Das Haar zur Faust geballt!
Er ist kompletter Nonsens, der Glaube, im Haar würde die Kraft sitzen. Ich habe mir die langen Haare schneiden lassen, dennoch bin ich weiterhin dazu befähigt, körperlich schwer zu arbeiten, was den Besuch im Friseursalon im nachhinein als ganz und gar nutzlos erscheinen lässt. Ob die Absicht, sich beim Coiffeur seiner Arbeitskraft zu entledigen, als Selbstverstümmelungsversuch juristisch relevant ist, kann ich auf Grund eines fehlenden rechtskundlichen Basiswissens weder bejahen noch verneinen. Ich nutze aber die uns, somit auch mir gegebene Meinungsfreiheit dahin gehend, um zu behaupten, dass 15 Euro eindeutig nicht zuviel sind, wenn es denn durch Kürzung der eigenen Haare, und somit auch seiner körperlichen Kraft, möglich sein sollte, damit auch seine Lebensarbeitszeit zu verkürzen. Grundlage dafür ist der seit Gründerzeiten gültige Grundsatz, dass, wer in der Firma zu schwach ist, um – mit jeweils einem 50 Kilo Sack Zement unterm Arm – zu gehen, fliegt. Wären also Haar mit Stärke identisch, so müsste beispielsweise Ralf Zacherl seine Kochschürze Knall auf Fall an den Nagel hängen, weil er als Glatzkopf zu kraftlos wäre, um den Pfefferstreuer in eine praktikable Arbeitshöhe zu heben. Und an dem Nagel würden außerdem die Boxhandschuhe von Nikolai Walujew und die Stimmbänder von Sinead O `Connor baumeln.
Wie die alten Germanen darauf kamen, im Haar den Sitz der Kraft zu vermuten, ist mir nicht bekannt. Bekannt ist mir aber, dass ich einmal nach dem exzessiven Genuss von Met mutmaßte, des Nachbarn Zelt wäre ein öffentliches Pissoir, was zu wilden Rauferein innerhalb des berauschten Freundeskreises führte. Und da mir außerdem bekannt ist, dass die alten Germanen auch gerne mal ein gestrichen Maß an Bienensaft zu sich nahmen, hat sich die Frage nach der primären Ursache für deren falsche Mutmaßung so was von nur erledigt. Jedenfalls für mich. Und im übrigen ist mit voller Blase balgen in etwa genauso schlimm, wie mit vollem Mund Eier auszublasen. Da muss man am angestrebten Erfolg schon gehörig Abstriche machen.
Dass die Kraft niemals als Wohnsitz das Haupthaar für sich in Anspruch nimmt, mutmaßte ich schon zu den Jahren, in denen einer meiner Bekannten eine mit langem Haar ausgestatte Jungfrau seine Lebensabschnittsgefährten nannte. Denn diese war nicht nur gar keine Jungfrau mehr, sondern dazu trotz arschlanger Haare zu schwach, um Bierkästen in die gemeinsame Mansardenwohnung zu tragen. Wie mir der Bekannte beim gemeinsamen Leeren eines Bierkastens verriet.
Bleibt die Möglichkeit, dass im Haar zumindest die geistige Kraft ihren Stammsitz hat. Wäre es an einem solchen, so würde ich mich heute gern schwarz wie Ebenholz ärgern. Denn just an dem heutigen Morgen war es an mir, eine schriftliche Prüfung abzulegen, welche ich auch mannhaft bestand, und zwar mit einem Ergebnis von satten 80 Prozent. Ärgerlich daran bleibt aber für mich der Gedanke, dass ich diese 80 Prozent mit einer durchschnittlichen Haarlänge von nunmehr 3 Zentimetern bestand, was bedeutet, dass, wenn die Friseuse nur 7,5 Millimeter mehr “dran” gelassen hätte, wohl locker 100 Prozent “drin” gewesen wären. Ob es allerdings nun lohnt, die Haarkünstlerin zu verklagen, ist, bei einem ihr tariflich zugesicherten Stundenlohn von 3,82 Euro im ersten Berufsjahr, schon als bloße Idee nicht lohnenswert. Auch bleibt mir ja nicht das kleinste Quantum an Zeit, um mich mit Friseusen in die Haare zu kriegen. Denn trotz kurzem Haarschnitt: ich muss ja weiterhin arbeiten.
Nachtrag: Ich bin mir überhaupt nicht mehr so sicher, ob die alten Germanen Kraft und Haar wirklich in einem engeren Zusammenhang sahen. Streng genommen sind eben auch 80 Prozent nur eine weitere Variante von gefährlichem Halbwissen!
07. Juli 2009 um 19:11
Immer diese Haarspaltereien… ^^
08. Juli 2009 um 9:22
Mir würde jetzt eine Menge zum Thema Intimrasur einfallen.
08. Juli 2009 um 16:21
Man sagt ja auch: “Wo der Verstand wächst, müssen die Haare weichen.”
Herr Päppel, wir möchten gerne ein Foto von der neuen Frisur.
Ja, so oberflächlich sind Blogleser
08. Juli 2009 um 16:34
@Frankie
Details bitte!
@BeastyBasti
Siehe hier: http://kolumnistenschwein.de/blog/about/
08. Juli 2009 um 18:35
muhahahahar lustig
Wächst ja zum Glück nach…
08. Juli 2009 um 18:59
Hoffentlich nicht! Mein Friseur arbeitet doch nicht für lau!
08. Juli 2009 um 21:27
Kolumnistenschwein,
Deine Haarpracht interessiert mich herzlich wenig.
Eine “praktikable Arbeitshöhe”, wie von Dir erwähnt, darüber sollte man sich Gedanken machen.
10. Juli 2009 um 12:16
zu geil diese Geschichte…lach mich wech…