Archiv für Juli 2009

Lezter Halt vor dem Sommerloch!

Freitag, 10. Juli 2009

Es scheint, als habe sich die wirtschaftliche Krise aufs Wetter gelegt. Denn streng genommen haben wir seit dem 21. Juni 2009 Sommer. Noch strenger genommen seit dem 21. Juni 2009 um 07.45 Uhr in der Früh. Doch der Sommer 2009 scheint kein Frühaufsteher. Ganz im Gegenteil. Denn schaue ich in meinen aus der Brieftasche gezückten Kalender, sodann aus dem Fenster meines Wohnzimmers, und wiederum in meinen Taschenalmanach, so stelle ich fest, dass heute einerseits eindeutig der 10. Juli ist, andererseits sich aber vorm Fenster nicht die erwartete Affenhitze plus schwerer Schwüle tummeln, sondern dick ummantelte Frauen mit Schirmen, die sie jedoch nicht der gewaltigen Sonne wegen, sondern des vom tristen Himmel fallenden Regens wegen aufspannten. Und der Regen hat bei weitem nicht solch eine Temperatur, als dass er einen dazu einlädt, mit nackten Füßen in dessen Pfützen zu springen. Dieses tut am 10. Juli dieses Jahres nur, wer ein Immunsystem wie ein steierischer Stier hat. Oder sich keine Winterschuhe leisten kann.

Doch einerlei: heute punkt 15.15 Uhr begann mein mir per Arbeitsvertrag zugesicherte Jahresurlaub, was Krise und Wetter natürlich vollkommen kalt lässt, denn beides, wirtschaftliches Dilemma und klimatische Unpässlichkeit, haben sich noch nie darum gekümmert, wenn dem kleinen Mann im Urlaub Angina und dicke Mandeln drohen, und er sich nicht mal Halstabletten leisten kann. Als wäre die FDP nicht nur primärer Förderer der Finanzkrise, sondern hätte zudem ihre blaugelben Hände auch noch beim Wetter im Spiel. Nicht, dass dieses unter heutigen Umständen technisch möglich ist. Doch von ihrem neoliberalen Charakter her, da würde es passen wie Nudeln zu Tomatensoße. Denn als “Partei der Besserverdienenden”, da hat man es ja quasi im Wahlprogramm stehen, dass 28 Grad Celsius nur jenen Deutschen im Urlaub zustehen, die auch gleichsam im Lohngefüge im höheren Plusbereich zu Hause sind. Hautkrebs nur für überdurchschnittlich Verdienende, was als Trostpflaster sehr gering bemessen, da fürs Proletariat immerhin noch Schwindsucht und Vitamin-D-Mangel bleiben, weil Sonnenlicht sich selten in Kellerwohnungen verirrt.

Dies sind natürlich alles sehr billige Klischees, denn die meisten deutschen Arbeitnehmer sind weder schwindsüchtig, noch anfällig für Rachitis, auch wenn’s den Brüderle’s Niebel und Westerwelle nicht gefällt. Doch selbst ich als Thüringer Arbeitnehmer wohne nicht im Keller, sondern weit darüber, und Licht fällt, wenn auch nur spartanisch, so doch in ausreichender Menge in die Wohnung, so dass man es leichten Fußes und ohne Blindenhund von einem Zimmer ins andere schafft. Und die FDP ist natürlich keine Partei der Besserverdienenden, sondern nur eine Partei, die vorgibt, uns alle zu besser Verdienenden zu machen, den Slogan “Mehr Netto vom Brutto” als hartnäckiges Mantra auf den blutleeren Lippen, ohne auch nur ansatzweise zu erwähnen, dass der Unterschied zwischen Netto und Brutto nur dazu dient, den, wenn auch bereits brüchigen, so doch aber noch vorhandenen sozialen Frieden zu finanzieren.

Ohne wenn und aber allerdings würde ich mein Kreuz im September bei den Freier-Markt-Faschisten machen, wenn diese mir wahlverprechen, meinen nächsten Urlaub mit bundesdeutscher Sonne und ansprechenden Außentemperaturen zu verzieren. Ein Wetter, welches zum Urlaub passt, wie Nudeln zu Tomatensoße. Oder, da als Analogie schon verbraucht, wie Bockwurst zum Eintopf.

Es scheint, als habe sich die wirtschaftliche Krise nicht nur aufs Wetter gelegt.

(In eigener Sache: SOMMER(?)PAUSE!)

Was ich schon immer mal aufs Shirt drucken lassen wollte (25)

Mittwoch, 08. Juli 2009

menschenarm = tierreich

Das Haar zur Faust geballt!

