter. Und wer glaubt, zum Hassen gehöre Mut, der solle als Mann doch ausnahmsweise mal zur Strumpfhose greifen. Dann nenne ich ihn Richard Löwenherz und hole mir Autogramme.
Auch wenn ich das hasse.
Es ist erstaunlich, dass, so scheint es mir, eine nicht geringe Anzahl von Menschen als einzigen Lebensantrieb nur ihren Hass haben. Hass auf Hautfarben. Hass auf Menschen ohne Vorhaut. Hass aber auch auf Menschen mit Vorhaut. Hass auf Starke. Hass auf Schwache. Hass auf Körper. Hass auf Geist. Hass insbesondere auf die, die nicht selbst zu hassen gewillt sind. Hass aber als einziger Lebensantrieb ist doch ein sehr unzuverlässiger Daseinsmotor, da, sobald die Subjekte des Hasses nicht greifbar, der Motor alsbald zu stottern beginnt, und man ohne jeglichen Impuls auf der Strecke seines jämmerlichen Lebens bleibt. Stagnation mangels Schuldzuweisungen. Ein Vakuum eines bis dato im Hass – da nichts anderes greifbar, begreifbar – gefundenen Lebenssinnes. Und in dieser Situation Luther zu zitieren, mit dem Spruch, den er angeblich am Ende seiner Rede anlässlich des Reichstages zu Worms im Jahre von 1521 vom Stapel ließ, und welcher in ungefähr besagt, dass er da nun stehe, weil er nicht anders könne, wäre als persönliches Eingeständnis einer äußerst stark ausgeprägten charakterlichen Schwäche zwar vorstellbar, aber selten praktikabel. Nicht jeder Vollzeitgrimmige nennt schließlich einen großen Zitateschatz sein eignen. Außerdem ist Luther zitieren undenkbar. Da man ihn ja schließlich von Grund auf grundlos hasst. Dass Luther schon ein paar Hundert Jahre nicht mehr auf Erden weilt, spielt hierbei keinerlei Rolle, da nicht nur Zitate, sondern auch historische Tatsachen wegen Engstirnigkeit keinen Platz im Schädel fanden.
So wollte ich meinen Text beginnen, befand aber, dass es nur zum Fenster meines Lebens herausgeschmissene Zeit sein wird, da der Hass zum Menschen gehört, wie das Lecken des eigenen Afters zum Hund. Beides hat ja auch irgendwie mit Scheiße zutun. Der österreichische Dramatiker Arthur Schnitzler hat zum Thema Hass folgende Verbalität abgesondert:
Der Hass der Großen gegen die Kleinen ist Ekel, der Hass der Kleinheit gegen die Größe Neid.
Ein Satz, der ein weiteres Niederschreiben eines Textes mit der Thematik Hass mir unnötig erscheinen lässt, da er ein auf wenige Worte eingekochtes Konzentrat der von mir soeben noch zu schreiben wollenden Kolumne darstellt. Und so schreibe ich lieber über den Herrn, welchen ich gestern auf einem großen Erfurter Volksfest sah, und welcher – wahrscheinlich der kühlen Witterung wegen – unter seiner kurzen Hose eine Damenstrumpfhose trug. Dies erschien mir ungemein mutig, da Damenstrumpfhosen laut allgemeinen Gebrauchsvorstellungen nur von Frauen getragen werden dürfen. Werden sie hingegen von Männern angezogen, so unterstellt man dem Träger indes nur eine sexuelle Verwirrung, aber niemals das praktische Anliegen, dem miesem Wetter nur ein feingesponnenes Schnippchen schlagen zu wollen.
Selbstverständlich wäre es eine denkbar einfache Alternative, sich bei ungünstigen Temperaturen in eine langärmelige Hose zu kleiden. Doch, und dieses empfinde ich wiederum als höchstlöblich, sollte der Mensch sich als Individuum insbesondere dadurch auszeichnen, dass er auf allen gedanklichen Mainstream richtig große Haufen setzt, und Regeln, die weder in Stein noch in Gesetzbücher gehauen sind, weitgehend unbeachtet lässt.
Und lieber sehe ich auf Deutschlands Straßen bestrumpfhoste Männerbeine, als in Hass gekleidete Gesichter. Und wer glaubt, zum Hassen gehöre Mut, der solle als Mann doch ausnahmsweise mal öffentlich zur Strumpfhose greifen. Dann nenne ich ihn Richard Löwenherz und hole mir ein Autogramm.
Auch wenn ich das hasse.
Dieser Artikel wurde am Sonntag, 21. Juni 2009 um 12:30 veröffentlicht und ist abgelegt unter Frischfleisch. Du kannst die Antworten zu diesem Artikel mit Hilfe des RSS 2.0 Feeds verfolgen.
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22. Juni 2009 um 0:56
Kolumnistenschwein,
den Ausspruch, den ein Arthur Schnitzler mal abgesondert haben soll, den sollte man im Jahre 2009 mal kritisch hinterfragen.
Aus meiner Sicht sollte man überhaupt so einige “alte” Zitate, auf ihre Anwendbarkeit hin überprüfen.
22. Juni 2009 um 15:09
Und selbst, wenn die “Alten” in allem Recht hatten: wer will es wissen? Lernen setzt Vernunft voraus. Aha! Ich wusste doch, dass die Sache einen Halen hat!