Dienstag, 07. Juli 2009

Er ist kompletter Nonsens, der Glaube, im Haar würde die Kraft sitzen. Ich habe mir die langen Haare schneiden lassen, dennoch bin ich weiterhin dazu befähigt, körperlich schwer zu arbeiten, was den Besuch im Friseursalon im nachhinein als ganz und gar nutzlos erscheinen lässt. Ob die Absicht, sich beim Coiffeur seiner Arbeitskraft zu entledigen, als Selbstverstümmelungsversuch juristisch relevant ist, kann ich auf Grund eines fehlenden rechtskundlichen Basiswissens weder bejahen noch verneinen. Ich nutze aber die uns, somit auch mir gegebene Meinungsfreiheit dahin gehend, um zu behaupten, dass 15 Euro eindeutig nicht zuviel sind, wenn es denn durch Kürzung der eigenen Haare, und somit auch seiner körperlichen Kraft, möglich sein sollte, damit auch seine Lebensarbeitszeit zu verkürzen. Grundlage dafür ist der seit Gründerzeiten gültige Grundsatz, dass, wer in der Firma zu schwach ist, um – mit jeweils einem 50 Kilo Sack Zement unterm Arm – zu gehen, fliegt. Wären also Haar mit Stärke identisch, so müsste beispielsweise Ralf Zacherl seine Kochschürze Knall auf Fall an den Nagel hängen, weil er als Glatzkopf zu kraftlos wäre, um den Pfefferstreuer in eine praktikable Arbeitshöhe zu heben. Und an dem Nagel würden außerdem die Boxhandschuhe von Nikolai Walujew und die Stimmbänder von Sinead O `Connor baumeln.

Wie die alten Germanen darauf kamen, im Haar den Sitz der Kraft zu vermuten, ist mir nicht bekannt. Bekannt ist mir aber, dass ich einmal nach dem exzessiven Genuss von Met mutmaßte, des Nachbarn Zelt wäre ein öffentliches Pissoir, was zu wilden Rauferein innerhalb des berauschten Freundeskreises führte. Und da mir außerdem bekannt ist, dass die alten Germanen auch gerne mal ein gestrichen Maß an Bienensaft zu sich nahmen, hat sich die Frage nach der primären Ursache für deren falsche Mutmaßung so was von nur erledigt. Jedenfalls für mich. Und im übrigen ist mit voller Blase balgen in etwa genauso schlimm, wie mit vollem Mund Eier auszublasen. Da muss man am angestrebten Erfolg schon gehörig Abstriche machen.

Dass die Kraft niemals als Wohnsitz das Haupthaar für sich in Anspruch nimmt, mutmaßte ich schon zu den Jahren, in denen einer meiner Bekannten eine mit langem Haar ausgestatte Jungfrau seine Lebensabschnittsgefährten nannte. Denn diese war nicht nur gar keine Jungfrau mehr, sondern dazu trotz arschlanger Haare zu schwach, um Bierkästen in die gemeinsame Mansardenwohnung zu tragen. Wie mir der Bekannte beim gemeinsamen Leeren eines Bierkastens verriet.

Bleibt die Möglichkeit, dass im Haar zumindest die geistige Kraft ihren Stammsitz hat. Wäre es an einem solchen, so würde ich mich heute gern schwarz wie Ebenholz ärgern. Denn just an dem heutigen Morgen war es an mir, eine schriftliche Prüfung abzulegen, welche ich auch mannhaft bestand, und zwar mit einem Ergebnis von satten 80 Prozent. Ärgerlich daran bleibt aber für mich der Gedanke, dass ich diese 80 Prozent mit einer durchschnittlichen Haarlänge von nunmehr 3 Zentimetern bestand, was bedeutet, dass, wenn die Friseuse nur 7,5 Millimeter mehr “dran” gelassen hätte, wohl locker 100 Prozent “drin” gewesen wären. Ob es allerdings nun lohnt, die Haarkünstlerin zu verklagen, ist, bei einem ihr tariflich zugesicherten Stundenlohn von 3,82 Euro im ersten Berufsjahr, schon als bloße Idee nicht lohnenswert. Auch bleibt mir ja nicht das kleinste Quantum an Zeit, um mich mit Friseusen in die Haare zu kriegen. Denn trotz kurzem Haarschnitt: ich muss ja weiterhin arbeiten.

Nachtrag: Ich bin mir überhaupt nicht mehr so sicher, ob die alten Germanen Kraft und Haar wirklich in einem engeren Zusammenhang sahen. Streng genommen sind eben auch 80 Prozent nur eine weitere Variante von gefährlichem Halbwissen!